Zwei Köpfe, die sich gegenüber stehen

  Beim Hydraulic Fracturing, kurz: Fracking, werden Wasser, Sand und Chemikalien in unterirdische Gesteinsschichten gepresst. Durch den hohen Druck entstehen Risse im Gestein. So kann Erdgas aus undurchlässigem Gestein gelöst und neue Erdgasquellen können erschlossen werden. Doch die Methode birgt auch Gefahren wie beispielsweise die Verschmutzung des Grundwassers. Die Schekker-Autoren Mireille und Vanessa diskutieren das für und wider.

Pro: Mireille

In Zeiten der Energiewende ist Erdgas für Deutschland von immenser Bedeutung. Erdgas eignet sich nämlich hervorragend als Überbrückung nach dem Atomausstieg, da – verglichen mit Kohle – geringere Mengen an Kohlenstoffdioxid bei der Stromerzeugung anfallen. Doch die Vorräte an Erdgas sind knapp, die Bundesrepublik ist abhängig von Importen aus dem Ausland, vor allem aus Russland.

Mithilfe von Fracking kann Erdgas aus dichtem Gestein gefördert werden – mit den herkömmlichen Methoden ist dies nicht möglich. Experten sind davon überzeugt, dass die Menge an Erdöl und Erdgas, die sich in diesen nicht-konventionellen Lagerstätten befinden, sehr viel größer ist als jene in durchlässigen Gesteinen. Das Problem der zur Neige gehenden deutschen Erdgasvorräte wäre vorläufig gelöst.

Die Bundesrepublik wäre nicht mehr auf Importe aus anderen Ländern angewiesen. In Zeiten von politischen Krisen und Umbrüchen ein klarer Vorteil. Ausländische Gasvorkommen liegen nämlich unter anderem in Ländern, die aufgrund ihrer instabilen Situation nicht als Handelspartner in Frage kommen, beispielsweise Algerien oder Libyen. Auch die Dominanz der russischen Gasimporte auf dem europäischen Markt wäre dann kein Thema mehr. Natürlich dürfte die Methode nur unter strengen Auflagen in Deutschland angewendet werden, so dass negative Auswirkungen auf die Umwelt verhindert werden.

Ein positives Beispiel für die bereits angesprochene Unabhängigkeit sind die Vereinigten Staaten. So hat der dortige Fracking-Boom vor einigen Jahren dazu geführt, dass das Land mittlerweile nicht mehr an Importe gebunden ist. Auch die Erdgaspreise liegen in den USA deutlich unter denen in Europa. Daraus ergeben sich erhebliche Wettbewerbsvorteile im Gebiet der energieintensiven Produktion. Es wäre in meinen Augen ein Fehler, wenn Deutschland sich an dieser Fördertechnologie nicht beteiligt – und dadurch den Anschluss auf dem internationalen Markt verliert.

Contra: Vanessa

Im Zeitalter der regenerativen Energiequellen stellt sich die Frage, ob wir mit Fracking tatsächlich eine weitere Methode benötigen, um Erdgas – einen fossilen Brennstoff – zu fördern. Schließlich ist Erdgas schädlich für unser Klima.

Doch zunächst einmal ist der gefährliche „Frack-Cocktail“ genauer zu betrachten. Nachdem bei dieser Methode Risse im Gestein entstehen und das Erdgas an die Oberfläche befördert wird, bleibt ein Teil der hochgiftigen Stoffe für immer tief unter der Erde verschlossen. Einige Unternehmen in den USA nutzen Diesel in ihren Gemischen, obwohl es 2005 verboten wurde. Diesel enthält teils krebserregende Bestandteile wie Benzol und Xylol. Über kurz oder lang können die Chemikalien durch Risse einen Weg zum darüber liegenden Grundwasser finden. Die Technik ist noch nicht ausgereift genug, um langwierige Folgen, wie beispielsweise die Kontamination von Trinkwasserquellen komplett zu verhindern.

Ein weiteres Problem der umstrittenen Erdgasförderung besteht im „Flowback“. So wird der Vorgang nach der Gewinnung des Erdgases genannt, bei dem ein Teil des Chemikaliengemischs wieder an die Oberfläche gelangt. In den USA wird Fracking seit 2007 betrieben und kann jetzt schon als warnendes Beispiel für Deutschland dienen. 2011 kam es in Pennsylvania zu einem Blowout, einem unkontrollierten Austritt von Erdgas aus einem Bohrloch. Landwirtschaftsflächen waren über zwölf Stunden lang dem giftigen Gemisch ausgesetzt. Die Chemikalien ergossen sich bis in den Susquehanna River, der Trinkwasserlieferant für mehrere große Städte in Pennsylvania ist.

Einen weiteren negativen ökologischen Beigeschmack bildet das Methangas, das neben hundert anderen Chemikalien im Fracking-Gemisch enthalten ist. Dieses Gas kann aus dem Boden entweichen und in die Luft gelangen. Da Methangas ein Treibhausgas ist, fördert Fracking so auch den Treibhauseffekt.

Ökologischer Schutz ist eine der Säulen der Stabilitätspolitik Deutschlands. Mit der Förderung von Erdgas durch Fracking wird diesem Ziel nicht Folge geleistet. Fracking darf in meinen Augen aus Rücksicht auf unsere Umwelt nicht legitimiert werden!

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