Grafik: Ronny Pietsch

Die Diskussion um die Freizügigkeit von Rumänen und Bulgaren in der EU und der Schweizer Volksentscheid zugunsten einer begrenzten Zuwanderung haben das Thema Zuwanderung wieder in den Fokus der Politik gerückt. Braucht Deutschland mehr oder weniger Immigranten?

Pro: Polina

Die Debatte rund um Zuwanderung ist heute so aktuell wie nie zuvor. In Berlin überwintern Flüchtlinge in Zelten und verlieren langsam die Hoffnung. Die Zuwanderungspolitik wird zunehmend härter. Dabei bringt Zuwanderung auch für Deutschland viele Vorteile.

Die problematische demografische Entwicklung in Deutschland macht Zuwanderung sogar notwendig. Die Deutschen werden immer älter – man braucht dennoch junge Arbeitskräfte, um das Sozialsystem und auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands aufrecht zu erhalten. Viele solcher Kräfte kommen aus dem Ausland. Die von Zuwanderungsgegnern oft geforderte Filterung nach Bildung halte ich in diesem Fall für nicht notwendig. Zahlreiche Jobs, die wegen ihrer Unattraktivität von der deutschen Bevölkerung eher gemieden werden, werden häufig von Migranten übernommen.

Natürlich gibt es auch Fälle von arbeitslosen Einwanderern, die vom Sozialstaat profitieren, doch diese Fälle dürfen nicht vorurteilsfördernd verallgemeinert werden. Insbesondere im Kindesalter zugewanderte Menschen, die in Deutschland ihr Abitur machen, erzielen aufgrund der erhöhten Motivation oft exzellente Ergebnisse und sind dann die so dringend benötigen Fachkräfte.

Außerdem bedeutet Zuwanderung eine Bereicherung durch fremde Kulturen. Allein die Gastronomie hat ihr vieles zu verdanken. Ohne Migration hätten wir nicht die Auswahl zwischen Pizza, Döner, Sushi und zahlreichen anderen Gerichten, die ihren Ursprung in anderen Ländern haben.

Ich bin überzeugt, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem man Toleranz und Weltoffenheit zeigen muss. Zuwanderung bedeutet nicht nur einen interkulturellen Austausch, sie kann womöglich auch Leben retten. Denn die zahlreichen Flüchtlinge kommen nicht mit der Absicht, den deutschen Staat auszubeuten. Sie flüchten vor einem Leben, das sie sich selbst nicht ausgesucht haben – vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung.

Ich denke, dass viele Gründe, die von Zuwanderungsgegnern genannt werden, in Wirklichkeit Folgen einer mangelhaften Integration sind. Folglich sollte der Staat gute Integration fördern, anstatt die Einwanderungsbedingungen zu verschärfen.

Contra: Michael

Bei einer so emotionsgeladenen Debatte wie der um Zuwanderung ist es leicht, missverstanden zu werden. Wörter werden in die Waagschale gelegt, schnell wird man in die politisch rechte Ecke gestellt. Deswegen möchte ich zu Beginn ein klares Bekenntnis zu Europa abgeben: Wir brauchen mehr Europa. Aber ‒ und das muss auch klar sein ‒ das bedeutet eben nicht das blinde Fallenlassen von Barrieren und Schranken der Zuwanderung.

Dabei bin ich nicht komplett gegen Zuwanderung. Die deutsche Gesellschaft ist auf sie angewiesen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel sind wir auf junge, gut ausgebildete Zuwanderer angewiesen. Hier zeigt sich die Problematik: Die Politik muss Anreize schaffen, um Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Jedoch darf nicht – wie von der EU-Kommission gefordert – der Anreiz geschaffen werden, dass EU-Bürger in Deutschland Sozialhilfe beziehen können. Man kann nicht verlangen, dass ein Staat Sozialeinwanderer duldet und diesen das Leben finanziert, egal wie gut es dem Staat gerade wirtschaftlich und finanziell geht. Europäischer „Sozialtourismus“ wäre maßlos und würde unseren Staat über Gebühr belasten.

Beispiel Rumänien: Während der rumänische Wirtschaftsstandort einen Vorteil gegenüber dem deutschen hinsichtlich des Lohnniveaus hat, würden die deutschen Sozialkassen bei Zuwanderung von arbeitslosen Rumänen belastet, ohne dass diese jemals in die Sozialkassen eingezahlt hätten. Der Standort Deutschland würde geschwächt werden gegenüber anderen europäischen Staaten. Dies widerspricht der Idee des europäischen Binnenmarkts..

Hier wird deutlich, dass man Zuwanderung mit Augenmaß betreiben muss. Wie viel Zuwanderung kann ein Land verkraften? Maßlosigkeit und utopisches Wunschdenken ist hier nicht nur wenig zielführend, sondern führt zu einer Verdrängung der eigentlichen Probleme. Diese zeigen sich nämlich auch in der Gesellschaft selbst. Wie viel Fremdes ist verträglich? Hier muss ich klar sagen, dass eine Gesellschaft nicht zu heterogen werden darf. In meinen Augen ist es ein Märchen, dass eine bunte Multikulti-Gesellschaft mit großen Vorteilen verbunden ist. Wer zuwandert, muss sich integrieren und anpassen. Das Erlernen der deutschen Sprache und die Verfassungstreue sind Grundlagen für ein funktionierendes Zusammenleben. Ansonsten bilden sich Parallelgesellschaften heraus, die zu einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit in der Gesellschaft führen.

Zuwanderung muss sich an den wirtschaftlichen Notwendigkeiten orientieren. Und sie muss als Ziel eine vollständige Integration in die deutsche Gesellschaft haben. Nur dann kann Zuwanderung unserer Gesellschaft nachhaltig nützen.

Kommentare

Hallo, es gibt verschiedene Meinungen, wird sind ein Sozialstaat, aber zu Sozial dürfen wir nicht werden, Flüchtlinge können wir aufnehmen aber es gibt leider Grenzen wo es nicht mehr geht. Wir dürfen nicht Gäste werden in unserem eigenen Land.