Viele Stellen sind hart umkämpft, die Chancen eine von ihnen zu ergattern, oft nur gering. Aber der Nachbar ist mit dem Chef der Firma, für deren Stelle man sich interessiert, zur Schule gegangen. Der kann doch mal ein gutes Wort für einen einlegen. Also mit Hilfe von “Vitamin B” zum neuen Job? Alina und Carolin sind da unterschiedlicher Meinung.

Pro: Alina

Seien wir mal ehrlich. Hat nicht schon jeder von uns irgendwann einmal durch Beziehungen einen Nebenjob, ein Praktikum oder gar ein Attest vom Arzt bekommen? „Vitamin B“ also. Dass viele dies verurteilen, ist für mich falsch verstandene Moral: Warum eine Chance, die dich im Leben weiterbringen kann, einfach ausschlagen? Oder würdest du freiwillig eine solche Gelegenheit – sei es ein Job oder ein Praktikum – jemand Wildfremden überlassen, nur weil du ein schlechtes Gewissen hast?

Ich ziehe persönlich den Hut vor allen, die aus eigener Kraft alles in ihrem bisherigen Leben erreicht haben. Aber warum es sich schwer machen, wenn’s auch einfacher geht? Beziehungen sind heutzutage das A und O. Es ist längst Standard geworden, Netzwerke beruflich zu nutzen. Facebook, Xing & Co. sind eben nicht nur zum Zeitvertreib da. Man muss bloß wissen, wie man Beziehungen richtig nutzt. Hierbei gilt Qualität vor Quantität: Sinnloses und vor allem wahlloses Knüpfen von Kontakten ist in der Regel nicht gerade hilfreich.

Hat man jedoch einen Job durch Vitamin B ergattert, heißt es nicht, voll und ganz auf diese Möglichkeit zu vertrauen. Sondern im Gegenteil: Ursprüngliche Ziele und Werte sollten nie aufgeben werden – sei es das Studium, die Ausbildung oder Freunde und Familie. Sofern man sich also nicht zu viel darauf einbildet, sehe ich nichts Negatives daran, praktisch und zielbewusst zu handeln. Denn es hat nichts mit moralisch inkorrektem Verhalten zu tun, sich seiner Umwelt anzupassen: Jeder vierte Job wird mittlerweile über Vitamin B besetzt.

Also warum nicht zu diesen 25 Prozent gehören und durch ein wenig Glück seine Zukunft beruflich gesehen verbessern oder gar sichern? Im Job muss man sich dann ohnehin täglich aufs Neue beweisen und zeigen, dass man ihn auch verdient hat.

Contra: Carolin

„Papa, kannst du nicht mal mit dem Herrn Maier wegen des Praktikumsplatzes reden?“ Ein bittender Blick in Richtung des Vaters, der ein angesehener Mitarbeiter in der Firma mit dem Traumpraktikumsplatz ist. „Das Praktikum wäre nämlich total wichtig für mich!“

Das eben beschriebene Prinzip des „Vitamin B“ oder „Networking“ – nämlich das Verbessern der Chancen auf einen Job oder Praktikumsplatz, weil man Kontakte zu dem jeweiligen Unternehmen hat und so leichter an eine Stelle gelangt – wird oft eingesetzt, doch ich bin komplett dagegen.

Da reden alle von Chancengleichheit, und was tun die „Vitamin B“-Verfechter? Sie setzen sie einfach mal außer Kraft. Nur, weil jemand zufällig einen Verwandten oder Bekannten am Haken hat, der in der gewünschten Brache bereits Fuß gefasst hat, soll der oder die „Auserwählte“ einen Vorteil daraus ziehen können?

Und huch! Klappt es dann trotz der „Vitamin B“-Spritze nicht, weil die Konkurrenz einen noch einflussreicheren Fürsprecher hatte, wird das Prinzip, von dem man selbst profitieren wollte, verflucht. Bei der Besetzung einer Stelle sollte die entscheidende Frage sein: Welcher Bewerber ist der am besten Geeignete? Setzt sich der bessere Networker durch, wirkt sich dies auch nachteilig auf die Arbeit des Unternehmens aus. Schließlich erledigt er die anstehenden Aufgaben nicht in der bestmöglichen Qualität.

Vitamin B-Befürworter rechtfertigen ihr Vorgehen damit, dass man die Chancen nutzen sollte, die einem das Leben bietet. Doch macht einen das selbst glücklich? Für mich ist die Entscheidung für oder gegen den Einsatz von „Vitamin B“ auch eine Charakterfrage. Mal ehrlich: Wer will denn nicht stolz auf sich selbst sein können? Ich zumindest lege schon Wert darauf, etwas zu erreichen – und das aus eigener Kraft.

Kommentare

Vor nicht allzu langer Zeit musste ich den Satz hören: "Wissen Sie, je höher Sie später kommen wollen, desto wichtiger sind dafür gute Kontakte und Personen, die Ihnen gezielt weiterhelfen können." Dieses ernüchternde Urteil machte mich sprachlos und empört zugleich. Wenn es in der Tat der Fall ist, dass nur eine große Portion "Vitamin B" der Schlüssel zum Erfolg ist, was sind denn dann noch meine Leistungen wert, für die ich viel Zeit und Energie aufgebracht habe?! Woher soll ich meine Motivation nehmen, wenn die Mühe von Anfang an vergebens scheint? Trotz meines Unmutes muss ich Alina in gewisser Hinsicht zustimmen. Auch würde bei einem tollen Praktikums-/Job-/Wohnungs-Angebot wahrscheinlich nicht nein sagen. Die Tatsache, dass im Zweifelsfall die "richtigen Leute" über deine Zukunft entscheiden, halte ich jedoch für ein sehr großes Problem der heutigen Zeit!!
Da kann ich dir auch nur zustimmen. Gerecht ist die Tatsache sicherlich nicht, dass Vitamin B (oftmals) mehr zählt als die eigentliche Leistung selbst. Aber wirklich etwas dagegen ändern kann man auch nicht. Deshalb wird man praktisch schon gezwungen, von vornherein Kontakte aufzubauen und sich so den gegebenen "Auswahlkriterien" anzupassen. Aber im Endeffekt ist es positiv für diejenigen, die auf so etwas aufbauen können und ungerecht für diejenigen, die "nur" durch ihre Leistung glänzen. Bestenfalls, hat man natürlich beides. 😉
Pro: Alina Seien wir mal ehrlich. Hat nicht schon jeder von uns irgendwann einmal durch Beziehungen einen Nebenjob, ein Praktikum oder gar ein Attest vom Arzt bekommen? „Vitamin B“ also. Dass viele dies verurteilen, ist für mich falsch verstandene Moral: Warum eine Chance, die dich im Leben weiterbringen kann, einfach ausschlagen? Oder würdest du freiwillig eine solche Gelegenheit – sei es ein Job oder ein Praktikum – jemand Wildfremden überlassen, nur weil du ein schlechtes Gewissen hast? Ich ziehe persönlich den Hut vor allen, die aus eigener Kraft alles in ihrem bisherigen Leben erreicht haben. Aber warum es sich schwer machen, wenn’s auch einfacher geht? Beziehungen sind heutzutage das A und O. Es ist längst Standard geworden, Netzwerke beruflich zu nutzen. Facebook, Xing & Co. sind eben nicht nur zum Zeitvertreib da. Man muss bloß wissen, wie man Beziehungen richtig nutzt. Hierbei gilt Qualität vor Quantität: Sinnloses und vor allem wahlloses Knüpfen von Kontakten ist in der Regel nicht gerade hilfreich. Hat man jedoch einen Job durch Vitamin B ergattert, heißt es nicht, voll und ganz auf diese Möglichkeit zu vertrauen. Sondern im Gegenteil: Ursprüngliche Ziele und Werte sollten nie aufgeben werden – sei es das Studium, die Ausbildung oder Freunde und Familie. Sofern man sich also nicht zu viel darauf einbildet, sehe ich nichts Negatives daran, praktisch und zielbewusst zu handeln. Denn es hat nichts mit moralisch inkorrektem Verhalten zu tun, sich seiner Umwelt anzupassen: Jeder vierte Job wird mittlerweile über Vitamin B besetzt. Also warum nicht zu diesen 25 Prozent gehören und durch ein wenig Glück seine Zukunft beruflich gesehen verbessern oder gar sichern? Im Job muss man sich dann ohnehin täglich aufs Neue beweisen und zeigen, dass man ihn auch verdient hat. Contra: Carolin „Papa, kannst du nicht mal mit dem Herrn Maier wegen des Praktikumsplatzes reden?“ Ein bittender Blick in Richtung des Vaters, der ein angesehener Mitarbeiter in der Firma mit dem Traumpraktikumsplatz ist. „Das Praktikum wäre nämlich total wichtig für mich!“ Das eben beschriebene Prinzip des „Vitamin B“ oder „Networking“ – nämlich das Verbessern der Chancen auf einen Job oder Praktikumsplatz, weil man Kontakte zu dem jeweiligen Unternehmen hat und so leichter an eine Stelle gelangt – wird oft eingesetzt, doch ich bin komplett dagegen. Da reden alle von Chancengleichheit, und was tun die „Vitamin B“-Verfechter? Sie setzen sie einfach mal außer Kraft. Nur, weil jemand zufällig einen Verwandten oder Bekannten am Haken hat, der in der gewünschten Brache bereits Fuß gefasst hat, soll der oder die „Auserwählte“ einen Vorteil daraus ziehen können? Und huch! Klappt es dann trotz der „Vitamin B“-Spritze nicht, weil die Konkurrenz einen noch einflussreicheren Fürsprecher hatte, wird das Prinzip, von dem man selbst profitieren wollte, verflucht. Bei der Besetzung einer Stelle sollte die entscheidende Frage sein: Welcher Bewerber ist der am besten Geeignete? Setzt sich der bessere Networker durch, wirkt sich dies auch nachteilig auf die Arbeit des Unternehmens aus. Schließlich erledigt er die anstehenden Aufgaben nicht in der bestmöglichen Qualität. Vitamin B-Befürworter rechtfertigen ihr Vorgehen damit, dass man die Chancen nutzen sollte, die einem das Leben bietet. Doch macht einen das selbst glücklich? Für mich ist die Entscheidung für oder gegen den Einsatz von „Vitamin B“ auch eine Charakterfrage. Mal ehrlich: Wer will denn nicht stolz auf sich selbst sein können? Ich zumindest lege schon Wert darauf, etwas zu erreichen – und das aus eigener Kraft.