Grafik: Juliane Dorn

Computer, Tablets und Co sind aus unseren Alltag nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder also, dass die digitale Welt auch im Schulunterricht schon eine Rolle spielt. Aber hat medial-unterstütztes Lernen tatsächlich Vorteile oder sollte lieber alles bei der guten alten Tafel bleiben?

Pro: Alina

Die moderne mobile Technologie, wie sie uns Handys, Tablets oder Notebooks bieten, kann sowohl Segen als auch Fluch bedeuten. Entweder ihre vielen Möglichkeiten werden sinnvoll zum Nutzen des Menschen eingesetzt oder sie gewinnt als Suchtfaktor Macht über den Menschen. Zahlreiche Untersuchungen und Projekte haben in jedem Fall gezeigt, dass strukturiert organisiertes „mobiles Lernen“ dabei helfen kann, sich Wissen anzueignen und das Gelernte dann auch zu behalten.

Nach einer Onlinestudie von ARD und ZDF verbringen Mediennutzer im Schnitt 169 Minuten täglich im Internet oder beschäftigen sich mit ihrem Smartphone. Die Nutzung mobiler Technologien hat sich somit im Vergleich zu 2012 fast verdoppelt. Mittlerweile besitzen 79 Prozent der Mädchen und 85 Prozent der Jungen einen Laptop. Und laut der JIM-Studie, die sich mit dem Medienumgang von 12- bis 19-Jährigen auseinandersetzt, haben sogar 98 Prozent der Mädchen und 95 Prozent der Jungen ein Handy.

Mobile Technologien sind im Alltag der meisten Jugendlichen also fest integriert und nehmen viel Zeit ein. Da die Tendenz der intensiven Nutzung steigt, stellt sich mir die Frage, ob sich diese unaufhaltsame Entwicklung in positive Effekte kanalisieren lässt.

Oft verbinden Kinder und Jugendliche Mobiltechnologien mit Spaß und Unterhaltung. Inzwischen bieten viele Internetseiten aber auch sinnvolle Programme an, wo Lerninhalte so aufbereitet sind, dass das Spielerische nicht zu kurz kommt. Um dieses Angebot vernünftig zu nutzen und sich nicht im World Wide Web zu verlieren, sollten meiner Meinung nach schon Grundschüler an den kontrollierten Umgang mit den neuen Medien herangeführt werden.

Darüber hinaus hat „mobiles Lernen“ auch noch einen ganz praktischen Vorteil. Das Tragen schwerer Bücher hätte endlich ein Ende. Es war nicht nur für mich eine Qual, bereits in der fünften Klasse einen zehn Kilo Ranzen zur Schule zu schleppen. Mehrere meiner Klassenkameraden mussten sich sogar aufgrund von Rückenproblemen orthopädisch behandeln lassen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie gerne ich unterwegs, zum Beispiel beim Zugfahren, Vokabeln gelernt hätte. Weil mein Englischbuch aber so groß und schwer war, konnte ich es beim besten Willen nicht jeden Tag mitnehmen. Heute kann jeder mittels sogenannter eBags, also elektronischer Schulranzen, überall und jederzeit, auf Literatur zugreifen. Somit beugt der Einsatz moderner Technologien nicht nur der Volkskrankheit Rücken-schmerzen vor, sondern erweitert auch zeitlich und örtlich das Lernangebot.

Positive Resonanz auf digitalen Unterricht gibt es auf www.mymobile-online.de zu sehen. Hier wird unter anderem das Projekt ,,An die Tablets, fertig, los!“ vorgestellt. Eine Grundschulklasse wurde mit den flachen Computern ausgestattet. Die Schüler bekamen Tipps für die Nutzung des Tablets und die Aufgabe, Geschichten, die sie darauf lesen, mit auf dem Tablet zur Verfügung gestellten Apps nachzuerzählen. So wird nicht nur der sinnvolle Umgang mit neuen Technologien gefördert, sondern auch die Kreativität. Ein Schüler selbst sagte über das Projekt: ,,Ich finde gut, dass man selber bestimmen kann, was man macht“, womit er den Vorteil der Flexibilität dieser Art des Lernens unterstreicht.

Eine positive Zwischenbilanz zieht auch die Universität Kassel, die im Wintersemester 2010/2011 ihren Studenten für drei Jahre Tablets zur Verfügung gestellt hat. Ergebnis: Die Studenten – unter anderem in rechts- und gesellschaftswissenschaftlichen Studienfächern – haben häufiger auch außerhalb des Unterrichts fachspezifische Texte gelesen.

Mein Fazit ist, dass „mobiles Lernen“ zwar keine Unterrichtseinheiten und konzentriertes Erarbeiten von Wissen ersetzen kann, sich aber im praktischen Leben bestens zur Wissensvertiefung und Wissenserweiterung eignet. Also liebe Eltern, Lehrer und Profs: „Ran an die Tablets!“ Denn die Integration von mobilen Technologien bietet ohne Zweifel einen effizienten Fortschritt im Bereich des Lernens und mit Blick in unsere Zukunft eine Vorbereitung auf das Arbeiten im digitalen Zeitalter.

Contra: Daniela

Ich könnte jetzt schreiben: Alles soll so bleiben, wie es ist, weil es schon immer so war. Und schließlich ist aus uns auch etwas geworden. Aber so einfach ist es dann doch nicht.

Zwar sind digitale Medien allgegenwärtig und darum ist es auch meiner Meinung nach wichtig, den Umgang und ihren Nutzen frühzeitig zu erlernen. Doch ich bezweifle, dass die Schule hierfür der richtige Ort ist.

In allen pädagogischen Konzepten wird beschrieben, dass der junge Mensch durch eigene Erfahrungen am Besten lernt – durch das Sehen und Fühlen, das aktive Erkunden der Umwelt. Der Mensch hat natürliche Sinne, wie den für Farb- und Formmuster, welche geweckt werden müssen. Dies geschieht am Besten in der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt – also allem was uns umgibt.

Lernen funktioniert über den Ausbau synaptischer Verbindungen im Gehirn. Eine Verbindung, die oft genutzt wird, verstärkt sich, das Wissen prägt sich ein. Anlagen, die nicht genutzt werden, werden abgebaut und verkümmern. Unser Gehirn lernt also praktisch immer.

Was geschieht nun, wenn das Lernen auf die zweidimensionale Nutzung, also Sehen und Hören beschränkt wird? Womöglich verkümmern die anderen Dimensionen. Wissen dann die Kinder von morgen noch, wie sich ein Baum anfühlt oder wie ein Schnabeltier aussieht? Haben sie eine Vorstellung wie schwer Sand ist, können sie hören, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt? Die Welt auf dem Bildschirm ist um so viele Dimensionen ärmer als die Realität – sie hat ja nur zwei. Die Kinder von Morgen werden wahrscheinlich gut lesen können, aber was wird ihnen alles fehlen? Raufen, spielen, riechen, fühlen, singen?

Freie Entfaltung der Person, das Interagieren in Gemeinschaften, Selbstverantwortlichkeit – wichtige Lehrprinzipien der Pädagogik. Wie sollen diese aber in einem digitalen Unterricht umgesetzt werden? Nur noch durch die kritische Betrachtung von Online-Wissen? Klar, kann man in Gruppenchats Interaktion untereinander lernen und nichts muss heute kritischer betrachtet werden als der Wahrheitsgehalt von Online-Meldungen, aber es geht doch um soviel mehr als das.

Soll nun durch den Einsatz digitaler Medien ein Kind schon von früh an nur mit Bildschirmen konfrontiert sein? Das ist einerseits viel zu anstrengend für die Augen, zum anderen geht das räumliche Sehen verloren. Schon heute fällt es Fahrschülern viel schwerer, Distanzen einzuschätzen und die Welt als bewegte Welt zu erfassen.

So intensiv leben, wie nur möglich, ist die Lerngrundlage der sogenannten Freinet-Pädagogik, welche für mich persönlich ein wirklich gutes und sinnvolles Konzept ist. Ist dies wirklich mit einem Unterricht vor Bildschirmen möglich?

Zuviel Bildschirmkonsum kann unter anderem zu Kopfweh, Müdigkeit, Angst und Unlust führen. Natürlich werden wir alle immer mit Medien und Bildschirmen konfrontiert sein. Aber wollen wir das wirklich von der Freizeit auch noch in die Lernphase verlagern? Kinder bezahlen das teuer mit Defiziten in der Wahrnehmung und fehlenden Erfahrungen mit der eigenen Umwelt.

Kinder und Jugendliche verbringen heute soviel Zeit vor dem Bildschirm wie noch nie – darum ist eine Förderung der Medienkompetenz für diese Generation unumstößlich. Aber liebe Eltern und Lehrer, statt die Kinder einfach immer nur vor den Bildschirmen zu parken, geht doch alle mal zusammen in den Wald!

Ich persönliche sehe meinen Cousin vor mir, der sich von selbst nur für seinen Computer interessiert. Mit einer rein digitalen Bildung fördert man diese Muster. Kinder von Morgen werden keine Ahnung mehr von dem haben, was um sie herum geschieht, setzt man sie nur dem Einfluss von digitalen Medien aus.

Kommentare

Hallo, es gibt Pro und Contra. Die gesunde Mischung dürfte der richtige Weg sein. Wer ausschließlich auf den "digitalen" Unterricht setzt, ist falsch beraten; dabei käme die zwischenmenschliche Komponente und die Erfahrungen mit der Umwelt zu kurz. Der Vorteil wäre klar die Erweiterung des Wissens bei vernünftigem Umgang mit der digitalen Komponente. Hier müsste dann aber auch eine gute Einweisung in den digitalen Unterricht erfolgen. Durch den digitalen Unterricht könnte für andere Lerninhalte "freigeschaufelt" werden. Kinder im digitalen Zeitalter ausschließlich konventionell unterrichten, kann nicht die Bedarfe der Zukunft abdecken. Wir kämen dann zu einer Zweiklassengesellschaft; die einen verrichten die niedrigen Arbeiten, da Ihnen die digitale Komponente fehlt; den anderen stehen alle Türen weit offen in der digitalen Gesellschaft.
Hallo, ich bin Schüler der 12. Klasse und habe mich auch mit diesem Thema auseinander gesetzt. Obwohl ich die Nutzung von digitalen Unterrichtsmaterialien kritisch sehe, bin ich der Meinung das die contra Argumente oft nicht den Kern der Sache treffen. Ich glaube nicht das Schüler durch IPad nicht mehr nach draußen gehen, raufen oder singen können. Auch habe ich noch nie in einem Schulbuch einen Baum angefasst oder in einem Schulbuch oder der Natur ein Schnabeltier gesehen. Bücher bieten für mich nur EINE Dimension: das Sehen. Wie sich ein Buch anfühlt, riecht, schmeckt oder welche Geräusche es macht ist für mich beim Lernen nicht ausschlaggebend.
Gut gemacht Alina und Daniela! Die Texte waren für mich sehr hilfreich. DANKE, Ela Kowitz
Hey,super! Aber trotzdem fehlt mir ein gutes Argument bei pro. Ich hab schon: 1.Denn Schülern und den Lehrern wird der Unterricht erleichtert. 2.Das Problem des Tragen der schweren Schulbücher wäre behoben. Vielleicht kann mir jemand helfen.
Hi Karla! Sorry ich find auch kein anderes. Deine Freundin Lusy
Danke trotzdem. 🙂
Bitte!
der Link der von pro verwendet wird existiert nicht. Gibt’s dafür eine neue Seite??
Hallo Steve, wir haben den Link durch einen aktuellen ersetzt. Liebe Grüße aus der Schekker-Redaktion
dankeschön
Sind echt gute Agumente dabei , hat mir echt geholfen. DANKE 🙂
Super Argumente dabei! haben mir echt geholfen für meine Erörterung