Vom Bonbon bis zur Waffe – mit einem 3-D-Drucker soll in Zukunft jeder alles ganz einfach zu Hause herstellen können. Doch ist das wirklich erstrebenswert? Die Schekker-Autorinnen Mona und Melanie haben da verschiedene Standpunkte.
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Pro: Mona Es war um das Jahr 1450, als Johannes Gutenberg den Buchdruck erfand. Dieser ermöglichte die Verbreitung von Büchern und Zeitungen in einer vorher nicht gekannten Geschwindigkeit. Heute stehen wir wieder einer bedeutenden Erfindung gegenüber, wir müssen uns nur auf sie einlassen. Der 3D-Drucker macht es möglich, Kleinigkeiten des Alltages selbst zuhause zu produzieren. Den ersten funktionierenden 3D-Drucker entwickelte Charles Hull schon 1984. Der 3-D-Drucker ist ein technisches Gerät, das – meist aus Kunststoff oder Maisstärke – dreidimensionale Körper drucken kann. Vorab müssen diese aber mit einem Computerprogramm erstellt werden. Wem das nötige Kleingeld für einen eigenen 3D-Drucker fehlt (momentan zwischen 400 und 1200 Euro), kann auch im Internet seine Vorlagen hochladen und sie sich ausgedruckt per Post schicken lassen. Eine Düse am 3D-Drucker produziert einen dünnen Plastikfaden, der Schicht auf Schicht übereinandersetzt. Wer also in der Lage ist am PC Vorlagen zu erstellen, erhält passgenau das, was er haben wollte. Es gibt aber auch Vorlagen, die man im Netz herunterladen kann. Das können zum Beispiel Handyhüllen sein oder beschädigte Kleinteile des Hausbedarfs, die es so im Baumarkt gar nicht zu kaufen gibt. Bricht also mal der Türgriff vom Kühlschrank ab, muss man künftig nicht mehr stundenlang nach einem Ersatz suchen, sondern druckt sich einfach einen neuen. Kritiker argumentieren, die Technik könnte zur kriminellen Vervielfältigung genutzt werden. Aber schließlich kann auch bisher schon jeder an einem Computer beispielsweise einen Roman abschreiben und mit einem herkömmlichen Drucker ausdrucken. Das wäre aber ein unnötiger Arbeits-aufwand, der im Vergleich zum legalen Kauf weder Zeit noch Kosten spart. Die Drucker werden die industrielle Massenproduktion nicht ersetzen, da sie zu langsam und zu teuer sind. Schon die Produktion kleiner Teile, dauert oft Stunden. Selbst wenn die Technologie solche Fortschritte macht, wie einst der Computer, ändert sich daran so schnell nichts. Es bedarf noch einiges an Weiterentwicklung, aber dann kann diese Technik eine bereichernde Selbstverständlichkeit werden, wie es der Computer bereits in fast jedem Haushalt ist. Forscher in Schottland haben schon ein Druckverfahren entwickelt, das mit embryonalen Stammzellen arbeitet. Zukunftsvision: Organe nachbauen. Ethisch vielleicht bedenklich, aber lieber ein gedrucktes Organ, als eins vom Schwarzmarkt oder gar keins! |
Contra: Melanie „Der 3D-Druck“, das sagte Barack Obama während seiner Rede im Februar 2013 zur Lage der Nation, habe das Potential, „die Art und Weise wie wir fast alles machen, zu revolutionieren.“ Ich glaube: diese vermeintliche Revolution wird eine zerstörerische sein. Cody Wilson, ein Jurastudent aus Texas, wurde über Nacht berühmt, weil er eine Schusswaffe konstruierte, dessen Einzelteile er aus einem herkömmlichen 3D-Drucker produziert hatte. Die Anleitung für die Pistole stellte er online, wo sie über 100.000-mal heruntergeladen wurde und nun als Kopie auf Rechnern der ganzen Welt gespeichert ist. Jeder der möchte, kann also jetzt ohne jegliche Kontrolle und ohne viel Aufwand eine Waffe herstellen, die Menschen töten kann. Meiner Meinung nach ist das eine neue Bedrohung für die Sicherheit in der Welt. Anhand dieses Beispiels erkennt man, welche Risiken entstehen können, wenn Technik voranschreitet. Conny Wilson hat ganz nebenbei und unauffällig etwas hergestellt, dessen einziger Zweck das Erschießen von Lebewesen ist. Das Argument der Freiheit oder der Arbeitserleichterung zählt für mich bei diesem Thema nicht. Alles, was ich für ein beschwerdefreies Leben brauche, kann ich kaufen, oder herstellen lassen – es erschließt sich mir beim besten Willen nicht, warum selbst kleine Plastikteile selfmade sein sollten. Etwa 700 Meter von meiner Wohnung entfernt, steht das Gutenberg-Gymnasium, wo Robert Steinhäuser vor elf Jahren seinen Amoklauf beging. Ich bekomme Angst, wenn ich darüber nachdenke, dass von nun an eben nicht nur Hobbybastler nahezu unbegrenzte Möglichkeiten haben, sondern auch jene, die sich benachteiligt, ungerecht behandelt oder ausgeschlossen fühlen und dazu noch skrupellos sind. Ich finde, eine Welt ohne 3D-Drucker für jedermann, ist nicht weniger lebenswert. Ganz im Gegenteil!. |



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