Grafik: Juliane Dorn

Lieber duschen als baden und die Toilettenspülung auch nur kurz drücken, damit ja nicht zu viel Wasser verschwendet wird. Das haben wir fast alle von den Eltern oder Großeltern gelernt. Doch macht Wasser sparen tatsächlich Sinn? Die Schekker-Autoren Katharina und Peter sind da geteilter Meinung.

Pro: Katharina

Wasser ist die Wiege des Lebens. Jeder Mensch braucht es zum Überleben. Doch die lebenswichtige Ressource ist kostbar. Obwohl über 71 Prozent der Erde mit Wasser bedeckt sind, können davon nur 0,3 Prozent als Trinkwasser verwendet werden. Trinkwasser ist also knapp. Daran kann der scheinbar endlos fließende Wasserhahn in Bad und Küche auch nichts ändern. Und der einfache Zugang zu Wasser ist keinesfalls eine Selbst-verständlichkeit. Vielmehr ist er ein Privileg der westlichen Welt, das wertgeschätzt und verantwortungsvoll gehandhabt werden sollte.

Ein Blick in die Statistik zeigt jedoch, wie weit wir von einem adäquaten Umgang mit Wasser entfernt sind. 121 Liter verbraucht ein Mensch in Deutschland durchschnittlich pro Tag. Lediglich drei Liter werden davon jedoch tatsächlich zum Kochen und Trinken aufgewendet. Der große Rest wird durch die Toilettenspülung, Baden, Duschen und Wäschewaschen getilgt. Das sind natürlich alles wichtige Komponenten unseres täglichen Lebens – doch sie haben auch ein großes Einsparpotential. Für ein Vollbad in der Badewanne werden beispielsweise etwa 150 bis 200 Liter benötigt. Wer sich hingegen duscht, verbraucht nur etwa 80 Liter Wasser. Ähnlich verhält es sich mit der Geschirrspülmaschine. Auch sie arbeitet wesentlich effektiver und sparsamer als die „Handwäsche“.

Vergegenwärtigen sollte man sich dabei, dass schon die kleinste Wassereinsparung im eigenen Haushalt mehr als nur der eigenen Wasserverbrauchs-rechnung zu Gute kommt. Alles Wasser, das wir nicht brauchen, senkt gleichzeitig auch die Menge an Energie und Chemikalien, die für die Aufbereitung von Wasser benötigt wird.

Für einen wirklichen Wandel sollte man aber in größeren Maßstäben denken. Eines der größten Ökoprobleme unserer Zeit sind die Wassermengen, die für die Produktion von Waren wie Kaffee oder Fleisch (15.300 Liter für ein Kilo Rindfleisch) aufgebracht werden müssen. Schon ein Burger weniger kann also der Anfang eines ökologischeren Lebens sein.

Contra: Peter

Es gibt sie noch, die wahren Helden: Vor rund einem Jahr machte in den gerüchtefreudigen Medien die Nachricht die Runde, dass Leonardo DiCaprio auf die tägliche Dusche verzichte, um Trinkwasser zu sparen. Damit hat er wohl, seine Freundin ausgenommen, überall gepunktet.

Wasser zu sparen scheint in diesen Zeiten – selbst in unseren Breiten – ein Gebot der Vernunft. Anderenorts ist es immerhin so knapp, dass jeder Tropfen Leben retten könnte, und selbst der hiesige Wasserüberfluss scheint vergänglich. Gut also, dass sich der Wasserverbrauch pro Kopf in Deutschland von rund 150 Litern pro Tag in den 90er Jahren auf rund 121 Liter heute reduziert hat. Gut? „Gefährlich!“, warnen nicht wenige Experten.

Unsere Wassernetze sind nämlich in Zeiten geplant und gebaut worden, in denen der stetig wachsende Wasserverbrauch vorprogrammiert zu sein schien. Heute gehen die Menschen hingegen sparsamer mit Wasser um, während die großzügigen Kapazitäten der Versorgungs- und Entsorgungsnetze ungenutzt bleiben. Mit fatalen Folgen: Die Überlebenschancen fieser Keime wachsen, wenn die Fließ-geschwindigkeit sinkt. Ablagerungen werden nicht mehr zuverlässig abgetragen, so dass sich giftige Dämpfe bilden können. Nicht selten drohen auch Rohrverstopfungen. Was der Verbraucher spart, wird vom kommunalen Versorger dann wieder durch die Leitungen gepumpt, um die gefährlichen Schäden zu vermeiden.

So schmerzhaft der Blick auf die Not in den wasserarmen Gebieten auch ist, die geographische Ungleichverteilung des Wassers bekämpfen wir nicht, wenn wir selbst weniger Wasser nutzen – nur unser schlechtes Gewissen. Wasser ist eine erneuerbare Ressource. Es wird nicht verbraucht, sondern gebraucht.

Viel gefährlicher und damit das eigentliche Schlachtfeld für eifrige Moralapostel ist die Trinkwasserverschmutzung – durch Abgase, Dünge- oder auch Pflanzenschutzmittel. Wasser von Schadstoffen zu reinigen ist nämlich nicht nur teuer, sondern auch gar nicht immer möglich.

Wenn DiCaprio auf Deutschlandtour der Umwelt also etwas Gutes tun möchte, dann sollte er duschen – kalt selbstverständlich, um Energie zu sparen – und zwar bitte täglich! So kann er sowohl in den Kanälen als auch in seiner Nähe giftige Dämpfe vermeiden.