Bei einer Bewerbung zählt meist nur eins: gute Noten. Doch die hängen nicht immer ausschließlich mit dem Schüler zusammen. Auch das Schulsystem und die Anforderungen in den Abschlussprüfungen spielen dabei eine Rolle. Die sind aber in Deutschland von Bundesland zu Bundesland komplett verschieden. Aber ist das gerecht? Sollte die Bildung in Deutschland zentralisiert werden?
|
Pro: Harriet Schüler, die von einem Bundesland ins andere ziehen, stehen vor einem großen Problem: dem Schulwechsel. Der ist aufgrund unterschiedlicher Bildungssysteme nämlich gar nicht so einfach. Das zeigt der Erfahrungsbericht des 17-jährigen Oliver. „Ich bin von Nordrhein-Westfalen über Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg gezogen und musste jedes Mal die Schule wechseln“, sagt er. „Kein Schulwechsel war problemlos möglich“, bemängelt er. Denn nicht nur im Lehrplan und den Schularten unterscheiden sich die Systeme in den Ländern. Auch was die Fächerwahl angeht, gibt es sehr viel zu beachten. Latein als zweite Fremdsprache zu wählen – und dann auch noch beizubehalten – ist nicht überall möglich. So wird ein Schulwechsel zur Tortur und Schule macht nicht länger Spaß! Und unsere Landespolitiker tun – da sind sich alle Schulwechsler einig – zu wenig, um das zu ändern. Vermutlich wollen sie die Zuständigkeit, die derzeit zu großen Teilen in den Händen der Bundesländer und nicht auf Bundesebene liegt, nicht verlieren. Würde die Bildungspolitik zentralisiert, läge sicher auch die Zuständigkeit für diesen Bereich beim Bund. Doch nicht nur der Lehrplan und die Fächerwahl sorgen bei Schulwechslern zwischen den Ländergrenzen für Sorgenfalten. Hat man schließlich die Zulassung zum Abitur in der Tasche, ist schon das nächste Ärgernis in Sicht: Unvergleichbare Abitur-Anforderungen. Bei einem Vergleich zwischen Abituraufgaben aus dem Fach Deutsch kam heraus, dass Anforderungen von Bayern und Thüringen mit denen von Hamburg und Nordrhein-Westfalen kaum vergleichbar, sind. Der Grund sind die unterschiedlichen Ansprüche in den Bundesländern. Das Abitur in Bayern gilt als das schwierigste. Sicherlich bringt eine Zentralisierung der Bildung auch mehr Aufgaben mit sich. Aber eines sollte den Politikern doch am Herzen liegen: Die Bildung der jungen Leute von morgen. Denn nur wer gebildet ist, hat gute Aussichten. Und dann bitte auch fair! |
Contra: Yannick Die Zentralisierung des Bildungssystems und damit eine Vereinheitlichung der Systeme der 16 Bundesländer würde nicht nur die Nähe der Entscheidungsträger zu den Schülern nehmen, sondern auch mehrere Jahrzehnte dauern. Zeit, die man für die Verbesserung der Bildung der einzelnen Länder sinnvoller nutzen könnte. Ich denke, dass die Qualität der Bildung in unserem Land unter einer Zentralisierung leiden würde. Weil wir zurzeit bessere und schlechtere Systeme haben, könnte es passieren, dass durch eine Angleichung die Qualität der Bildung leidet. Ziel muss aber sein, dass die ganze Republik das beste System erhält. Der Wettbewerb, der aktuell zwischen den Ländern herrscht, sorgt derzeit dafür, dass jedes Land das beste Bildungskonzept haben möchte. Wenn Bildung Bundessache wird, fehlt hierfür der nötige Ansporn. Statt den Wettbewerb zu unterbinden, könnten die Kultusminister enger zusammenarbeiten und dadurch die Bildung im gesamten Land verbessern. In meinen Augen ist die Hoheit der Länder gerade deshalb wichtig, weil sie sich vor Ort ein besseres Bild machen können. Das wird hauptsächlich im Punkt der sprachlichen Bildung deutlich. Die Länder können nämlich besser beurteilen, ob in grenznahen Schulen die benachbarte Sprache vor der Weltsprache gelehrt wird. Schwierig stelle ich mir auch die einheitliche Gestaltung der Prüfungsaufgaben vor. Wenn es das Ziel ist, die Leistungen der Schüler zu vergleichen, dürften sich die Aufgaben nämlich nicht voneinander unterscheiden. Diese zu vereinheitlichen, wäre aber aufgrund der unterschiedlichen Prüfungszeiten problematisch. In den einzelnen Bundesländern verschieben sich die Ferien um bis zu sechs Wochen zueinander, weshalb sich kaum ein gleichzeitiger Prüfungstermin finden ließe. An dieser Stelle lohnt ein Blick in andere europäische Länder. Im Nachbarland Frankreich werden alle Bildungsthemen zentral aus Paris heraus regiert. Dennoch erhielten die Schüler des dortigen Bildungssystems in der weit bekannten PISA-Studie in den letzten Jahren schlechtere Bewertungen als deutsche Schüler. Eine Zentralisierung entspricht also nicht immer einer Verbesserung der Bildung. Ähnliches zeigt auch Schweden. Dort wird dezentral entschieden, und gerade deshalb genießt Schweden hohes Ansehen für die Erfolge der dortigen Bildung. Während in Schweden die Gemeinschaftsschule bereits im ganzen Land praktiziert wird, erleben wir in Deutschland heftige Debatten zu diesem Thema. Die größeren Parteien unterscheiden sich hier in ihren bildungspolitischen Inhalten stark voneinander. Das bedeutet, dass bei einem einheitlichen Bildungssystem mit jedem Regierungswechsel die Gefahr bestünde, dass sich unser komplettes, Bildungssystem verändern könnte. Genau deshalb sollte sich jeder die Frage stellen, ob die Zentralisierung der Bildung wirklich Sinn macht. |




Kommentare
Neuen Kommentar schreiben