Kleider machen Leute. Bessere Qualität oder alles nur Image und Oberfläche? Was für und was gegen Markenklamotten spricht, diskutieren Annegret und Enya.
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Annegret: Pro „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Diese alte Weisheit meiner Oma hat sich bewahrheitet. Warum sollte ich mir das fünfte H&M-Oberteil kaufen – wenn ich die vier davor aussortieren musste, weil sich Nähte lösten, Schnitte verzogen oder Farben auswuschen? Keine Frage, Schnäppchen sind super. Doch manche Preise erscheinen mir fast zu niedrig, um wahr zu sein. So sehr die Tatsache mein schmales Studentenbudget schmerzt: Ein schönes, qualitativ hochwertiges Kleidungsstück unter guten Bedingungen zu produzieren hat seinen Preis. Faire Hersteller machen es vor: Man kann Kleidung unter guten Arbeitsbedingungen herstellen. Permanent niedrige Angebote weisen im Gegenzug meist darauf hin, dass irgendwo gespart wird. Im besten Fall am Marketing, viel öfter wahrscheinlich aber am Lohn der Mitarbeiter, sowie an den Arbeits- oder Umweltbedingungen in den Fabriken. Wer sich für die Probleme indischer Mindestlohnarbeiter nicht interessiert, der kennt vielleicht ein anderes Phänomen. Einen neuen Pullover, für den man lange sparen musste, schätzt man viel mehr, als die vier billigen Modelle. Ein ganz besonderes Kleidungsstück eben, das weniger andere haben. Noch ein Grund für ein bisschen Luxus: Nieder mit dem Einheitslook! Dennoch mache ich mir nichts vor, Markenklamotten werden natürlich auch wegen des mit ihnen verbundenen Images gekauft. Die Sachen einer bestimmten Firma sind gerade besonders angesagt und alle wollen so ein Teil haben. Aber was ist daran verwerflich? Denn am Schluss kann sich doch jeder selbst fragen, was ihm wichtiger ist: Qualität oder Quantität. Teuer heißt zwar nicht automatisch gut, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Qualität ihren Preis hat. Lieber ein zeitloses Paar Stiefel, die wärmen, wasserdicht sind und 150 Euro kosten, oder doch drei verschiedene Modelle für 49,95 Euro, in denen man nasskalte Füße, gestauchte Zehen und Rückenschmerzen bekommt? Ich weiß, wofür ich mich entscheiden würde. Meine Oma wäre stolz auf mich. |
Enya: Contra Beliebte Marken sind Beispiele dafür, wie Namen zu Geld werden. Das Image eines Produkts ist ein entscheidender Kauffaktor. Im Allgemeinen achten vor allem Jugendliche beim Kauf von Klamotten automatisch auf die Marke: Ist die cool? Ist die im Trend? Und schon verblasst das Preis-Leistungs-Verhältnis im Gedankennebel des Käufers. Was unterscheidet eine Hose von einer bekannten Marke von einer aus der Kleidersammlung oder einem No-Name-Produkt vom Supermarkt? Das Logo. Und das Logo bestimmt den Preis. Was in den vom Aussterben bedrohten Schneidereien noch mit eigens ausgewählten Stoffen durch Handarbeit gemacht wird, geschieht in den großen Fabriken in Asien und Afrika mit vielen Maschinen und unterbezahlten Arbeiterinnen und Arbeitern. Nicht selten lässt die selbe Firma in der selben Fabrik gleichzeitig Kleidungsstücke mit und ohne Label hergestellen, die sich interessanterweise überhaupt nicht in ihrer Qualität unterscheiden. Daraus schlagen die Unternehmen Profit und verwenden ihn für massenhaft Werbung mit Kosten in Multimillionenhöhe, um ihr Prestige zu verbessern. Eine Marke ist keineswegs ein Qualitätsmerkmal. Ein Markenlogo bewegt gutgläubige Menschen, viel mehr Geld für Kleidungsstücke auszugeben, als sie wirklich wert sind. Für mich ist es einfach unglaublich und unverständlich, wie viele Leute sich so sehr von den Trends, also dem Stil anderer Menschen, beeinflussen lassen: Kleidung kauft man sich doch, weil sie einem gefällt! Sie ist eine Ausdrucksmöglichkeit der Persönlichkeit. Was also sagt es über jemanden aus, der nur kopiert, was andere schön finden? Mit eigenem Selbstbewusstsein hat das wenig zu tun. Kleider machen vielleicht Leute. Aber dass Markenklamotten jemanden zu einem anderen Menschen machen, halte ich für ein Märchen. |
Teaserfoto: Maclatz / pixelio.de


