Der Atomausstieg bis 2022 ist beschlossene Sache. Julia und Jens argumentieren gegeneinander: Müssen wir wirklich raus aus der Atomkraft?
Jens: ProDie furchtbare nukleare Katastrophe in Fukushima hat es letztlich allen gezeigt: Mit dem Betrieb von Atomkraftwerken können schwerwiegende Katastrophen – sei es durch die Umwelt, Terroranschläge oder schlicht menschliches Versagen – nie vollkommen ausgeschlossen werden. Daher war der Schritt der Bundesregierung genau richtig, gesetzlich den Atomausstieg bis 2022 festzulegen, auch wenn sie damit eine wenige Monate zuvor getroffene Entscheidung revidiert hat.. Atom-Befürworter argumentieren gern, die Energie sei sehr günstig. Für die führenden Unternehmen der Branche mag das gelten, doch die Steuerzahler bleiben meist auf den Kosten sitzen. Und die sind alles andere als gering. Denn es sind die Steuerzahler, die die Endlagerung des Atommülls bezahlen. Und der strahlt bekanntlich tausende von Jahren. Dazu kommt, dass womöglich keines der weltweit mehr als 400 Atomkraftwerke trotz zum Teil höchster Sicherheitsvorkehrungen einen Terrorangriff überstehen würde. Niemand möchte sich die Folgen vorstellen, wenn ein Flugzeug mit mehreren hundert Stundenkilometern in einen Atommeiler stürzt.Leider können wir nicht von heute auf morgen auf erneuerbare Energiequellen umsteigen – dann würde einiges an Strom fehlen. Aber in jedem Fall ist es möglich, Photovoltaik, Wind-, Wasserenergie und Co. sofort mit staatlichen Zuschüssen zu fördern und deren Ausbau konsequent voranzutreiben. Wenn das gewährleistet wird und nach und nach immer mehr Meiler abgeschaltet werden, kann Anfang des nächsten Jahrzehnts der Umstieg vollständig geschafft werden. Und es ist außerdem möglich, durch konsequentes Handeln der deutschen Politik in ein paar Jahren auch die anderen EU-Atomländer – wie Frankreich und Großbritannien – zur Kehrtwende zur bewegen. |
Julia: ContraJa, Kernenergie ist gefährlich. Und ja, Zwischenfälle können immer auftreten. Doch im Gegensatz zu den fossilen Brennstoffen, die unsere Umwelt und das Klima zerstören, sind wir mit der „sauberen“ Energie durch die Kernspaltung noch gut beraten. Die ist nämlich so gut wie CO2-neutral. Außerdem halte ich die Kernenergie für zuverlässig. Die Technologie ist ausgereift und die Atomkraftwerke arbeiten, zumindest in Deutschland, zuverlässig. Das kann man von neuen Formen der Stromgewinnung wie Wasser- oder Windkraftanlagen nicht behaupten. Bei diesen Kraftwerken herrscht eine natürliche Schwankung, die eine stetige Energieausbeute nahezu ausschließt. Sätze wie: „Bitte den Wind ein bisschen mehr aufdrehen!“ und „Ach ja, und die Wellengeschwindigkeit gleich mit, wenn es geht!“ werden Hirngespinste bleiben. Nun ist der Atomausstieg Deutschlands beschlossene Sache. Logischerweise entstehen daraus auch Konsequenzen. Sicher ist, die Strompreise werden steigen. Der Atomstrom muss ersetzt werden, damit es keine Engpässe in der Energieversorgung gibt. Und woher kommt der Strom? Zumindest übergansweise importieren wir ihn! Nachbarländer wie Frankreich oder die Tschechische Republik setzen nach wie vor auf Atomstrom. Unsere Fernseher und Computer werden demnächst also weiter teilweise mit Atomstrom gefüttert, der dann aber in einem Reaktor 200 Kilometer hinter der Grenze produziert wird. Und die Sicherheitsstandards der Kraftwerke dort entsprechen nicht unbedingt den hohen deutschen.Ich sage: Angesichts des ungeliebten und zugegebenermaßen gefährlichen Atommülls ist es vernünftig aus der Atomkraft auszusteigen. Doch nicht sofort. Erst einmal müssen die neuen Technologien zur Energiegewinnung besser entwickelt und andere Staaten überzeugt werden, ebenfalls ihre Reaktoren herunterzufahren. Deutschland als Vorreiter macht zwar Eindruck, auf lange Sicht aber einfach keinen Sinn. |
Teaserfoto: jugendfotos.de/jan-henrik.wiebe



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