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Pro: Anh
Natürlich ist es besorgniserregend, wenn Ärzte Krankenakten manipulieren, um bestimmte Patienten zu bevorzugen – so jüngst geschehen an Kliniken in Göttingen, München und Regensburg. Aber das sind Einzelfälle, die nicht an meiner Überzeugung rütteln können: Ja zur Organspende!
Die Rechtslage ist eindeutig. So heißt es im Transplantationsgesetz: „Die Bereiche Organentnahme, -vermittlung und -transplantation sind organisatorisch und personell voneinander zu trennen.“ Bei der gemeinnützigen Stiftung Eurotransplant laufen alle Informationen über Spenderorgane zusammen, die dann je nach Dringlichkeit verteilt werden. Die nun aufgedeckten Fälle werden dazu beitragen, die bisherigen Schlupflöcher zu schließen.
Zu solchen Straftaten kommt es außerdem deshalb, weil es zu wenig Menschen gibt, die sich zu einer Organspende bereit erklären. Im schlimmsten Fall führt dieses fehlende Spenderangebot dazu, dass beispielsweise Flüchtlingen gewaltsam Organe entnommen werden, mit denen dann Organhändler ihr Geld machen.
In Deutschland muss niemand Angst haben, dass ihm fälschlicherweise noch zu Lebzeiten Organe entnommen werden. Erst wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod des Patienten festgestellt haben, kommt es auch wirklich zur Organentnahme – vorausgesetzt der Verstorbene war als potentieller Organspender gemeldet.
Jeder sollte sich vor Augen halten: Auch er oder sie kann von einem Tag auf den anderen auf ein Spenderorgan angewiesen sein. 3.846 Menschen hatten 2011 das Glück, ein Spenderorgan transplantiert zu bekommen. Diesen stehen mit rund 12.000 fast drei Mal so viele gegenüber, die auf der Warteliste stehen. Täglich sterben drei Menschen, die durch eine Transplantation gerettet worden wären. Was hindert uns also, noch nach unserem Tod eine letzte gute Tat zu vollbringen?
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Contra: Sarah
Natürlich wissen wir alle, dass Organspende im Grunde genommen eine gute Sache ist, dass Menschenleben dadurch verlängert werden können und dass viele Menschen meinen, ihrem Leben, dadurch einen „letzten“ Sinn zu geben.
Sobald man sich aber gegen das Thema ausspricht, stößt man auf Unverständnis und teilweise schon ein wenig Verachtung. Ich finde, dass jedem seine Meinung gelassen werden sollte und dass die Entscheidung gegen die Organspende genauso respektiert werden sollte, wie die dafür. Denn es gibt genauso viele Argumente gegen das Spenden wie dafür. Ich persönlich bin mir im Bezug auf dieses Thema nicht sicher und würde sogar sagen, dass ich eher dazu tendiere, kein Organspender zu werden.
An erster Stelle steht natürlich immer die Frage, nach dem Zeitpunkt des Todes. Erst wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod eines Spenders festgestellt haben, dürfen diesem Organe entnommen werden. Jedoch bedeutet Hirntod nicht gleich Tod. Der Mensch ist zu diesem Zeitpunkt weder tot noch lebendig. Er wird nie wieder leben können, ist aber gleichzeitig weit davon entfernt, tot zu sein. Erst die Organspende „tötet“ letztendlich den Spender, denn die Entnahme der Organe ist die Ursache für den Tod.
Versetzt man sich in die Lage des Arztes, fällt ein weiterer Aspekt auf. Wenn die Entnahme die Todesursache ist, wird der Arzt somit – überspitzt gesagt – nicht zum Mörder? Niemand würde einen Arzt je als solchen bezeichnen. Ob der Arzt jedoch selber mit dieser Gewissensfrage leben kann, ist etwas Anderes. Auf der anderen Seite unterschreibe ich dann doch sozusagen mit dem Organspendeausweis meinen eigenen Tod. Natürlich ist es im Endeffekt egal, wie wir sterben, da wir dem Tod so oder so nicht entgehen können. Aber wenn ich den Organspendeausweis mit mir herumtrage, werde ich immer wieder, wenn ich den Ausweis sehe, an den Tod erinnert. Ich glaube, dass ich damit nicht umgehen könnte, vor allem da ich noch jung bin und mich andere Dinge beschäftigen als mein Tod.
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