„Grundstein für dauerhaften Frieden“, „zeitlose Grundlage der deutsch-französischen Beziehungen“: Keine Frage, der Elysée-Vertrag ist ein wichtiges Dokument. 1963 vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Präsident Charles de Gaulle unterzeichnet, spielt der Freundschaftsvertrag 50 Jahre später immer noch eine wichtige Rolle – und feiert Jubiläum.
Die Anfänge der deutsch-französischen Geschichte reichen weit in die Vergangenheit zurück. Als die Enkel von Karl dem Großen das Fränkische Reich im Jahr 843 unter sich aufteilten, zogen sie eine Grenze entlang des Rheins zwischen den Vorläufern des heutigen Frankreichs und Deutschlands. Diese Aufteilung blieb nicht ohne Konsequenzen: zahlreiche Kriege führten die beiden Nachbarländer in den folgenden Jahrhunderten. Im Mittelpunkt der Kämpfe stand meist die Herrschaft über das Gebiet um Straßburg, Elsass-Lothringen. „Rache und Revanche“ bestimmten das Denken beiderseits des Rheins. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1945, in dem sich Deutschland und Frankreich noch als Feinde gegenüber standen, konnten sich die beiden Staaten friedlich einigen. Die Region um Straßburg gehört seitdem zu Frankreich.
Allmähliche Annäherung
In Europa wuchs nach zwei Weltkriegen der Wunsch nach Einigkeit. Als Vorläufer der Europäischen Union (EU) wurden nach und nach die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1951) sowie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, EWG (1957) und die Europäische Atomgemeinschaft, EAG (1957) gegründet. Das erforderte eine deutsch-französische Zusammenarbeit, die auch durch das Ziel Adenauers, Westdeutschland möglichst nah an die westlichen Staaten anzubinden, vorangetrieben wurde.
Im Vertrag vereinbarten Deutschland und Frankreich regelmäßige Treffen auf allen politischen Ebenen. Foto: Bundesregierung
Im Juli 1962 trafen sich Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle in Reims zum gemeinsamen Besuch eines Gottesdienstes in der dortigen Kathedrale. Einen sicht- und hörbaren Ausdruck fand die Aussöhnung der ehemaligen Erzfeinde dann im September in Ludwigsburg bei der Rede des französischen Präsidenten an die deutsche Jugend. „Der höchste Trumpf für die freie Welt, bleiben die gegenseitige Achtung, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk.“, erklärte er.
Wenige Wochen später, am 22. Januar 1963, unterzeichneten die beiden Staatsmänner den Elysée-Vertrag. Auf 19 Seiten wurde der Rahmen für die neue deutsch-französische Partnerschaft festgelegt und die Hauptziele der deutsch-französischen Zusammenarbeit formuliert.
Mit dem Vertrag vereinbarten beide Länder regelmäßige Treffen der Staats- und Regierungschefs und der Minister. Außerdem begründete er Kooperationen auf den Feldern auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung, Bildung und Jugend. So sollten mehr Schüler ermutigt werden, die jeweils andere Sprache zu lernen und die Kultur des Nachbarlandes kennenzulernen. Daran schloss sich am 5. Juli 1963 die Gründung einer „Organisation zur Förderung der Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Jugend“ an, das Deutsch-Französische Jugendwerk.
Nach Vertragsabschluss
Nicht überall stieß der Elysée-Vertrag auf Zustimmung. Mancher Kritiker befürchtete, de Gaulle wolle Deutschland aus der engen Bindung an die USA und England lösen und stattdessen an Frankreich binden. Aus dieser Unsicherheit heraus stellte der Bundestag dem Vertrag bei seiner Verabschiedung eine Präambel voraus, die die enge Partnerschaft zwischen Europa und den USA festhielt.
50 Jahre nach Adenauer und de Gaulle besuchten auch Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Hollande einen Gottesdienst in der Kathedrale von Reims. Foto: Bundesregierung / Kugler
Die Annäherung brauchte auch auf gesellschaftlicher Ebene seine Zeit. Noch 1965 galt den Franzosen Deutschland als unsympathischste Nation.3 Doch mit der Zeit erreichte die Zusammenarbeit beider Länder ein Ausmaß, das 1945 noch unvorstellbar gewesen war. So entstanden immer mehr Städtepartnerschaften, Hochschulen arbeiteten eng zusammen und immer mehr Schüler beteiligten sich am Austausch zwischen beiden Ländern. 1969 vereinbarten Deutschland und Frankreich die gemeinsame Produktion des Airbus, deutsch-französische Gymnasien werden gegründet und ein deutsch-französisches Abitur („AbiBac“) ins Leben gerufen. Auf politischer Ebene bildet sich in den 1970er Jahren das „deutsch-französische Tandem“ heraus, das zum Motor der europäischen Einigung wird.
50 Jahre später
Der Elysée-Vertrag ist ein Meilenstein in der Geschichte Deutschlands und Frankreichs. Aus ehemaligen „Erbfeinden“ wurden die wichtigsten Partner Europas. Der 50. Jahrestag der Unterzeichnung wird deshalb mit einem ganzen Deutsch-Französisches Jahr gefeiert. Den Auftakt bildete im Juli 2012 der Besuch eines Gottesdienstes von Präsident Hollande und Bundeskanzlerin Merkel in der Reimser Kathedrale, ganz wie de Gaulle und Adenauer fünf Jahrzehnte zuvor. Am 21. und 22. Januar 2013, dem eigentlichen Jahrestag, folgte in Berlin ein gemeinsames Treffen der beiden Regierungen und Parlamente. Auf der offiziellen Webseite www.elysee50.de könnt ihr euch darüber informieren, was in dem deutsch-französischen Jahr noch so alles an Programm geboten wird.


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