Blick aus dem Trotro, dem gängigen Reisemittel für kürzere Strecken innerhalb Ghanas. Foto: Privat

Geschlagene sechs Stunden brauche ich für die 270 km kurze Strecke von der Hauptstadt Accra bis zu meinem Wohnort Kumasi. Warum es nicht schneller geht, wie viele Leute in ein Taxi passen und was schlimm an nigerianischen Filmen ist, will ich euch berichten.

Ich heiße Peter Unbehaun, bin 18 Jahre alt und verbringe im Rahmen eines Internationalen Jugend-Freiwilligen-Dienstes (IJFD) ein Jahr in Ghana. Seit Mitte September bin ich einer von zwei deutschen Freiwilligen an der John William Montessori School. Dort arbeite ich in der Schulbibliothek. Am Wochenende nutze ich die Zeit, um durchs Land zu reisen. So lerne ich nicht nur Land und Leute sondern auch verschiedene Fortbewegungsmittel und Reisegeschwindigkeiten kennen.

Die 24 Millionen Ghanaer leben in einer Demokratie und sprechen Englisch sowie 46 verschiedene afrikanische Sprachen. Einkommen, Alphabetisierungsrate und Lebenserwartung sind weit von deutschen Verhältnissen entfernt, liegen aber deutlich höher als in den Nachbarländern Togo, Burkina Faso und der Elfenbeinküste.

TÜV? Es geht auch ohne!

Wer Zeit beim Reisen hat, nimmt ein Trotro. Das ist ein Kleinbus, in den zwischen 15 und 40 Leute passen. Die Kosten liegen für Fahrten innerhalb Kumasis bei umgerechnet 15-30 Euro-Cent. Trotros nehmen meist dicht befahrene Routen und halten unterwegs an vielen Stationen, so dass es eine Weile dauern kann, bis man seinen Zielort erreicht. Langweilig ist es deswegen aber nicht: Während der Fahrt kann ich mich von meinen Mitfahrern ausfragen lassen, von ihnen ein bisschen Twi – die Sprache der Ashanti – lernen oder über das zusammengeschusterte Armaturenbrett staunen.

Aber es gibt auch Taxis und Privat-Autos – die meisten davon sind in etwa in meinem Alter und wahrscheinlich vor Jahren in Deutschland durch den TÜV gefallen.

Für mehrstündige Fahrten greife ich lieber etwas tiefer in die Tasche und steige in einen größeren Bus. Die sechsstündige Fahrt von Accra ins zentral gelegene Kumasi kann ich für zehn Euro oder weniger im luxuriösen „VIP-Bus“ zurücklegen. Trotz Klimaanlage und viel Platz ist diese Reise nicht immer angenehm. Das liegt nur teilweise an den nigerianischen(Horror-)Filmen, die oft samt Fortsetzungen im Bus gezeigt werden – der Gruselfaktor liegt eher bei Tonqualität und unbeholfenen „Special Effects”. Wenn man Pech hat, lässt darüber hinaus ein mitreisender Pastor endlose Predigten auf die arglosen Passagiere niedergehen.

Mit der Bahn

„Auf dem Land benutzen sie auch Boote, Ziegen und Rinder für die Fortbewegung“, erklärt mir George, einer meiner Freunde. Er ist 21 und hilft seiner Mutter in ihrem Laden. Sein Traumberuf ist das aber nicht. „Wenn ich könnte, würde ich Bahnhöfe bauen. Zug fahren ist nun mal sicherer und schneller.“

1898 beginnen die Engländer im Süden Ghanas den Bau einer Eisenbahn, um aus ihrer damaligen Kolonie in kurzer Zeit viele Rohstoffe zu holen. Heute nutzen nur wenige Menschen die Bahn als regelmäßiges Transportmittel. Das Streckennetz und der Fahrplan der Bahn sind heute sehr ausgedünnt. Aber vielleicht kann ich bei meinem nächsten Besuch in ein paar Jahren Bahn fahren. Denn seit letztem Jahr steht fest, dass das Streckennetz der Eisenbahn, die jetzt in der Hand eines chinesischen Investors ist, ausgebaut wird.

Wie viele Leute in ein Taxi passen


Kleinbus ahoi: George vor einem
Trotro. Foto: Privat

Wenn ich abends mit Freunden unterwegs bin, und wir von einer Bar zur nächsten wechseln, quetschen wir uns manchmal (unerlaubter Weise) zu siebt in einen 18 Jahre alten Opel Astra – den Fahrer nicht mitgezählt. Tagsüber lassen wir das aber schon aus Komfortgründen bleiben.

Wer sich den Luxus eines Privat-Taxis leistet, muss vorher ordentlich mit dem Fahrer verhandeln, sonst zahlt man schnell das Doppelte des eigentlichen Preises. Das Benzin kostet hier ungefähr 70 Cent pro Liter und auch die Löhne sind viel niedriger als in Deutschland. Für eine halbe Stunde Taxifahrt zahlt man deshalb höchstens 5 €. Wer mehr zahlt, hat schlecht verhandelt. Nachts und bei besonders starkem Verkehr liegen die Preise etwas höher. Aber wenn man die Taxikosten unter sieben Mitfahrern aufteilt, ist das ja kein Problem.

Gute Seiten, schlechte Seiten

Ja, es wäre schön, wie in Deutschland einfach in die – nach Fahrplan fahrende – Straßenbahn zu steigen, ein Ticket zu lösen, mich auf meinen Platz zu setzen und an meiner Haltestelle auszusteigen. Und ich hätte nichts dagegen, während der Fahrt ein Buch zu lesen. Aber eine Straßenbahn gibt es in Kumasi nicht und die Schlaglöcher auf der Fahrbahn verhindern in jedem Falle das Lesen eines Buches. Es hat aber auch einen gewissen Charme, mit erwachsenen Menschen um den letzten Platz im Trotro zu ringen. Und ich mag es, unterwegs von der alten Frau vor mir einen Satz auf Twi zu lernen und mit dem Taxifahrer zu feilschen. Hauptsache es geht vorwärts, wenn auch ein bisschen langsamer.

Kommentare

Hallo Peter, du stellst uns ja mit jeder Mitteilung neue Anforderungen an unsere Fähigkeiten mit dem PC umzugehen, dabei sind wir mit den neuen "Mitteilungsmethoden" ganz wenig vertraut. Vielleicht wird es noch ! Wir geben die Hoffnung nicht auf. Und wie läuft das so ?? Neuerdings von Party zu Party ? Wir haben nun etwas Stress, es folgen die Weihnachtskonzerte vom Chor und morgen und übermorgen folgen die ersten 3 Auftritte. Dann habe ich ja noch den Geburtstag und die Feier zu organisieren. Weihnachtsfeiern gibt es vom Betrieb und vom Chor dazu noch meine Betreibs-Abschiedsfeier. Es gibt noch ein paar Arbeitstage, der Rest des Jahres besteht aus Feiern ! auch nicht schlecht ………… bis zur nächsten Nachricht viele Grüße Helga & Klaus

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