Wenn Generationen zusammenleben, haben alle was davon. Foto: REGIERUNGonline, Rebekka Brather

Peter Weber ist Vorstandsmitglied der Berliner Mietergenossenschaft SelbstBau. 17 innovative und nachhaltige Wohnprojekte betreut sie inzwischen. Schekker erzählt Peter Weber von der 20-jährigen Geschichte.

Seit 20 Jahren kaufen wir Wohnhäuser und sanieren sie gemeinsam mit den Mietern. So sind wir zu einem Dach von 17 Hausprojekten geworden. Meistens war es so, dass die Bewohner zu uns kamen, weil ihr Haus verkauft werden sollte. Dann schauten wir: Wie ist das Projekt finanzierbar? Als letztes kam 2006 das Generationenhaus in Karlshorst hinzu. Im Gegensatz zu einem Mehrgenerationenhaus ist es nicht nur ein Treffpunkt, sondern auch Wohnhaus. Das war eins der wenigen Projekte, wo erst die Räume da waren und wir dann die Bewohner gesucht haben. Die ehemalige Schule wurde saniert und barrierefrei umgebaut. 29 Kinder und 32 Erwachsene leben jetzt dort, vom Baby bis zur 83-Jährigen.


Und das sind die Bewohner des
Mehrgenerationenhauses “Alte Schule
Karlshorst”.
Foto: SebstBau e.G.

Neben Familien und Alleinstehenden ist in der ersten Etage auch ein Kinderhaus eingezogen. Das ist eine Einrichtung, in der Kinder, deren Eltern nicht auf sie aufpassen können, zusammen sind und rund um die Uhr betreut werden. Ein Betreuer des Kinderhauses hatte von dem Projekt erfahren und kam auf uns zu. In anderen Häusern werden diese Kinder meistens in nicht besonders attraktiven Wohnungen untergebracht. Dort sind sie immer Fremdkörper und nicht integriert in die Gemeinschaft. Auch bei uns waren die Bewohner erst skeptisch, weil sie Angst hatten, dass die Kinder randalieren und womöglich noch ihre eigenen Kleinen zu Unsinn anstiften. Jetzt sind da aber wirklich schöne Beziehungen entstanden. So gibt es zum Beispiel ältere Mieter, die abends noch runtergehen und den Kindern Geschichten vorlesen.

Übers Zusammenleben sprechen


Solche Dinge kann man natürlich nicht erzwingen. Zwar haben wir uns schon lange, bevor die Leute eingezogen sind, regelmäßig mit ihnen getroffen. Da haben wir dann viel über das Zusammenleben gesprochen und den Leuten klar gemacht, dass sie da nicht in ein normales Mietshaus einziehen. Dass man hier bereit – und in der Lage – sein muss, mit seinen Nachbarn weit über das normale Maß hinaus zu kommunizieren. Einige sind da auch gleich wieder ausgestiegen. Letztlich hat aber jeder den Mietvertrag für seine Wohnung und seine ganz normalen Mieterrechte. Die Sachen, die darüber hinausgehen, müssen freiwillig passieren. Bis jetzt funktioniert das ganz gut.

Mehr Infos zum Thema findet ihr auf den Seiten des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser.

Einmal im Monat setzen sich die Leute zusammen, diskutieren zum Beispiel über die Gartengestaltung, und versuchen, einen Konsens zu finden. Gerade die Älteren hatten mit solchen Gruppenversammlungen am Anfang große Probleme, weil sie das gar nicht so gewöhnt waren und die Jüngeren als aggressiv empfanden. Man musste dann die Diskussionen neu gestalten, sodass nicht immer der gewann, der am lautesten seine Meinung sagte. Inzwischen können sich die Älteren viel besser einbringen.

Von Anfang an auf Ökologie geschaut


Angefangen hat alles mit zwei heruntergekommenen Gründerzeithäusern im heutigen Szenebezirk Prenzlauer Berg. Hier wurde vor zwanzig Jahren die Mietergenossenschaft von Bewohnern gegründet, die schon zu DDR-Zeiten den Abriss verhindert hatten und nun selbst renovieren wollten. Das war eine wilde Zeit damals. Das Projekt war nur durch Zuschüsse der Stadt möglich. Im Rahmen des Programms „Bauliche Selbsthilfe“, das aus Westberlin rüber geschwappt war, waren das sogar über 80 Prozent der Baukosten, die man von der Stadt bekommen hat. Der Rest wurde über Kredite finanziert. Für den Kredit war wiederum ein Eigenanteil nötig, das heißt: Die Leute standen 10 bis 20 Stunden in der Woche selber auf der Baustelle.


Peter Weber ist überzeugter
“Generationenhäusler”.
Foto: Privat

Von Anfang an haben wir auch auf ökologische Aspekte geachtet. Das ging los mit dem ersten Blockheizkraftwerk. Neben Strom erzeugt das auch Wärme, mit der man dann das Haus heizen kann. Das war vor 20 Jahren eine relativ neue Technik. Beim neuesten Projekt, einer alten DDR-Kita in Lichtenberg, haben wir eine große Anlage zur Nutzung von Sonnenenergie aufs Dach gestellt. Ein Drittel des Energiebedarfs der Bewohner wird damit erzeugt und auch direkt verbraucht. Entsprechend niedrig ist dann natürlich auch die Stromrechnung.

Anders als Investoren, die erst mal bauen und sich dann mit dem Geld davon machen, haben unsere Mitglieder ein persönliches Interesse an nachhaltigen Materialen und Techniken: Sie bauen schließlich für sich selbst und ihre Familien.