Marlene ist 20 und Schülersprecherin. Schekker erzählt sie, wieso ihr die Nachhaltigkeit so wichtig ist und wie sie die Welt in 30 Jahren sieht.
Ich möchte anpacken und helfen, wo es nur geht und etwas Bleibendes zurücklassen. Nachhaltiges Handeln liegt mir besonders am Herzen, denn es bedeutet Respekt vor den Generationen nach uns. Es betrifft so viele Bereiche des Lebens, nicht nur die Erhaltung der Natur mit ihren Rohstoffen, auch die Förderung von Toleranz und beständigen Freundschaften gehört für mich dazu.
So engagiere ich mich als Schülersprecherin dafür, Grundsteine für ein neues Miteinander zu legen. Manche sehen mich als revolutionär, doch so zu sein war nie meine Absicht – ich tue nur, was ich für richtig halte. Beispielsweise arbeite ich mit dem örtlichen Streetworker zusammen, habe die Wiedereinführung einer Schülerzeitung verwirklicht und unser Schulfest etabliert, obwohl es ursprünglich wegen Alkoholexzessen abgeschafft werden sollte. Ich setze mich gerne für diese Dinge ein, und durch mein Amt als Schülersprecherin wurde mir klar, dass ich im Schulwesen bleiben und Lehrerin werden möchte.
Gewissen versus Geld
Seit fast 3 Jahren bin ich überzeugte Vegetarierin, nicht nur aus Tierliebe, sondern auch, weil ich Massentierhaltung verurteile. Nachdem mir im Londoner Aquarium klar wurde, wie überfischt unsere Meere sind, esse ich kaum noch Fisch. Bei mir kommt übrigens nur Bio auf den Tisch, so weiß ich, was ich vor mir habe. Leider funktioniert ökologisches Handeln nicht immer so leicht: Dinge wie Energie und Papier sparen oder Flüge vermeiden, lassen sich recht einfach durchsetzen.
Einen umweltfreundlichen Neuwagen kann ich mir hingegen nicht leisten, selbst wenn ich wollte. Dabei jobbe ich neben der Schule in einem Architekturbüro und bei McDonald‘s, was viele als einen extremen Kontrast zu meiner Lebensweise sehen. Hier muss ich wieder Geld und Gewissen gegeneinander aufwiegen. Wie so oft siegt Ersteres, da ich eine eigene Wohnung habe und mir den Lebensunterhalt selbst finanzieren muss.
Meine Welt von morgen
In 30 Jahren würde ich gerne in einer alten Fabrikhalle wohnen, die ich selbst herrichte und darin moderne Elemente mit Antiquitäten kombiniere. Besonders in den industrialisierten Ländern sind die Städte schon so zugebaut, dass man nicht noch mehr Gebäude errichten, sondern die alten nutzen soll. Abgesehen davon gefällt mir das meiste der modernen Architektur nicht, da alles würfelförmiger wird und nur auf das Praktische ausgerichtet ist. Das wird sich in Zukunft auch nicht groß verändern; was sich jedoch verändern wird, ist das Energiebewusstsein der Leute. Ich beobachte selbst, dass neue Studiengänge wie Erneuerbare Energien oder Ressourcenmanagement gerade boomen – das sind die Arbeitsplätze von morgen. Ich glaube auch, dass wir Erdöl eines Tages zum Beispiel durch Solartechnik ganz ersetzen können, nicht zuletzt, weil uns die aktuelle Lage dazu zwingt.
Angst habe ich vor einer zunehmenden Massenabfertigung der Menschen, denn trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Globalisierung schleicht sich eine neue Konformität ein. Ich denke, dass Individualität bald zu einem der wichtigsten Werte wird.
Mein Lebensziel ist es, eines Tages in einem armen Land Entwicklungshilfe zu leisten, indem ich vielleicht eine Schule oder auch nur einen Brunnen errichte. Ich möchte vor allem den Kindern dort gerne etwas von dem geben, was für uns hier selbstverständlich ist. Schon allein, mit ihnen Theater zu machen oder zu musizieren, würde ihnen eine wertvolle Abwechslung und mir eine Bereicherung bieten.


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