Der Bundesfreiwilligendienst soll den Zivildienst ersetzen. Mit 35.000 Stellen. Foto: Bundesamt für den Zivildienst

Hartnäckig hält sich das Klischee vom Jugendlichen, der keine Lust auf soziales und gesellschaftliches Engagement hat. Ehrenamtlich würden wir doch sowieso nichts machen. Ohne Bezahlung? Wir doch nicht. Das hört man allzu oft. Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Eines gleich vorweg: Die Jugendlichen in unserem Land stecken ohne Zweifel voller Tatendrang. 39 Prozent setzen sich häufig für soziale oder gesellschaftliche Zwecke ein. Das sagt die aktuelle Shell-Jugendstudie. Auffällig dabei ist: Je gebildeter Jugendliche sind, desto mehr engagieren sie sich.

35.000 Stellen im Bundesfreiwilligendienst

Fakt ist: Der Bundesfreiwilligendienst soll den Zivildienst ersetzen. 35.000 Stellen sollen pro Jahr geschaffen werden. Weiterhin gibt es das Freiwillige Soziale Jahr oder das Freiwillige Ökologische Jahr mit zusammen ebenfalls 35.000 Stellen deutschlandweit. Diese Dienste geben jungen Menschen die Möglichkeit, sich zwischen sechs und 24 Monaten lang sozial, kulturell oder gesellschaftlich freiwillig zu engagieren. Dabei erhalten sie eine finanzielle Unterstützung und sind sozialversichert.

Was freiwilliges Engagement angeht, hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren viel getan. Klar, helfen konnte man schon immer, auch freiwillig und ehrenamtlich. Mittlerweile gibt es aber eine Vielzahl an Diensten, die freiwilligen Einsatz in organisierte Bahnen lenken. Egal ob in Deutschland oder unseren Nachbarländern, in Europa oder der ganzen Welt. Während sich früher die Einsätze im Wesentlichen auf Soziales beschränkten, sind Freiwilligendienste heute in nahezu jedem Bereich möglich: ob Umwelt- oder Katastrophenschutz, Denkmal- oder Altenpflege, Behindertenbetreuung oder Kindertagesstätten, auf dem Sportplatz oder im Wald. Bei der Vielzahl an Möglichkeiten heute verlieren manche Jugendlichen bereits den Überblick.


Auch bei der Bundeswehr setzt der Staat in Zukunft auf Freiwilligkeit. Die Wehrpflicht wird ersetzt vom Freiwilligen Wehrdienst. Bis zu 15.000 Männer und Frauen sollen künftig diesen Dienst leisten. Wichtigste Änderung: Die alte Wehrpflicht war nur für Jungs. Der neue freiwillige Wehrdienst ist auch für Mädchen.

Mal was anderes machen

Nur: Was ist der Ansporn für so viel Engagement? Welchen persönlichen Nutzen ziehen Jugendliche aus freiwilliger Arbeit? Für Bundesfamilienministerin Kristina Schröder liegt der Nutzen auf der Hand: Diese freiwilligen Monate dienten der persönlichen und beruflichen Orientierung für den Lebensweg, sagt sie. Und tatsächlich sehen viele Jugendliche das ähnlich. Und so liegt der Wille sich auszuprobieren, mal was anderes zu machen, ganz weit vorn bei den Begründungen für freiwillige Dienste.

Für Kinder und für Rentner da. Jugendliche engagieren sich.
Fotos: Frank Grätz

Außerdem werden soziale Kompetenzen wie Kommunikations- oder Teamfähigkeit trainiert. Dies ist letztlich auch ein wichtiger Faktor für spätere Arbeitgeber. Wer soziales Engagement vorweisen kann, hat häufig einen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern.

Spaß und ein gutes Gefühl

Kommt noch der Faktor Spaß hinzu: Denn ohne Freude an sozialer Arbeit würden sich nicht so viele junge Menschen engagieren. Und auch das Stichwort „Nächstenliebe“ ist sicher für viele Antrieb, für ihre Mitmenschen oder die Umwelt zu sorgen. Oder sich für die Gesellschaft und das Land zu engagieren.

Um zu verstehen, was freiwillige Dienste bringen, muss man sich nur mal mit jemandem unterhalten, der einen gemacht hat. Wenn man mit Jugendlichen spricht, die in Entwicklungsländern geholfen haben eine Schule aufzubauen oder Trinkwasser aufbereitet haben, oder mit Jungs und Mädchen, die hier in Deutschland alte Menschen gepflegt, in Krankenheimen geholfen oder behinderte Menschen betreut haben, dann bekommt man schnell mit, wie die meisten an diesen Erfahrungen gewachsen sind. Nicht alles, was man dann zu hören bekommt, ist eitel Sonnenschein. Aber am Ende bleibt doch bei den meisten ein gutes Gefühl. Dieses gute Gefühl, was geschafft und anderen geholfen zu haben.

Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit

Freiwillige Arbeit ist auch europaweit ein wichtiges Thema. So haben die EU-Länder 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit ausgerufen. Bei Regionalkonferenzen, Aktionen und einer Tour durch 27 Länder soll die ehrenamtliche Arbeit der Menschen gewürdigt werden. Denn Anerkennung ist enorm wichtig, um freiwillige Tätigkeiten zu fördern.

Das alles soll dazu dienen, das freiwillige Engagement ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Denn eines ist auch klar: Mit engagierten Freiwilligen stehen und fallen viele Projekte.

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