Wer die Wahl hat, hat die Qual: Es gibt viele Programme für Freiwilligendienste. Foto: Frank Grätz

Ihr wollt euch engagieren? Zuhause, um die Ecke oder in der weiten Welt? Dann ist ein Freiwilligendienst in Deutschland oder im Ausland genau das richtige. Welches Angebot am besten passt, könnt ihr mit diesem Überblick über die verschiedenen Programme herausfinden.

Bundesfreiwilligendienst

Um die Lücke im sozialen Bereich zu verhindern, die durch den Wegfall des Zivildienstes droht, startet im Juli 2011 der Bundesfreiwilligendienst. Insgesamt rechnet die Bundesregierung mit 35.000 Stellen deutschlandweit. Die Teilnehmer können zwischen einem halben bis zwei Jahren unter anderem im kulturellen oder sozialen Bereich arbeiten und erhalten monatlich bis zu 330 Euro. Dazu gibt es Geld für Unterkunft und Verpflegung. Der Bundesfreiwilligendienst kann (anders als das Freiwillige Soziale Jahr) nur in Deutschland geleistet werden. Das Alter der Teilnehmer ist nach oben offen. Es können sich Männer und Frauen bewerben. Die Stellen werden von den gleichen Institutionen, Vereinen und Verbänden angeboten, die bisher Zivildienststellen hatten. Außerdem erweitert sich das Spektrum auch auf die Bereiche Sport, Umwelt, Bildung, Integration, Kultur und den Katastrophenschutz.

Aktuelle Informationen zum Bundesfreiwilligendienst findet ihr auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und auf www.zivildienst.de.

Das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ, ist der Freiwilligendienst der Bundesländer. Er hat eine lange Tradition und existiert bereits seit den 60er Jahren. Seit 2002 liegen die Einsatzbereiche nicht nur im gemeinnützigen Bereich, sondern auch in den Bereichen Sport, Denkmalpflege und Kultur. Wer nicht älter als 27 ist, kann sich für die Dauer von sechs bis 18 Monaten bei einer Einsatzstelle einbringen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Dafür gibt es ein Taschengeld von bis zu 330 Euro. FSJler sind natürlich auch sozialversichert. Verpflegung und Unterkunft werden gestellt. Interessenten bewerben sich direkt bei ihrer Einsatzstelle.
Infos zum FSJ gibt es auf extra Internetseiten der einzelnen Bundesländer und beim Bundesarbeitskreis FSJ.

Freiwilliges Ökologische Jahr

Wer sich für die Umwelt engagieren möchte, liegt mit dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) richtig. Dabei ist egal, ob ihr in Deutschland oder im Ausland arbeiten wollt – beides ist möglich. Bewerben kann sich jeder zwischen 16 und 27, die Bewerbung erfolgt direkt bei einer der vielen Trägerorganisationen. Die betreuen die Freiwilligen in Seminaren nicht nur persönlich, sondern auch fachlich. Abhängig von der Höhe der Projektförderung erhalten die Teilnehmer ein Taschengeld von bis zu 350 Euro.

Infos zum FÖJ gibt es auf extra Internetseiten der einzelnen Bundesländer und beim Bundesarbeitskreis FÖJ.

Foto: Andrea Bienert, Bundeswehr
Im Juli 2011 wird in Deutschland die Wehrpflicht ausgesetzt. An ihre Stelle tritt der neue Freiwillige Wehrdienst mit einer Dauer zwischen 12 bis 23 Monaten. Bis zu 15.000 Stellen sollen jährlich vergeben werden und zwar an Männer wie Frauen. In den ersten sechs Monaten ihres Dienstes befinden sich die Freiwilligen in der Probezeit und können jeweils zum letzten Tag eines Monats gekündigt werden. Dafür ist die Entlohnung im Gegensatz zu anderen Freiwilligendiensten höher: Inklusive der Sachleistungen liegt der Monatsnettolohn zwischen 1.000 Euro und 1.400 Euro. Die Bundeswehr arbeitet derzeit weiter an einem Konzept der Nachwuchsgewinnung.

Informationen gibt es auf der Karriere-Internetseite der Bundeswehr.

Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland

All diejenigen, die es in die Ferne zieht, können ihr Freiwilliges Soziales Jahr auch im Ausland verbringen. Angst vor einem Kulturschock im Zielland muss dabei niemand haben, denn in der Regel wird der Freiwillige fünf Wochen auf seine Arbeit vorbereitet. Dazu gehört unter anderem ein Sprachkurs, damit der Teilnehmer sich zumindest in Ansätzen mit den Einheimischen verständigen kann. Für das FSJ im Ausland gelten gesonderte Bedingungen, so muss der Träger des Freiwilligen Jahres seinen Hauptsitz in Deutschland haben. Aufgrund des Bewerberansturms ist eine frühe Bewerbung zu empfehlen.

Informationen, zum Beispiel zu Anbietern des FSJ im Ausland findet ihr auf der Internetseite des Bundesarbeitskreis FSJ.

Wer einen Tapetenwechsel braucht, aber nicht in die weite Ferne schweifen will, findet im Europäischen Freiwilligendienst das passende Angebot. Der Freiwillige arbeitet zwischen sechs Monaten und einem Jahr bei einer gemeinnützigen Organisation im europäischen Ausland. Die Entsendeorganisation müsst ihr im Voraus selbst finden. Egal ob Reisekosten, Versicherung, Unterkunft oder Verpflegung – alles wird bezahlt. Außerdem erhaltet ihr etwa 105 Euro Taschengeld im Monat.
Die Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen findet ihr auf www.go4europe.de, der Internetseite der Deutschen Agentur für das EU-Programm „Jugend in Aktion“. Auf www.youthreporter.eu erzählen Jugendliche von ihren Freiwilligendiensten im europäischen Ausland.

weltwärts

Raus in die weite Welt? Dann seid ihr bei weltwärts genau richtig. Denn der entwicklungspolitische Freiwilligendienst ermöglicht es jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, sich sechs bis 24 Monate lang in Entwicklungsländern zu engagieren. Hinter dem Freiwilligendienst steht das Bundesentwicklungsministerium. Ihr bewerbt euch direkt bei anerkannten Entsendeorganisationen und entscheidet selbst, ob ihr beispielsweise in Weißrussland Behinderte betreuen oder lieber in Kolumbien mit Straßenkindern Theaterstücke organisieren wollt. Freiwillige erhalten 100 Euro Taschengeld im Monat und sind rundum versichert. Über 10.000 Bewerber wollten 2010 bei dem Programm mitmachen, doch nur 4.300 Freiwillige konnten am Ende ausreisen.

Alle Informationen vor allem zur Bewerbung, zu den Entsendeorganisationen und alles andere findet ihr auf www.weltwaerts.de.

kulturweit
Foto: kulturweit
„Weltweit Kultur erleben und mitgestalten“ – unter diesem Slogan steht kulturweit, der Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission. 400 Freiwillige bekommen jährlich die Möglichkeit, während ihres Einsatzes aktiv Kultur mitzugestalten. Sie stellen zum Beispiel Unterrichtsprojekte in deutschen Schulen im Ausland auf die Beine oder arbeiten in deutschen Kultureinrichtungen. Das Programm ist dem FSJ rechtlich gleichgestellt, es gelten daher ähnliche Bedingungen. Einsatzstellen können nur über bestimmte Partnerorganisationen des Auswärtigen Amtes vermittelt werden.
Alles was ihr wissen müsst zu Programm, Bewerbung und Partnern, findet ihr auf www.kulturweit.de.

Internationaler Jugendfreiwilligendienst

Den neuen Auslandsfreiwilligendienst des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt es erst seit Beginn des Jahres. Durch den Dienst soll Jugendlichen die Möglichkeit geboten werden, soziale und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, die Einsatzfelder sind vielfältig. Pädagogisch werden die Teilnehmer während der gesamten zwölf Monate betreut, Versicherungen müssen sie – anders als beim FSJ oder FÖJ – aber selbst abschließen. Wie in den meisten Fällen erfolgt auch hier die Bewerbung über Entsendeorganisationen. Wegen der umfangreichen Vorbereitungen empfiehlt sich eine frühe Bewerbung.

Auf der Seite des Bundesministeriums findet ihr alle Infos.

Deutsch-Französischer Freiwilligendienst
Ebenfalls um den kulturellen Austausch geht es beim Freiwilligendienst des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Hier liegt der Schwerpunkt, wie der Name vermuten lässt auf den beiden Ländern Frankreich und Deutschland. Ganz gleich ob lieber im kulturellen, sozialen oder ökologischen Bereich, mit dem OFAJ ist all das möglich. Der Austausch zwischen den deutschen und den französischen Verbänden, Institutionen und Vereinen basiert auf Gegenseitigkeit, so dass Kontakte oft auch über das Freiwillige Jahr hinaus aufrecht erhalten werden.
Erfahrungsberichte und zusätzliche Informationen bekommt ihr beim Deutsch-Französischen Jugendwerk.

„Junge Migranten als Lotsen“

Foto: JuMiLo

„JuMiLo“ heißt das Projekt. Ausgesprochen: „Junge Migranten als Lotsen“. An 15 Orten in Deutschland bringt „JuMiLo“ junge Menschen mit Migrationshintergrund zusammen. Sie können entweder ehrenamtlich als Lotse neue Freizeitangebote organisieren oder als Teilnehmer bei diesen Angeboten mitmachen. Ziel ist es, Integrationshürden gemeinsam zu nehmen. Im Rahmen des Projekts finden zum Beispiel Kunst-, Sport-, Theater- oder Deutschkurse statt, aber auch Bewerbungstrainings und (inter-)kulturelle Veranstaltungen.

Anmelden könnt ihre euch auf der Internetseite von „JuMiLo“, da findet ihr auch die Übersicht über alle 15 deutschen Städte, in denen das Projekt aktiv ist.

www.rausvonzuhaus.de
Screenshot: rausvonzuhaus.de
Und noch ein Netz-Tipp zum Schluss: Egal ob ihr nähere Informationen zum Freiwilligendienst in Spanien oder in Argentinien sucht, die Internetseite www.rausvonzuhaus.de hat viele relevante Infos und Links parat. Hier bekommt ihr einen ersten Überblick, wie ihr euer Freiwilliges Jahr im Ausland gestalten könnt, und erhaltet durch spezielle Länderinformationen und Erfahrungsberichte zusätzliche Inspiration.
Freiwilligendienste im Ausland im Überblick gibt es auf www.rausvonzuhaus.de

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Auch eine Möglichkeit, herauszufinden, welches Programm am besten zur aktuellen Lebenssituation passt: der Engagement Kompass von Engagement Global. Auf Facebook: https://www.facebook.com/engagement.global/app_415507531888651 Oder online: http://www.engagement-global.de/engagement-kompass.html

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