Hello, I am Ms. Gscheidl. Christina beim Praktikum in der Schule Foto: Jennifer Hertlein

Lehrer werden nur die, denen nichts besseres einfällt? So ein Quatsch: Christina, 20, studiert Lehramt an der Universität Erlangen-Nürnberg – aus Leidenschaft, wie sie sagt. Dabei arbeitet sie sich durch Grammatikstunden mit wuselnden Fünftklässlern sowie Tanzstunden, Sportmedizin und Englische Didaktik an der Universität.

Selbstbewusst tritt Christina Gscheidl vor eine Gruppe hibbeliger Fünftklässler. Heute steht Englisch auf dem Stundenplan: „Hello. My name is Mrs. Gscheidl“, stellt sich Christina der Unterstufenklasse des Helene-Lange-Gymnasiums in Fürth vor. Sie schreibt ihren Namen an die Tafel, die grüne Kreide quietscht ein wenig.

Christina macht gerade ein Schulpraktikum. Das ist Teil ihres Studiums. Vor Gruppen zu sprechen, damit hat Christina kein Problem. Schon seit Jahren leitet sie Turnstunden für Kinder. „Also stehe ich auch selbstsicher vor der Klasse“, meint sie lächelnd. „Ich wollte immer mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. So war mir klar, dass Lehrerin zu werden für mich perfekt ist. Da kann ich den Jugendlichen etwas beibringen, das ihnen im Leben hilft.“

Gleich wird’s ernst: Christina kurz vor dem Eintritt in die Klasse, Foto: Jennifer Hertlein

Nach dem Stundenwechsel unterrichtet sie vor einer siebten Klasse englische Grammatik: Es geht um If-Clauses, Konditionalsätze. Schon bald schnellen einige Schülerhände in die Luft. Die 13-Jährigen arbeiten gerne mit Christina: Sie hat sich für die Übung witzige Beispielsätze ausgedacht und arbeitet nicht nur mit dem Schulbuch.

Gesundheit, Sportmedizin, Trainingslehre: Das Sportstudium hat es in sich

An einen Studienplatz zu kommen war für Christina nicht einfach: In Englisch musste sie einen Eignungstest meistern, der unter anderem aus einem Lückentext und einem Lese- und Hören-und-verstehen-Teil bestand. Im bayerischen Sportaufnahmetest standen Ballsportarten, Geräteturnen, Tanzen und Leichtathletik an. „Beim 3.000-Meter-Lauf sind einige Bewerber zusammengebrochen“, erzählt Christina. Sie hat bestanden.

Eine weitere Hürde war die Fächerwahl, denn nicht alle Unterrichtsfächer sind miteinander kombinierbar. „Ich wäre gerne Lehrerin für Spanisch und Sport geworden. Es gab aber nur die Kombinationen Englisch-Sport und Latein-Sport“, erzählt Christina.

Im Sportstudium stehen zum Beispiel die Praxiskurse Schwimmen, Leichtathletik und Tanzen auf dem Plan. „Die Jungs müssen übrigens auch tanzen, die Mädels im Gegenzug ebenfalls Fußball spielen“, sagt sie. Im theoretischen Sportteil lernt Christina alles über Gesundheit, Sportdidaktik und Sportpädagogik. Im nächsten Semester kommen noch Sportmedizin und Trainingslehre dazu. Das Englisch-Studium sieht ähnlich vielfältig aus: Neben der Sprachpraxis sitzt Christina in Vorlesungen und Seminaren wie Literatur, Landeskunde, Englische Didaktik und Kulturwissenschaft.

Der Lernstoff macht vielen zu schaffen: „Mittlerweile sind wir, glaube ich, in meinem Jahrgang nur noch vier Mädels und sechs Jungs, die Englisch und Sport auf Lehramt studieren. Alle anderen haben das Studienfach gewechselt, weil sie die Grundlagen- oder Orientierungsprüfungen nicht bestanden haben“, sagt sie.

Aber auch andere Dinge an Christinas Studiengang sind chaotisch. „Wir sind der erste Jahrgang des neuen Bachelor/Master-Systems. Wir dürfen also die Versuchskaninchen spielen“, sagt sie. So erlebe man schon ab und zu unangenehme Überraschungen – die Sportstudenten absolvierten etwa einen Skikurs, um dann zu erfahren, dass sie ein Snowboard-Examen ablegen mussten. Ein bisschen Sorgen macht Christina sich auch um ihre berufliche Zukunft: „Momentan gibt es noch genug freie Stellen. Aber es heißt, dass es in den kommenden Jahren schwieriger wird, eine Stelle zu finden“, sagt sie.

Unterrichten vor der Klasse: Praktika sind Pflicht

Nach dem ersten Semester hat Christina ein Orientierungspraktikum absolviert. Ein studienbegleitendes Praktikum folgt während eines späteren Semesters, ein Block- und ein Betriebspraktikum jeweils in den Semesterferien. „Um die Bewerbungen für die Praktika muss man sich selbst kümmern“, erzählt Christina. Die Uni hilft dabei nicht. In den ersten Praktikumswochen saß sie wie eine Schülerin im Klassenzimmer und hörte zu, später durfte sie selbst erste Stunden unterrichten. Christina bereitet ihre Schulstunden selbst vor. Die fertigen Lehrer helfen ihr aber dabei.

Etwas Zeit hat Christina noch, um sich auf ihren Beruf vorzubereiten. Nach Studium und Praktika folgen zwei Jahre Referendariat. Dann darf sie Klassen übernehmen, anstatt nur einzelne Stunden zu halten.

Christinas Grammatikstunde in der siebten Klasse neigt sich dem Ende zu: Die Schüler sitzen immer noch still auf ihren Plätzen, nur einige spielen mit einem Kugelschreiber oder Radiergummi. Das dumpfe Läuten der Pausenglocke beendet die Stunde. Für Christina ist der Unterricht heute zu Ende. Die Schüler schreiben einen letzten Satz in ihre Hefte, bevor sie aufspringen und in die Pause laufen. „Die Neue war aber nett“, meint ein Mädchen lächelnd zu ihrer Freundin.

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Überall findet sich etwas zum Freuen, Lernen und Tun. (Johann Wolfgang von Goethe) Christinas Traum ist Lehrerin zu werden. Durch das Studium macht sie ihre Träume wahr. Dies ist der Schlüssel zum Erfolg.

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