Die Cousins bei Lothar de Maizières 70. Geburtstag. REGIERUNGonline/Kugler

Wenn es um die Wiedervereinigung geht, fallen immer wieder zwei Namen. Was die beiden Cousins Lothar und Thomas de Maizière mit der Vereinigung zu tun haben, lest ihr hier.

Sie sind in verschiedenen Teilen Deutschlands geboren und aufgewachsen. Lothar de Maizière 1940 in Nordhausen, Thüringen. In der ehemaligen DDR also. Sein Cousin Thomas de Maizière 1954 in Bonn, in Westdeutschland. Damals einfach mal zu seinen Verwandten zu fahren war wegen der deutschen Teilung und der Mauer nicht möglich.

Ein Interview mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière findet ihr hier.

Vielleicht haben gerade deswegen beide ihr Leben der Politik und vor allem auch der Wiedervereinigung gewidmet? Studiert haben sie Rechtswissenschaften. Eine gute Voraussetzung, um 1990 an den vielen Verträgen zu feilen, die für die Wiedervereinigung nötig waren.

Die ersten und letzten freien Wahlen der DDR


Aber vielleicht erst ein paar Schritte zurück in der Geschichte. Beide traten in jungen Jahren der CDU bei. Aber das hieß in Ost und West nicht das Gleiche. Während Thomas de Maizière 1972 Mitglied einer demokratischen, frei wählbaren Partei wurde, trat Lothar de Maizière 1956 einer sogenannten Blockpartei bei.


Lothar de Maizière mit Helmut Kohl auf
dem Wiedervereinigungsparteitag der
CDU. Foto:REGIERUNGonline/Stutterheim

Diese Parteien existierten neben der damals herrschenden kommunistischen Partei, der SED. Sie dienten aber eigentlich nur dazu, eine Demokratie vorzutäuschen, wirkliche Macht hatten sie nie. Als dann aber 1989 die Friedliche Revolution in der DDR begann, wurden sie auf einmal sehr wichtig: Denn das erste Mal in der Geschichte der DDR kündigten sich freie Wahlen an. Zu dieser Zeit war Lothar de Maizière Vorsitzender der DDR-CDU.

Gemeinsam mit den Oppositionsgruppen Demokratischer Aufbruch und Deutsche Soziale Union wurde ein Wahlbündnis geschlossen – die Allianz für Deutschland. Helmut Kohl stellte das Bündnis dann als den zukünftigen Partner seiner Partei vor.

Regierungsauftrag: Regierung abschaffen


Mit über 48 Prozent der Stimmen gewann das Bündnis am 18. März 1990 die erste freie Volkskammerwahl der DDR. Von da an war Lothar de Maizière Ministerpräsident der DDR. Aber nur für ein halbes Jahr. Denn seine Regierung hatte die ungewöhnlichste Aufgabe, die eine Regierung haben kann: Sich selbst abzuschaffen. Schließlich stand das Bündnis ja für die deutsche Einheit und so war es natürlich das Ziel, Ost- und Westdeutschland gemeinsam zu regieren.


Thomas de Maiziere, legt 1999 vor dem
Landtag in Dresden seinen Amtseid ab.
Foto: picture alliance/dpa/Schutt

Nach dieser Wahl kreuzten sich die Wege der Cousins Thomas und Lothar de Maizière dann auf dem politischen Parkett. Denn von nun an arbeiteten sie gemeinsam unermüdlich an der Ausarbeitung der Wiedervereinigungsbedingungen. Neben 96 Gesetzen wurden in dieser Zeit drei große Staatsverträge verabschiedet, die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, der Einigungsvertrag und der 2+4-Vertrag. Übrigens hat Thomas de Maizière seinem Cousin nach seinem Wahlsieg auch empfohlen, die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel als stellvertretende Regierungssprecherin in sein Team aufzunehmen.

Als es dann am 3. Oktober 1990 wirklich zur Wiedervereinigung kam, wurde Lothar de Maizière vom Ministerpräsidenten der DDR zum Bundesminister für besondere Aufgaben in der Bundesregierung des vereinigten Deutschland ernannt. 15 Jahre später – 2005 – trat sein Cousin in seine Fußstapfen. Auch er wurde Bundesminister für besondere Aufgaben. Seit war er 1999 er Chef der Sächsischen Staatskanzlei und bekleidete verschiedene Ministerämter in Sachsen. Seit 2009 ist er Bundesinnenminister.

Lothar de Maizière zog sich noch 1990 aus der Politik zurück und arbeitete wieder als Anwalt – mit Spezialisierung auf Fragen der Wiedervereinigung. Zu seinen damaligen Erwartungen an die Deutsche Einheit sagt Lothar de Maizière heute: „Die, die erfüllt wurden, kann man tagtäglich sehen. Allerdings habe ich geglaubt, dass sich der wirtschaftliche Angleichungsprozess schneller und billiger vollziehen würde.“ Neben seiner Anwaltstätigkeit wirkt er unter anderem noch heute beim Petersburger Dialog, in der Deutschen Gesellschaft und bei der Stiftung Denkmalschutz mit. Das Thema Deutsche Einheit bewegt ihn immer noch. Gerade hat er ein neues Buch geschrieben, der Titel: „Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen – Meine Geschichte der deutschen Einheit“.