Schnelligkeit gewinnt! Foto: Frank Grätz

Presseagenturen versorgen Zeitungen, Funk und Fernsehen mit ihrem „Rohstoff“, den Nachrichten. Schekker Autor Moritz hat einen Tag lang einem „Nachrichtenman“ über die Schulter geschaut.

Henning Otte, 37, frühstückt gerade als er mit geschärftem Blick Stuttgarter, und Süddeutsche Zeitung liest und sieht, was die Zeitungen aus seinen Meldungen gemacht haben. Otte ist stellvertretender Dienstchef des Landesdienstes Südwest der Deutschen Presse-Agentur und zuständig für die Politik im schwäbischen Ländle.


Henning Otte und ein Kollege in der Redaktion. Foto: Privat.

09:00 Uhr: Der Vater von zwei Kindern, Otte, betritt das helle Großraumbüro der dpa im 5. Stock, Königsstraße 18. Wer jetzt erwartet, dass dort das Chaos herrscht, denkt falsch. Alles läuft ruhig und gesittet ab, die Menschen wirken angespannt aber zugleich konzentriert. Auch wenn bereits Meldungen am laufenden Band geschrieben werden und das schon seit 7 Uhr früh. Alles beginnt mit dem Sichten der aktuellen Medienlage. Auf einem Tisch liegen Zeitungen aus, überall stehen große LCD-Monitore mit bunten Videotexten -man will ja nichts verpassen- und auf einem PC läuft sogar Twitter. Otte blickt in den Terminkalender der Deutschen Presse-Agenur. Der ist prall gefüllt, denn es gibt so gut wie keine Veranstaltung die dort nicht verzeichnet ist. Mails und Faxe von Parteien, Verbänden und Institutionen bilden weitere externe Quellen.

09:30 Uhr: Die erste Konferenz beginnt. Die 20 Redakteure des Büros treffen sich, im „Roten Salon“, darin ein großen knallrotes Ledersofa, auf dem schon viele Prominente gesessen haben: Themen werden verteilt, Prioritäten gesetzt. Danach geht’s los mit dem Texte schreiben. Bis zu 15 Texte schreibt Otte täglich und behandelt dabei mindestens zehn Themen. Das können neben Meldungen zu aktuellen Terminen oder unvorhersehbaren Ereignissen auch Texte sein, die auf die Initiative der einzelnen Redakteure zurückgehen. Portraits zu berühmten Geburtstagskindern oder Analysen zur aktuellen politischen Lage. „Warum zum Beispiel, hat die SPD so schlecht bei der Europawahl abgeschnitten?“, erklärt Otte, „Hier in Baden-Württemberg können wir viel initiativ machen, wir sind keine „Terminsklaven““.

„Wir wissen, dass sein Twitteraccount kein Fake ist.“


In einem seiner ruhigen Momente.
Foto: privat

Neben den den gewöhnlichen Quellen, hat jeder Redakteur ein breites Netz an Informanten. Wenn die anrufen und etwas Spannendes erzählen, kann das die ganze Organisation über den Haufen werfen. Hat man erst einmal einen solchen Anfangshinweis erhalten, fängt die Recherche an, dem Hinweis wird nachgegangen. „Es wurde über einen möglichen Parteiwechsel von Jörg Tauss, der dann zur Piratenpartei wechselte, spekuliert. Wir wissen, dass sein Twitteraccount kein Fake ist. Und tatsächlich er hatte getwittert …“, weiß Henning Otte zu berichten. Politiker und Referenten werden angerufen. Telefoniert wird sowieso ständig. Parteien werden um ihre Meinung gefragt, Hintergrundinformationen gesucht, alte Meldungen gelesen. Am Anfang steht die Eilmeldung. Die „pure“ Nachricht, erst in einer einzeiligen Kurzversion, später in fünf Zeilen. Doch bevor sie auf den elektronischen Nachrichtentickern der Redaktionen erscheinen, werden sie von einem weiteren Redakteur auf Rechtschreibung und inhaltliche Richtigkeit hin überprüft. Ohne die Vier-Augen-Kontrolle verlässt keine Meldung das Büro. Dabei muss jede Meldung äußert präzise, kurz und transparent sein. Die W-Fragen müssen geklärt sein und spätestens in der zweiten Zeile muss die Quelle auftauchen.

„Hintergründe werden immer wichtiger“

Später folgt dann noch ein 20-zeiliger Überblick, danach eine dreispaltige Zusammenfassung , bevor das Königswerk an der Reihe ist: Der Korrespondentenbericht, in dem Otte die jeweilige Lage analysiert und über die Hintergründe informiert.
Neben einer guten Allgemeinbildung muss jeder Nachrichtenredakteur neugierig und offen für alle Themen sein. Und natürlich den richtigen „Riecher“ haben. „News Judgement“ heißt das in der Agentur-Sprache. Man muss erkennen können, welche Nachricht wirklich Relevanz hat und welche nicht. Denn in Nachrichtenagenturen wird viel Adrenalin ausgestoßen, Nachricht folgt auf Nachricht. Es herrscht ein wahres Wettrennen, welche Agentur als erste eine Meldung verbreiten kann. Schnelligkeit ist ein Mehrwert. Vor allem in der Wirtschaft. Viel Zeit zum ein Einarbeiten bleibt nicht, eine schnelle Aufassungsgabe ist unabdingbar.

Traumberuf trotz Nachrichtensucht

„Man beobachtet das Mediengeschehen jederzeit, verpasst kein Thema, trifft sich mit interessanten Menschen, reist ab und zu und bekommt viel mit. Obwohl man zum „Nachrichten-Junkie“ mutiert und wenig Freizeit bleibt, es ist und bleibt ein absoluter Traumberuf“, schwärmt Henning Otte. Und nachdem er schon längst zu Hause ist -er hatte abends noch ein Journalistengespräch mit Ministerpräsident Günter Oettinger- kann er nach dem Heute-Journal den Nachrichtentag endlich beschließen. Die Stellung hält ein Nachtredakteur in Hamburg.

Neuen Kommentar schreiben

Lebensw__: