Benni beim Training. Foto: Constanze Hahn

Benedict trainiert in seiner Freizeit den Berliner Tischtennisnachwuchs. Von Freud und Leid des Trainerjobs erzählt er Schekker-Autorin Constanze.

Die Luft ist kalt und feucht in der kleinen Turnhalle. Rhythmisches Klacken erfüllt den Raum. An einer der vier aufgebauten Tischtennisplatten in der Mitte stehen ein junger Mann und ein Mädchen. Konzentriert schmettern sich die beiden kleine weiße oder orangefarbene Tischtennisbälle zu. Der dunkelhaarige junge Mann springt von links nach rechts und wieder zurück, geht in die Knie, weicht zurück, um dann mit ausgeholtem Arm den Schlag seiner Gegnerin zu parieren.

Bereits mit drei Jahren stand Benedict Wenzel erstmals an der Tischtennisplatte im Garten seiner Eltern. Seit 2004 spielt der heute 19-jährige Schüler Tischtennis im Verein, beim LSC Berlin.
Nach drei Jahren aktivem Spiel im Verein begann jedoch bei Benedict die Motivation nachzulassen. „Ich dachte mir dann vor einem Jahr, dass es vielleicht mal ganz spannend wäre, die Rollen zu tauschen und den Kleineren etwas beizubringen.“

Seitdem ist Benni zusammen mit einem Freund als Jugendtrainer tätig und spielt nur noch selten Turniere. „Schön ist immer, wenn ein Schüler ein tolles Spiel bei einem Turnier abliefert und genau das anwendet, was man ihm vorher beigebracht hat oder Eltern danach zu mir kommen und mich für die tolle Vorhand meines Schützlings loben.“, erzählt Benni begeistert. Darüber hinaus lässt allein das Gefühl von den Kindern gemocht zu werden und mit ihnen Spaß zu haben, sein Trainerherz höher schlagen.

Auch hier herrscht Disziplin

Die perfekte Welt gibt es aber auch im Trainer-Dasein nicht: Oft ist es nicht leicht, dreimal pro Woche mental fit zu sein, den eigenen Frust nicht an den Kindern auszulassen. Geschrien hat er aber noch nie, erzählt der junge Trainer überzeugt. Zudem muss Benni jedes Mal versuchen, den Spagat zwischen Kumpel-Beziehung und Trainer-Distanz zu schaffen, um die Disziplin bei den acht bis 14-Jährigen zu erhalten. Die ist oft gerade bei den kleinen Spielern ein Problem. Denn trotz pädagogischer Maßnahmen wie Liegestützen verfällt der Nachwuchs nicht selten darauf, sich mit den Bällen abzuschießen, anstatt ordentlich zu trainieren. Die strafenden Blicke und Worte der Trainer wirken dabei oft nur für kurze Zeit und sind spätestens beim nächsten Training wieder vergessen.

Ohne Motivation geht nichts

Inzwischen hat sich die Halle aufgeheizt. Neben dem Geräusch quietschender Turnschuhe und springender Bälle hört man Ausrufe der Verzweiflung oder enthusiastische Freudenschreie. Benni spielt seiner Schülerin Alina konsequent Bälle zu und hält sie an, bewusst auf ihre Rückhand zu achten. Gerade bei Alina, die zu den besten Spielerinnen Berlins gehört, sei es manchmal schwer, die Motivationsspritze zu geben, meint Benni nachdenklich. „Den einen Tag ist sie super motiviert“, erzählt er, „An einem anderen heult sie schon beim ersten Ballverlust. Da ist es schwer, das Mentale zu stärken.“

Vereinsgetratsche im Trainingslager

Um weitere Motivationsanreize zu schaffen, fahren die Jugendtrainer mit ihren Jugendlichen in Trainingslager. Neben dem straffen Training bieten solche Gelegenheiten auch die Möglichkeit, dass Trainer und Schüler sich persönlich, zum Beispiel beim genussvollem Eisessen, unterhalten können. Neben dem Vereinsgetratsche passiert es dabei nicht selten, dass die jungen Trainer von ihren kleinen Bewunderern auch über die aktuelle Liebesbeziehung oder andere private Details ausgequetscht werden.


Mit drei Jahren spielte Benni das erste
Mal Tischtennis.
Foto: Constanze Hahn

Das Stressigste am Trainerjob, gibt Benni zu, sei es zu den auswärtigen Turnieren im Berliner Umkreis zu fahren, um dort die Schüler zu unterstützen. Aber neben diesem – verschmerzbaren – Aufwand, kann der sympathische Berliner durch den Job auch viel für sein eigenes sportliches Können gewinnen. „Ich merke, dass ich mich durch das Beibringen von Techniken viel genauer auf die Ausführung einzelner Schläge konzentrieren muss. Wenn man vor den Kleinen steht, macht man die Bewegungen auch noch einmal und beginnt dadurch wieder viel bewusster und präziser zu spielen.“

Diesen neuen Input versucht Benni auch heute zu nutzen. An die Stelle von Alina ist Jens, ein älterer erfahrener Spieler, getreten. Beide Gegner liefern sich ein heftiges Match. In Bennis Augen blitzt der Ehrgeiz auf. Immer wieder versucht er, den großen Jens herauszufordern. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden. Jens ärgert sich, hadert mit seiner Tagesverfassung. Benni hingegen wagt athletische Saltos durch die Luft und grinst Jens verschmitzt an. Zum Schluss ist es jedoch Jens, der die Sätze gewinnt. Benni nimmt das gelassen, schließlich wird er auch in der kommenden Woche wieder in der feucht-kalten Turnhallenluft seinen Kiddies das Tischtennisspielen beibringen und die Möglichkeit zu einer Revanche mit Jens haben.

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