Auf dem roten Teppich zum Flug. Foto: Bundesregierung / Denzel

Bonusmeilenaffären, Flüge auf Staatskosten, umstrittene Wirtschaftsdelegationen – Auslandsreisen deutscher Politiker stehen meistens dann in den Schlagzeilen, wenn es Kritik hagelt. Dabei gehören die Flüge in den Regierungsmaschinen zum Alltag der Kanzlerin und ihrer Minister. Schekker-Autor Fabian liefert alle Informationen rund um das Thema Flugbereitschaft.

Die Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums ist Teil der Luftwaffe und regelt vor allem den Personal- und Materialtransport der Bundeswehr. Ihren Sitz hat die Flugbereitschaft am militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn. Viel bekannter als diese „graue Flotte“ ist hingegen die „weiße Flotte“. Sie dient der Abwicklung des Regierungs- und Staatsflugbetriebs – also der Reisen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren Ministern in den sogenannten Regierungsmaschinen.

Des weiteren dürfen der Bundespräsident, der Bundestags- sowie der Bundesratspräsident, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen und die Chefs der im Bundestag vertretenen Parteien die Flugbereitschaft in Anspruch nehmen. Sie dürfen die Flugbereitschaft aber nur dann nutzen, wenn die Reise nicht ebenso gut beispielsweise mit dem Auto oder der Bahn bewältigt werden kann.

Vom Konferenztisch unter die Dusche

Die „weiße Flotte“ umfasst neben drei Cougar AS-532 Hubschraubern für Kurzflüge zwei Airbus vom Typ A319 und seit Ende vergangenen Jahres vier Global 5000-Jets für Mittelstreckenflüge. Bei langen Auslandsreisen kommen seit 2011 zwei Airbus 340 namens „Konrad Adenauer“ und „Theodor Heuss“ zum Einsatz. Beide Maschinen können nonstop eine Strecke von bis zu 13.500 Kilometern fliegen, also zum Beispiel von Berlin nach Buenos Aires.

Alle Flugzeuge sind so ausgestattet, dass von dort aus die Regierungsgeschäfte erledigt werden können. So zählen neben einem Konferenztisch inklusive abhörsicherem Kommunikationssystem mit Telefon, Fax und W-Lan auch Schlafzimmer und Duschmöglichkeiten zum Interieur des VIP-Bereichs. Die Politiker und ihre Begleiter können so nach der Landung ausgeruht und gut vorbereitet zum Staatsempfang. „Das ist ein fliegendes Büro und Hotel zugleich“, bestätigt Oberstleutnant Holger Neumann die Bedeutung der Regierungsmaschinen. Er ist Sprecher des Verteidigungsministeriums für die Angelegenheiten der Luftwaffe.

Eine Regierungsmaschine wie der A340 bietet Platz für mehr als 140 Passagiere. Das Flugzeug ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt. So gibt es etwa einen Delegationsbereich und den VIP-Bereich mit den Büros der Politiker. Oftmals reisen mehrere Minister gemeinsam zu Auslandsterminen. Die Flüge werden von der Luftwaffe auf Antrag des Kanzleramtes oder der Ministerien organisiert und durchgeführt. Welche Maschine schließlich für die Reise eingesetzt wird, hängt vor allem von der Delegationsgröße und dem Zielflughafen ab.

Schutz und Sicherheit der Politiker

Zur Sicherheit vor Angriffen hat jedes Flugzeug Selbstschutzsysteme, eine Begleitung durch weitere Jets der Luftwaffe ist nicht vorgesehen. „Die Maschinen lassen sich auch für die medizinische Evakuierung von Schwerverletzten umrüsten“, erklärt Holger Neumann. Die Sonderflugzeuge dienen im Notfall auch als fliegende Intensivstation. Die Piloten der Regierungsmaschinen sind erfahrene Luftwaffenoffiziere und über ein Auswahlverfahren zu ihrem exklusiven und verantwortungsvollen Job gekommen. Sie sind speziell auf einen Flugzeugtyp zugelassen, einen persönlichen Piloten der Kanzlerin oder des Außenministers gibt es aber nicht.

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