Arbeiten bei Sonnenuntergang. Foto: Privat.

Vroni, 20, hat im letzten Jahr ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der “Schutzstation Wattenmeer” gemacht. Hier erzählt sie über ihr Arbeiten an der Nordsee und wie sie bei Sturmflut auf Gehwegen schwimmen konnte.

“Wenn ich über den Deich komme und den rot-weißen Leuchtturm mit den zwei Häusern rechts und links sehe, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es schon ein Jahr her ist, seit ich hier mein FÖJ angefangen habe.

Nach dem Abi war ich nicht sicher, ob ein Biostudium das Richtige für mich ist. Aber ich wollte mich auf jeden Fall für den Naturschutz engagieren. Ein FÖJ war die perfekte Lösung, um mich erst einmal zu orientieren.
Dieses Jahr sollte auf keinen Fall langweilig, sondern aufregend und voller Herausforderungen sein. Daher konnte ich mir auch zuerst gar nicht vorstellen, es hier am Wattenmeer zu verbringen. Das flache Land sah nun alles andere als spannend aus. Doch als ich zum Bewerbungsgespräch an den Leuchtturm geladen wurde, der so weit vor dem Deich lag, ungeschützt vor der Flut und der Witterung , entschied ich mich doch für die Stelle.

Leben mit der Natur


Vroni ist froh, ein FÖJ gemacht zu haben. Foto: Lena Schulz.

So zog ich im Juli mit FÖJlerin Lisa und Zivi Nils neben dem Leuchtturm ein. Unsere Vorgänger waren noch für einen Monat dort, so dass wir alles lernten, um als kleines Team den Alltag in einer Naturschutzstation zu meistern. Dieser fing offiziell morgens um 9 Uhr an, doch draußen vor dem Deich richtet sich der Ablauf eher nach Ebbe und Flut, nach dem Sonnenaufgang oder der Witterung. Daher fing der Arbeitstag oft etwas früher an oder ging bis spät in den Abend.
Die Arbeit war sehr vielfältig. Zu unseren Aufgaben gehörte alles – von Wattführungen für Touristen und Arbeit im Inforaum über Vogelzählungen und die Betreuung des Nationalparks bis hin zu Abrechnungen und Terminplanung. Wir wechselten uns mit den verschiedenen Tätigkeiten ab, so dass es nie eintönig wurde. Das Besondere an dieser Station war, dass wir meistens ohne Chef arbeiteten. Das Gefühl, vieles entscheiden zu können und selber Verantwortung zu tragen, war besonders motivierend.

Doch zum FÖJ am Turm gehörte nicht nur Arbeit, sondern auch das Leben in einer WG. Wir kamen gut miteinander aus, was wirklich wichtig war. Schließlich brauchten wir jeden einzelnen, um alles am Laufen zu halten. Wir kochten abends zusammen, spielten ein Spiel oder gingen noch mal raus auf die Sandbank.

Wandel im Watt

Im Sommer und Herbst veränderten sich Salzwiese und Watt praktisch wöchentlich. Am Turm war durch die vielen Touristen immer was los. Sogar einige Hochzeitspaare kamen, um hier zu heiraten.
Mit dem Winter kam die Ruhe. Nun konzentrierten wir uns mehr auf Vogelzählungen und naturwissenschaftliche Arbeiten. Das Watt fror zu und morgens konnte man den Nebel um die Warft, das ist der Hügel, auf dem Haus und Turm stehen, aufsteigen sehen. Bei einer Sturmflut kam das Meer nah an die Häuser heran. Für einige Stunden lebten wir wie auf einer Insel, durch das Meer abgeschnitten von Deich und Festland. Wir versuchten sogar, auf den überfluteten Wegen schwimmen zu gehen, doch war das Wasser viel zu kalt.
Mit dem Frühjahr kamen wieder die Touristen, Vögel zogen aus dem Süden heran, aber auch das Ende meines FÖJs kam immer schneller. Die letzten Monate flogen nur so dahin. Wir suchten unsere Nachfolger aus, die Anfang Juli bei uns einziehen sollten.

Ein perfektes Jahr!

Jetzt, wo die Zeit vorbei ist, denke ich, dass es ein perfektes Jahr war. Ich habe so viel erlebt und gelernt. Ich habe hier draußen gelebt und gearbeitet, habe ganz verschiedene Menschen getroffen und einiges über die Natur gelernt. Mein FÖJ war so vielfältig und spannend. Ich konnte mich für eine Sache einsetzen und mit anderen zusammen etwas ändern. Ich bin wirklich froh, dass ich es gemacht habe!”

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