Axel, 33, züchtet Puten. Dafür muss er auch schon mal nachts aufstehen. Trotzdem ist Landwirt sein Traumberuf. Für Schekker berichtet er davon.
„Hätte ich Kühe, müsste ich viel früher aufstehen. Denn die wollen pünktlich um sechs gemolken werden. Doch so beginnt mein Tag ziemlich gemütlich. Ich lasse mich vom Handy wecken, stehe zwischen sieben und acht auf, mache mir erst mal einen starken Kaffe und gehe dann in den Stall. Nachdem ich die Schweine gefüttert und bei den Puten vorbei geschaut habe, kann ich frühstücken und die Zeitung lesen. Dann beginnt die Arbeit auf dem Feld, sähen, pflügen, oder Maschinen reparieren. Meistens habe ich dann gegen 18 Uhr Feierabend.
40 Prozent meiner Arbeit mache ich im Büro, der Rest ist schon körperlich anstrengend. Mein Vater kümmert sich um die Schweine und ich mich um die 12.000 Puten. Sie sind sehr pflegeleicht, in unseren Natur-Offenställen leben etwa drei Puten auf einem Quadratmeter. 21 Wochen nach dem Schlüpfen verkaufe ich sie an eine Schlachterei. Die holt die Puten dann mit einem LKW ab.
Anstrengend aber interessant
Jetzt im Sommer steht auch die Strohernte an. Diese Saisonarbeit ist stressig, vor allem wenn das Wetter nicht mitspielt, aber sie macht auch Spaß. Und wenn die Küken schlüpfen, kann ich nicht durchschlafen. Dann stell ich mir den Wecker auf Mitternacht und kontrolliere alle drei Stunden, ob es Probleme gibt. Eine spezielle Arbeitskleidung habe ich dafür nicht, es muss eben praktisch sein. Eine Hose mit mehreren Taschen, Hemd und Pullover drüber.
Da ich auf dem Hof meiner Eltern groß geworden bin, kenne ich das Landleben von klein auf. „Na, du wirst doch auch mal Bauer, oder?“ – „Klar“ hab ich damals gesagt. Und als ich das erste Mal Trecker fahren durfte, war das schon toll. Als kleiner Junge dachte ich, als Bauer fährt man den ganzen Tag auf dem Trecker rum. Stimmt natürlich nicht. Aber ich bin auch nicht nur auf dem Hof. Alle zwei oder drei Tage gehe ich in Osnabrück ins Kino oder Theater und treffe mich mit Freunden. Man kann schon von der Landwirtschaft leben, aber man wird nicht reich damit. Ein Auto und Urlaub sind schon drin, aber Porsche und Swimmingpool hinterm Haus eher nicht.
Politik auf der Höheren Landbauschule
Nach der Realschule habe ich drei Jahre lang auf verschiedenen Höfen alles gelernt, was ein Landwirt wissen muss. Dann kam der Zivildienst, zwei Jahre auf der Höheren Landbauschule und dann der Abschluss als Meister. An der Höheren Landbauschule hatten wir Tier-, Boden-, Pflanzenkunde, aber auch Politik, Deutsch oder Chemie.
Als ich Anfang zwanzig war, habe ich überlegt, Ökobauer zu werden. Aber davon kann man nicht leben, wenn man seine Produkte nicht selbst verkauft. Die großen Ketten verdienen daran viel mehr als der Bauer. Damals wurde ich für meine Entscheidung, Landwirt zu werden, schief angeguckt. Mittlerweile beneiden mich viele, weil ich selbstständig arbeiten kann.
Landwirt ist für mich ein Traumberuf. Ich kann den ganzen Tag draußen sein und niemand schaut mir ständig auf die Finger. Dieses Jahr habe ich einen halben Hektar Sonnenblumen gepflanzt, einfach aus Spaß. Ich weiß noch nicht was ich mit den Körnern mache, aber das blühende Feld sieht auf jeden Fall schön aus.“


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