Eine offene Hand zeigt Getreidekörner
Die Vereinten Nationen bekämpfen Hunger und Armut in der Welt. Foto: Kris, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)

  Zu Beginn des neuen Jahrtausends beschlossen die Vereinten Nationen, die dringlichsten Herausforderungen auf der Welt anzugehen: Hunger, Armut und die Chance auf Bildung. Bis 2015 sollten die sogenannten Milleniumsziele erreicht werden, diesen September läuft die Kampagne aus. Was wurde bisher erreicht und was nicht? Schekker-Autor Okan bringt euch auf den Stand.

Im September 2000 haben die damals 189 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen die „Milleniumserklärung“ verabschiedetet. Ein Teil davon waren die acht sogenannten Millenium-Entwicklungsziele (Millenium Development Goals, MDG): Verbindliche Vorgaben, mit denen die drängendsten Probleme der Erde bis 2015 angegangen werden sollten.

Im Zentrum stand dabei das Ziel, die extreme Armut bis 2015 zu halbieren. Die acht MDG sind grob gesagt: (1) Halbierung der extremen Armut und des Hungers; (2) Grundschulbildung für alle Kinder; (3) Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Stellung der Frau; (4) Senkung der Kindersterblichkeit; (5) Verbesserung der Gesundheit von Müttern; (6) Bekämpfung von Krankheiten wie HIV/Aids und Malaria; (7) mehr Rücksicht der Politik auf die Umwelt sowie (8) der Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft.

Beim letzten Punkt geht es darum, dass Industrie- und Entwicklungsländer verantwortungsvoll und gerecht zusammenarbeiten sollen, um Armut gemeinsam zu bekämpfen. Die Hauptziele wurden in circa 50 konkrete Unterziele gegliedert, die statistisch messbar und damit überprüfbar sein sollten. Die Vereinten Nationen überwachen die Umsetzung der Ziele.

Werden die Ziele erreicht?

Als 2000 die Milleniumsziele beschlossen wurden, einigten sich die Staaten auf das Jahr 1990 als Bezugspunkt für die spätere Überprüfung. Im Vergleich zu dieser Zeit sind einige Erfolge zu vermelden, wenn auch viele der Ziele nicht oder nicht ganz erreicht werden. Beispielsweise lebt bereits seit 2010 weniger als die Hälfte der Menschen in extremer Armut. Ein Unterziel, das ebenfalls erreicht wird, ist der Zugang zu einer verbesserten Trinkwasserversorgung.


Trotz erster Erfolge gibt es noch sehr viel Armut auf der Welt. Foto: Luis Felipe Salas, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-NC-ND 2.0)

Beim Thema Hunger hingegen wird die 50%-Marke wohl knapp verfehlt werden. Die Kindersterblichkeit bei unter Fünfjährigen sollte um zwei Drittel verringert werden, hier wird wohl „nur“ eine Halbierung erreicht. Des Weiteren ist beim Thema Klimaschutz ein eindeutiges Scheitern festzustellen: Allein von 1990 bis 2011 ist der schädliche Kohlenstoffdioxid-Ausstoß um gut 50% gestiegen!

Was macht Deutschland?

Deutschland als eines der wohlhabendsten Länder der Erde versucht, durch sogenannte Entwicklungszusammenarbeit mit ärmeren Staaten seinen Beitrag zum Erreichen der Milleniumsziele zu leisten. Politisch ist dafür vor allem das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zuständig. 2012 gab das BMZ zum Beispiel über sechs Milliarden Euro für unterstützende Leistungen aus. Insgesamt war die finanzielle Unterstützung im Jahr 2013 laut den Vereinten Nationen höher als jemals zuvor.

Es gibt auch Kritik

Der Politikwissenschaftler Uwe Holtz beispielsweise bemängelt, dass die Milleniumsziele keinen vollständigen Lösungsansatz für wenig entwickelte Länder böten. „Unerlässliche Elemente“ wie Demokratie und Frieden seien in den MDG nicht berücksichtigt worden. Dabei seien die Beachtung von Menschenrechten und gutes Regierungshandeln wichtige Voraussetzungen dafür, dass Armut effektiv bekämpft werden kann. Zudem würde auch eine weitere Armutsursache ignoriert werden: soziale Ungleichheit.

Der dänische Politikwissenschaftler Björn Lomborg wiederum kritisiert, dass es in vielen Entwicklungsländern nur wenig Daten zur Überprüfung der MDG gibt. Die meisten Informationen würden auf Schätzungen und Vorhersagen beruhen, weshalb ihre Qualität, so Lomberg, fragwürdig sei.

Wie geht es weiter?

Auf einem „Entwicklungsgipfel“ werden Staats- und Regierungschefs im Herbst darüber beraten, wie es weitergehen soll. Ziel ist eine sogenannte „Post-2015-Agenda“: Man will sich auf „nachhaltige Entwicklungsziele“ (Sustainable Development Goals, SDG) für die nächsten 15 Jahre einigen. Dahinter steckt die Absicht, die Entwicklungszusammenarbeit stärker mit Umwelt- und Klimaschutzfragen zu verknüpfen.


Das Gebäude der Vereinten Nationen in New York. Foto: oriol04, Flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-NC-SA 2.0)

Schwellenländern wie Brasilien und Indien wird bei den neuen Nachhaltigkeitszielen eine entscheidende Rolle zukommen. Bisher wurden die MDG häufig als Entwicklungshilfe der reichen Industrieländer für die armen Entwicklungsländer gesehen. Werden nun Schwellenländer stärker einbezogen, so könnte dies den Weg zu sogenannter Global Governance ebnen. Darunter versteht man, so die Bundeszentrale für politische Bildung, einen „internationalen Rahmen von Prinzipien, Regeln und Gesetzen – inklusive einer Reihe von Institutionen um diese aufrechterhalten -, die notwendig sind, um globale Probleme zu bewältigen.“ Punkte wie die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit werden in den neuen Zielen wohl nicht mehr als eigenständige Punkte auftauchen , die SDG sollen das Thema Entwicklung umfassender angehen. Um die Qualität der Datenmessung künftig zu verbessern, gibt es seit Herbst 2014 eine UN-Beratergruppe, in der Wissenschaftler an besseren statistischen Methoden arbeiten.

In ihrem Podcast vom 24.01.2015 äußert sich Bundeskanzlerin Merkel zur Umsetzung der UN-Milleniumsziele und zu den Anschlusszielen bis 2030. Weitere Infos zu den Milleniumszielen gibt es auch auf den Seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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