Mit dem milliardenschweren Bauprojekt „Desertec“, das in Nordafrika geplant ist, soll Europa umweltschonend mit Solar- und Windenergie versorgt werden. Was genau steckt eigentlich hinter Desertec? Dieser Frage ist Schekker-Autorin Ricki nachgegangen.
Es ist ein Projekt, von dem Wissenschaftler schon lange träumten: Mitten in der Sahara sollen riesige Solarkraftwerke entstehen und Nordafrika und Europa mit Strom beliefern. Sie wären ein Zeichen: Die Zeit des Öls als wichtigste Energiequelle ist vorbei!
2014 soll mit dem Bau in Tunesien begonnen werden. Da trifft es sich gut, dass 2022 in Deutschland die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen und Strom aus erneuerbaren Energien den Atomstrom ersetzen soll. Bis 2050 sollen damit in Europa etwa 15 bis 20 Prozent des Strombedarfes gedeckt werden. Die 400 Milliarden Euro, die das Projekt kosten soll, scheinen da gut investiert.
Die Idee zu Desertec entwickelte 2003 bis 2007 ein Netzwerk von Politikern, Wissenschaftlern und Ökonomen. Zwei Jahre später gründete sich die Desertec-Foundation, um dafür zu sorgen, dass das Projekt nicht schon vor seinem Start versandet. Sie versteht sich ganz bewusst als “Non-Profit”-Organisation und hält auch die Rechte an dem Markennamen.
Neuer Schwung durch hohe Strompreise
Die industrielle Umsetzung übernahmen rund 20 Großunternehmen, die sich 2009 zu einem Konsortium namens „Dii GmbH“ (Desertec Industrial Initiative) zusammenschlossen. Nach der anfänglichen Euphorie war es zuletzt etwas ruhiger um das Projekt geworden. Der Atomausstieg und die steigenden Strompreise lassen es jetzt aber wieder an Fahrt gewinnen.
In Marokko sollen die ersten kleinen Wind- und Solaranlagen gebaut werden und ab 2014 Strom liefern. Foto: Green Prophet1 / www.flickr.com, CC-Lizenz (by)
Technisch scheint Desertec machbar: Die Leitungen, die benötigt werden, sind bereits bei der Stromversorgung von Bohrinseln im Einsatz. Auch die Kraftwerke selbst gibt es schon seit mehreren Jahren, zum Beispiel in den USA und Spanien.
„Wir haben kostengünstige, unerschöpfliche Potenziale zur Erzeugung von Energie in der Wüste“, wirbt Dii-Geschäftsführerin Aglaia Wieland für das Projekt. In Marokko sollen demnächst die ersten beiden kleinen Wind- und Sonnenkraftwerke gebaut werden und von 2014 an Strom liefern. Das Land besitzt keine Gas- oder Kohlevorkommen, hat also ein großes Eigeninteresse an erneuerbaren Energien. Ein weiterer Vorteil: Es gibt bereits ein Tiefseekabel, das direkt nach Spanien führt.
Gefahr durch Wüstenstürme?
Diese Pilot-Kraftwerke sollen zusammen eine Leistung von rund 250 Megawatt erbringen. Damit sich die Anlagen aber wirtschaftlich lohnen, müssen sie Schätzungen zufolge aber eine Kapazität haben, die vier Mal so groß ist.
Gegner des Projekts befürchten, dass Wüstenstürme die Anlagen zerstören könnten. Allerdings stehen ähnliche Solarkraftwerke schon seit mehr als 20 Jahren ohne größere Schäden z.B. in der Mojave-Wüste und in Andalusien.
„Aber bei uns scheint doch auch öfters die Sonne, warum brauchen wir da Strom aus der Wüste?“, mag man sich fragen. Schlicht und einfach deshalb, weil in Nordafrika die Sonne nicht nur fast doppelt so häufig wie in Mitteleuropa scheint, sondern auch drei Mal stärker. Der Strom aus der Wüste soll Berechnungen zufolge dann auch billiger sein als der heimische.



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