Ein Lan-Kabel wird eingesteckt
Internet jederzeit und überall: Das ist das Ziel des Breitbandausbaus. Foto: photosteve101, Flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)

  Langsames Internet ist nicht nur nervig, es schadet auch der Wirtschaft. In Deutschland soll die Verfügbarkeit von Highspeed-Internet bis 2018 flächendeckend durch Breitbandanschlüsse ermöglicht werden. Schekker-Autorin Polina hat nachgeforscht, wie nah wir diesem Ziel derzeit sind.

„Wenn du jemanden wirklich kennenlernen willst, lass ihn oder sie einen Computer mit langsamen Internet benutzen.“ Diese Weisheit bringt uns nicht nur zum Schmunzeln, sondern erinnert auch an nervenzerreißende Stunden bei Verwandten auf dem Land. Allein die Startseite von Google braucht hier ewig – an Internetspiele und Videos ist gar nicht erst zu denken. Das soll sich bis 2018 ändern: Auch in abgelegenen Dörfern soll es dann schnelles Internet in Form von Hochleistungsanschlüssen mit Bandbreiten von mindestens 50 Mbit pro Sekunde geben.

Eine immer wichtigere Rolle für Unternehmen und Bürger spielt der schnelle Informations- und Wissensaustausch, der auch mit einer hohen Lebensqualität verbunden wird. Wohlstand, mehr Beschäftigung und wirtschaftliches Wachstum sollen mit dem flächendeckenden Breitbandausbau einhergehen, so das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das bei dem Projekt federführend ist. Durch schnelles Internet eröffnen sich neue Perspektiven in der Gestaltung von Freizeit und Arbeitsleben. Das ist wichtig, gerade auch für ländliche Kommunen und Regionen. Denn so kann der Breitbandausbau auch dazu beitragen, dass weniger Menschen vom Land in die Städte abwandern.

Maßnahmen und Technologien

Doch wie geht der Breitbandausbau vonstatten? Bei Tiefbaumaßnahmen der Verkehrsinfrastruktur (also beispielsweise dem Aus- und Neubau von Autobahnen, Fahrradwegen oder Straßen) sollen mithilfe von Leerrohren und Glasfasern die Hochgeschwindigkeitsnetze gleich mit ausgebaut werden. Diese Maßnahmen werden voraussichtlich den größten Kostenblock auf dem Weg zum Breitband-Ziel ausmachen. Für das Einführen der Glasfasern in Gebäude werden bestehende Anschlussleitungen für Gas oder Wasser genutzt. Kostenintensivere Baumaßnahmen, wie beispielsweise Schachtarbeiten am Haus, können so vermieden werden.

Zum Einsatz kommen dabei unterschiedliche Technologien, die, angepasst an die lokalen Gegebenheiten, den schnellen und qualitativen Ausbau der Breitbandinfrastruktur ermöglichen sollen. Mit DSL- und Kabelzugängen, Funkübertragungen und neuen Mobilfunkstandards werden alle technischen Register gezogen, um eine zuverlässige Breitbandversorgung zu gewährleisten. Insgesamt werden sich die Kosten für den Ausbau auf circa 30 Milliarden Euro belaufen. Wo sich der Ausbau für die Telekommunikationsanbieter wirtschaftlich nicht lohnt, soll es eine Förderung durch Bundes-, Landes- oder auch EU-Mittel geben. Diese können zum Beispiel durch die KfW-Bankengruppe, einige Förderbanken der Länder sowie die Europäische Investitionsbank bereitgestellt werden.

Auf gutem Weg

Dass der Beschluss zum Breitbandausbau seine lebensweltliche und wirtschaftliche Berechtigung hat, liegt auf der Hand. Schaut man sich den Breitbandatlas auf www.zukunft-breitband.de an, in dem Daten von circa 300 Telekommunikationsanbietern zusammengefasst sind, sieht man sofort die grauen Flecken in den neuen Bundesländern: Hier ist das schnelle Internet in nicht einmal der Hälfte der Haushalte verfügbar.


Im Internet surfen wir alle gern – blöd nur, wenn wir kein Netz zu empfangen ist. Foto: Mr. Theklan, Flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0)

Deutschland steht heute im europäischen Vergleich allerdings schon deutlich besser da als noch vor einigen Jahren und belegt beispielsweise bei der Breitband-Versorgung mit mindestens 30 Mbit pro Sekunde den vierten Platz nach den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark. Bei der Anzahl der Haushalte mit WLAN ist Deutschland nach Großbritannien sogar auf dem zweiten Platz. Um diese Tendenz aufrechtzuerhalten, wird die Bundesregierung von dem Ende 2010 eingerichteten Breitbandbüro des Bundes (BBB) bei der Umsetzung ihrer Ziele unterstützt. Das BBB organisiert Länderworkshops mit den zuständigen Landesbehörden und Mitarbeitern der Kompetenzzentren. In diesem Rahmen werden Erfahrungen und Wissen ausgetauscht, um dem Ziel des Breitbandausbaus näher zu kommen. Außerdem bietet das BBB Seminare und Qualifizierungsmaßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen (beispielsweise Mitarbeiter von Behörden oder Bauamtsleiter). Auf der technischen Ebene betreut das BBB Förderanträge für die Verlegung von Leerrohren, für die Beihilfen aus öffentlichen Mitteln beantragt werden können.

In ganz Deutschland haben heute fast 65 Prozent Zugang zu Breitbandanschlüssen. Auch wenn das einer Zuwachsrate von 30 Prozent seit Ende 2013 entspricht, ist vor allem in den ländlichen Regionen noch viel zu tun – hier hat nur ein Fünftel der Haushalte schnelles Internet. Insgesamt gibt es aber eine klar positive Tendenz und seit 2010 fast 10 Millionen neu angeschlossene Haushalte.

Auf www.zukunft-breitband.de könnt ihr nicht nur den Breitbandatlas abrufen und deutschlandweit die Verfügbarkeit von schnellem und/oder drahtlosem Internet prüfen, sondern auch mehr über Breitbandtechnologien wie DSL, LTE oder Satellit erfahren.