
Internet gibt es für einen breiteren Teil der Bevölkerung ca. seit Mitte der 1990 Jahre. Wir Jüngeren sind damit völlig selbstverständlich aufgewachsen. Jeder von uns kennt aber bestimmt einen älteren Menschen im Verwandten- oder Bekanntenkreis, der denkt: „Dieses Internet scheint ganz interessant zu sein, aber ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll!“ Doch was können ältere Menschen unternehmen, die noch unerfahren sind, aber gerne ins Internet wollen? Welche Angebote gibt es für sie? Und wie können wir Jüngeren ihnen dabei helfen?
Wieder die Schulbank drücken
Die erste Adresse für internetinteressierte Senioren sind spezielle Einführungskurse, die von öffentlichen wie privaten Trägern angeboten werden. Das Ganze ist ähnlich wie in Schule oder Uni aufgebaut, nur dass in diesem Fall die Jüngeren die Älteren unterrichten.
Das Düsseldorfer PIKSL-Labor zum Beispiel, hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass jeder, der will, Zugang zum Internet bekommen soll. Für das technische Know-how bietet das PIKSL-Labor regelmäßig Kurse an, in denen ältere Menschen lernen können, wie ein Computer funktioniert, wie sie E-Mails schreiben, ihre Urlaubsfotos bearbeiten oder mit ihren Enkeln über Skype telefonieren können.
Auch in den Schulen selbst werden Schüler zu Lehrern. In der Oberschule Bockhorn in Niedersachsen beispielsweise geben Zehntklässler Senioren Nachhilfeunterricht am PC. Der Kurs ist sehr erfolgreich – er wurde dieses Jahr schon zum dritten Mal angeboten. Jeder Teilnehmer wird von einem Schüler betreut. Die Senioren können selbst entscheiden, was die Schüler ihnen erklären sollen. Und so lernen sie zum Beispiel, wie man Mails schreibt, im Internet einkauft, Google Maps benutzt oder Geräte miteinander verbindet.
Tablets werden auch bei Senioren immer beliebter. Foto: Stanislav Jermar, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)
Neue Geräte, neue Zielgruppen
Viele internetunerfahrene ältere Menschen haben Tablets schon bei ihren Kinder oder Enkeln gesehen und versuchen mit einem solchen Gerät ins Technikzeitalter einzusteigen. Und das ist keine schlechte Idee: Tablets erleichtern älteren Menschen den Einstieg ins Internet, da viele Funktionen selbsterklärend sind. Eine besondere Bedeutung kommt der Touchscreen-Oberfläche zu. Texte und Bilder lassen sich dadurch zum Beispiel schnell und einfach vergrößern. Ein Tablet kann überall genutzt werden, was Leuten entgegen kommt, die sich nur eingeschränkt bewegen können. Es bietet viele Funktionen auf einmal und braucht nicht viel Zubehör, was die Nutzung erleichtert.
Es gibt mittlerweile auch Modelle speziell für Senioren, die eine noch größere Bildschirmdiagonale haben. Die Firma exelonix aus Dresden hat für das Samsung Galaxy Tab 4 eine Software namens „asina“ entwickelt, die es älteren Menschen erleichtern soll, ein Tablet zu benutzen. Die Oberfläche lässt sich ganz leicht so einrichten, wie der Nutzer es wünscht. Die Anwendungen werden mit großen Kacheln angezeigt und erleichtern die Bedienbarkeit. Wenn man irgendetwas nicht versteht, kann man sich direkt via Cloud mit dem asina-Kundenservice oder Verwandten in Verbindung setzen.
Auf Tablets, die speziell für ältere Menschen entworfen werden, gibt es häufig Notruf-Apps, die durch ein einfaches Fingertippen eine vorher eingespeicherte Notrufnummer wählen. Diese Tablets weisen ihre Nutzer auch auf die Medikamenteneinnahme und das Wetter hin. Das asina-Tablet verfügt zum Beispiel über eine spezielle „Medikamenten-App“, in der man notieren kann, was man wann nehmen muss und wie oft.
Apps können in Zukunft die regelmäßige Einnahme von Medikamenten steuern. Foto: Bernd Kaspar, pixelio.de
Blick in die digitale Zukunft
Es sind noch viele weitere Nutzungen von PCs und Tablets durch und für Ältere denkbar. Was ist zum Beispiel mit denjenigen, die nicht länger allein leben können und auf fremde Hilfe von Verwandten oder Einrichtungen angewiesen sind? In Altenheimen wird das Internet bislang häufig nur von der Verwaltung eingesetzt – das sollte sich ändern. Hier sind dank Tablets und Apps noch ganz andere Verwendungszwecke möglich. Man denke nur an den spielerischen Einsatz von Applications, um die kognitiven Fähigkeiten zu trainieren.
Es liegt auch in unserer Verantwortung, dass wir unseren älteren Mitmenschen den Umgang mit dem Internet nahebringen. Wir sind mit dem Internet großgeworden und können dieses Wissen weitergeben. Und Computerkurse wie der in der Oberschule Bockhorn bringen auch uns Jüngeren etwas: Wir erkennen, dass wir etwas wissen und anderen damit helfen können – ein großer Schub fürs Selbstbewusstsein.




