Ohne Kreativität läuft bei Manja Simon gar nichts: Als selbstständige Webdesignerin entwirft sie Art-Designs und übernimmt in ihrem Job alle Aufgaben selbst: Kunden anwerben und beraten, Werbekonzepte entwerfen, Grafiken und Webseiten gestalten. Wobei das noch zu ihren leichteren Aufgabenfeldern gehört. Die Buchhaltung macht sie zum Beispiel weniger gern. „Dafür, dass ich meinen Traumberuf als eigene Chefin ausleben kann, kämpfe ich mich aber auch gerne durch Rechnungen und Belege“, sagt sie.
Manjas Werdegang ist eher unkonventionell – eine klassische Ausbildung zum Webdesigner gab es lange nicht. Stattdessen hat sie nach dem Abitur eine Ausbildung zur Verlagskauffrau gemacht, Wirtschaftswissenschaften studiert und drei Jahre lang in der Marketing- und Vertriebsabteilung eines Verlages gearbeitet. „Irgendwann musste ich da aber einfach mal raus“ berichtet die 36-Jährige. Der Job habe zwar Spaß gemacht, doch sie brauchte neue Herausforderungen. Zusammen mit ihrem Freund machte sie eine Weltreise und beschloss: Ich mache mich selbstständig.
Freiheit und Disziplin
Seitdem hat sie keinen Nine-to-Five-Job, sondern arbeitet täglich, „bis ich alles geschafft habe“. Je nach Auftragslage können das sechs Stunden am Tag oder auch mal eine angehängte Nachtschicht sein. „Wie das so ist“, lacht Manja, „meistens kommt dann doch alles auf einmal“. Das Praktische: Ihr Büro befindet sich in ihrer Wohnung. Zwischen Schlafzimmer und Bad stehen Fachbücher im Regal. Ihre Projekte hängen als Skizzen und Muster an der Wand.

Die schnöde Theorie des Webdesigns muss auch erlernt sein. Foto: André Luís, Flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)
„Ich habe die Freiheit, auch mal joggen zu gehen oder die Wäsche zu machen, muss ansonsten aber auch unglaublich diszipliniert sein“, meint Manja. Sonst würde sie schließlich nicht rechtzeitig zum Kundentermin fertig werden. Das sei für sie aber selten ein Problem. Die Deadlines setzte sie realistisch. „Ich mag meinen Job“, lacht sie.
Eine unkonventionelle Ausbildung
Ganz besonders schätze sie die Abwechslung, „kein Tag ist gleich“, und die vielen Herausforderungen: „Als Webdesignerin hat man nie ausgelernt – ich muss mich ständig weiterbilden.“ Der Grund: Das Internet entwickelt sich rasant weiter und mit ihm Designs, Webseiten und Inhalte.
Den Umgang mit Photoshop, InDesign und verschiedenen Content-Management-Systemen, mit denen Websites verwaltet werden, hat Manja sich selbst beigebracht – ebenso wie das Programmieren: „Mit YouTube-Tutorials, Büchern und ganz viel Ehrgeiz.“
Letzteren musste sie vor allem auch beweisen, als sie in ihrem Traumberuf durchstarten wollte: „Mich kannte ja niemand – also habe ich Klinken geputzt.“ Vor allem bei der Akquise ihrer ersten Kunden brauchte sie eine hohe Frustrationstoleranz. Dann nahmen die Dinge einfach ihren Lauf. Manja ist stolz auf das, was sie erreicht hat: „Gute Arbeit ist die beste Werbung“, meint sie. Nun kommen interessierte Unternehmen auf sie zu.
Mittlerweile gibt es auch Ausbildungsgänge für diesen Beruf. „Viele meiner Kollegen sind Quereinsteiger und Autodidakten wie ich“, erzählt Manja. Wer direkt nach dem Schulabschluss durchstarten möchte, macht heute häufig eine dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter oder wählt einen Design-Studiengang und hängt dann die Weiterbildung für Webdesign dran. „Am wichtigsten ist dabei immer, dass man motiviert ist und sich auch eigenständig mit dem Stoff auseinandersetzt“, so Manja. Ob sie damals lieber eine Ausbildung gemacht hätte? „Vielleicht – aber so hat es ja auch geklappt“, sagt sie lächelnd.

Manja Simon in ihrem Büro – gleich daheim. Foto: Laura Konieczny
Rundumservice und Spezialisten
Als Webdesignerin bietet sie Firmen einen „Rundumservice“ an. In Beratungs- und Planungstreffen werden Werbekonzepte und Designs entworfen – fürs Internet und auch für die analoge Welt. Manja setzt diese dann um: am Computer, für Internetseiten, Flyer, Stempel und andere Werbeprodukte. Dann trifft sie sich wieder mit dem Kunden und stellt ihre Arbeit vor. „Einige sind gleich begeistert – für manche musste ich das Design auch schon drei, viel Mal überarbeiten, weil sie es sich vorher nicht richtig vorstellen konnten.“ Dann heißt es: lächeln und weitermachen. Designen ist schließlich Manjas Job – und sie macht ihn gern.
Genau deshalb möchte sie auch nichts daran ändern. Ihr Zukunftswunsch: „Meine Agentur soll weiterhin so gut laufen, dass ich arbeiten kann wie bisher.“ Die 36-Jährige ist gern ihre eigene Chefin und für alle Aufgaben selbst zuständig. „In größeren Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern übernimmt ein Webdesigner aber häufig auch nur eine meiner Aufgaben.“
Eines habe ihr Job sie gelehrt: „Mit Kreativität, Ehrgeiz und Disziplin kommt man immer weiter.“






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