Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, zog Xiumei 2005 nach Deutschland. Heute spricht sie die Sprache fließend. Foto: Privat

Schon mal eine Bedienungsanleitung in der Hand gehabt oder gerade den neuesten internationalen Bestseller gelesen? Das sind alles Arbeiten eines Übersetzers. Dass der Beruf mehr ist als nur Wörterbücher zu wälzen und wieso so manches Tattoo totaler Nonsens ist, verriet die Übersetzerin Xiumei Schekker-Autorin Sabine.

Nur die wenigsten von uns können mehr als eine Hand voll Fremdsprachen verstehen – müssen wir auch gar nicht, denn dafür gibt’s den Beruf des Übersetzers. Übersetzer sorgen dafür, dass wir fremdsprachige Texte in unserer Muttersprache lesen können. Anders als Dolmetscher ist ihr Arbeitsbereich aber nur das geschriebene, nicht das gesprochene Wort.

So angestaubt die Berufsbezeichnung auch klingen mag, der Job boomt im Zeichen der Globalisierung geradezu: Zwischen 2003 und 2010 verdoppelte sich der Bedarf in Wirtschaft und Wissenschaft. Gesucht werden häufig exotische Sprachen wie Chinesisch, Japanisch oder Russisch. Doch der Weg zum Traumberuf Übersetzer steckt voller Tücken: Die Berufsbezeichnung ist in Deutschland nicht geschützt, es gibt keine einheitlichen Ausbildungswege und auch keine festen Tarifverträge.

Auf Umwegen zum Übersetzen

Xiumei, 38 Jahre alt, gebürtige Chinesin, hat es trotzdem geschafft. Ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können, zog sie 2005 mit ihrem deutschen Ehemann von China nach Deutschland und lebt seitdem in Nürnberg. „Ich hatte schon immer ein Herz für fremde Sprachen, das hat mich nie losgelassen“, erzählt sie. Xiumei ist nämlich nicht den heutzutage typischen Weg gegangen und hat Translation studiert. Stattdessen hat sie in China ein Bauingenieursstudium absolviert und anschließend bei der chinesischen Bahn gearbeitet.

Mehr Infos über das Berufsbild und die konkreten Ausbildungsmöglichkeiten findet ihr:
– beim Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ)
– bei der Bundesagentur für Arbeit über die Ausbildung an Unis und an Berufsschulen
– oder auf den Seiten der Unis selbst, beispielsweise der Uni Heidelberg

Dann entschied sie sich aber, neue Wege zu gehen. Sie studierte Englisch und begann als freie Übersetzerin vom Chinesischen ins Englische zu übersetzen. So lernte sie auch ihren Mann kennen, der für sie Ansprechpartner bei einem Übersetzungsprojekt war. Als sie mit ihm nach Deutschland zog, wollte sie unbedingt die Sprache beherrschen: „Innerhalb von drei Jahren habe ich dann an der Fachakademie für Übersetzer in München Deutsch gelernt.“ Anschließend unterzog sie sich erfolgreich der staatlichen Prüfung zur Übersetzerin – die ist nämlich Voraussetzung, um in der Branche auch ernst genommen zu werden, eben weil es keine einheitlichen Ausbildungswege gibt.

Übersetzen ist mehr als das Beherrschen von Vokabular

Dass Übersetzer gerade so gefragt sind, ist für Xiumei, die als junge Mutter selbstständig von zu Hause aus arbeitet, keine Überraschung: „Ich habe oft Kunden aus der Wirtschaft, die ihre Homepage auch auf Chinesisch haben wollen, da der Exportmarkt gerade hier sehr schnell wächst.“ Alltag sind aber eher andere Aufgaben: Das Übersetzen von Gebrauchsanweisungen, Packungsbeilagen oder einzelner Kundenangebote von Agenturen.


Ein Herz für fremde Sprachen: Nach einem Studium zur Bauingenieurin in China hat Xiumei Job und Land gewechselt. Foto: Privat

Wie jeder Übersetzer hat auch sie sich ihre Spezialgebiete herausgesucht, nämlich Recht, Wirtschaft und Pharmazie – denn zum Übersetzen reicht es nicht nur, das Vokabular zu beherrschen. Auch Fachwissen über die Kultur und Geschichte sind beispielsweise nötig. Nur so gelingt es, einen stimmigen Text zu erhalten. Das unterscheidet dann auch die guten von den weniger guten Übersetzern: Viele Laienübersetzer übertragen nur Wörter. Und Begabung sollte man haben: „Talent spielt gerade bei Sprachen auch eine wichtige Rolle“, findet Xiumei. Viele deutsche Studenten sind zu Beginn mit einer Sprache wie Chinesisch vielleicht überfordert, weil es unendliche viele neue Sprachzeichen zu lernen gibt. Diese Schwierigkeiten hat Xiumei als Muttersprachlerin natürlich nicht.

Obwohl sie neben Chinesisch und Englisch mittlerweile auch Deutsch fließend spricht – ein Sprachen-Wirrwarr hat sie nicht im Kopf. Am Anfang war es für sie zwar schwierig, einzelne Wörter neu zu erlernen. Mit der Zeit gab sich das aber, auch wenn sie weiterhin in ihrer Muttersprache denkt.

Vom Glück zum Idioten

Auch wenn immer mehr Kunden die Dienste von Übersetzern in Anspruch nehmen, sollten es noch einige mehr sein. Zum Beispiel Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich tätowieren und ein chinesisches Schriftzeichen stechen lassen: „Das soll dann etwas wie ‚Glück‘ bedeuten. Sinngemäß übersetzt hat derjenige dann aber auf dem Arm ‚Idiot‘ stehen.“ erzählt Xiumei. „Manche sollten vielleicht einen Übersetzer fragen, bevor sie sich das auf ihre Haut stechen lassen. Google Translator ist keine gute Wahl.“

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