Sie sind immer freundlich und wissen auf fast alle Fragen rund um die Gesundheit eine Antwort – gemeint sind pharmazeutisch-technische Angestellte, kurz PTA, so wie Elke Jackl. Doch was macht sie eigentlich, wenn gerade kein Kunde ihren Rat benötigt? Schekker hat sie es erzählt.
In der Apotheke ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Dennoch ist laut und deutlich eine Stimme zu hören. Es ist eine Frauenstimme – die von Elke Jackl. In der linken Hand hält die pharmazeutisch-technische Angestellte ein Rezept und mit der rechten tippt sie hektisch auf die vor ihr liegende Tastatur ein. Gekonnt hält sie den zwischen Kopf und Schulter eingeklemmten Telefonhörer, während sie mit einem Blick eilig die Daten auf dem Monitor überfliegt.
Doch trotz ihrer misslichen Lage lässt sich Elke Jackl nichts anmerken: Lächelnd steht die Angestellte im Büro einer Hildesheimer Apotheke, erteilt ihrem Gesprächspartner ausführliche und kompetente Auskünfte über das von ihm angeforderte Medikament und hat immer einen netten Spruch auf Lager. „…ich wünsche Ihnen ebenfalls ein schönes Wochenende“ – mit diesen Worten beendet Elke Jackl das Telefonat. Zeit zum Luftholen bleibt ihr aber nicht: Keine fünf Sekunden nachdem sie den Hörer auflegte, steht Jackl wieder im Eingangsbereich der Apotheke am Bedienungsschalter und begrüßt den nächsten Kunden. Sie wirkt so entspannt als wäre sie gerade von einem dreiwöchigen Badeurlaub zurückgekehrt.
Von Salben und Kompressionsstrümpfen
„Beratungen in all ihren unterschiedlichen Formen zählen zu meinen Hauptaufgaben“, sagt Jackl, „denn es kommen immer mehr Kunden zu uns, die nicht zum Arzt gehen – da kann es gerade in dieser Jahreszeit schon mal hektisch zugehen.“ Von Eintönigkeit ist in ihrem Beruf keine Spur. Wenn Elke Jackl nicht gerade Kunden berät, misst sie Blutzucker oder passt Kompressionsstrümpfe an. Das Anrühren von Salben und das Forschen im Labor gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben. „Dort überprüfe ich beispielsweise die Wirkstoffe von Medikamenten auf ihre richtige Zusammensetzung.“
Gerade wegen dieser Vielfältigkeit macht die Arbeit Elke Jackl nach wie vor großen Spaß. Die pharmazeutisch-technische Angestellte übt den Beruf seit mittlerweile zehn Jahren aus.„Das muss daran liegen, dass ich in dieses Berufsfeld hineingeboren wurde“, berichtet Jackl. Ihr Vater ist Arzt und ihr Onkel leitete seine eigene Apotheke. Dort lernte Elke Jackl im Rahmen eines Betriebspraktikums in der 11. Klasse bereits die Laborarbeit mit der individuellen Herstellung von Arzneimitteln kennen – und war fasziniert davon. Spätestens seit diesem Zeitpunkt stand ihre berufliche Orientierung fest.
Mehr Chemie als Praxis
„Ich hätte nach meinem Abitur alternativ auch Pharmazie studieren können Aber ich hatte erst einmal genug von der Schule und wollte etwas Praktisches machen und Geld verdienen.“ Doch die ersten beiden Ausbildungsjahre bestanden für Jackl aus reinem Theorie-Pauken an einer Privatschule in Braunschweig. Praxiserfahrung war während dieser Zeit Fehlanzeige.
Auf den Seiten des Arbeitsamtes findet ihr einen guten Überblick zu Ausbildung und Tätigkeit des Pharmazeutisch-technischen Assistenten.
Auch die Landesapothekerkammern bieten eine tolle Übersicht. Zum Beispiel auch zu Ausbildungsstellen.
Apothekerkammer Nordrhein-Westfalen
Bundesvereinigung Deutscher Apothe-kerverbände
Und so hat Elke Jackl eine Apotheke während dieser Zeit nur deshalb von innen gesehen, weil sie freiwillig bei ihrem Onkel aushalf. „Mittlerweile wird der zweijährige Schulblock durch ein vierwöchiges Praktikum etwas aufgelockert“, ergänzt die pharmazeutisch-technische Angestellte. Nach den beiden Jahren, in denen sie mehr über Chemie als Pharmazie lernte, folgte der elementare Praxisteil der Ausbildung. Während eines sechsmonatigen Praktikums wurde sie auf die Anforderungen in einer Apotheke vorbereitet. Die Entscheidung für die Ausbildung und gegen das Studium hat die pharmazeutisch-technische Angestellte nie bereut: „Ich habe schon mit einem Pharmazie-Studenten zusammengearbeitet, der ein Praktikum in der Apotheke absolviert hat. Seine Theoriekenntnisse waren hervorragend, haben ihm aber in der Praxis überhaupt nicht weitergeholfen.“
Und auch die netten Kollegen in der Apotheke haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass Jackl ihre Entscheidung nicht bereut. „Das Arbeitsklima ist prima, so kommt es auch, dass wir gern privat etwas zusammen unternehmen.“
Trotz des guten Verhältnisses zu den Kollegen betrachtet Jackl nicht alle Aspekte ihrer Tätigkeit durch die rosarote Brille: Gerade in den letzten Jahren hat sich ihr Berufsfeld stark gewandelt. „ Als ich vor zehn Jahren als pharmazeutisch-technische Angestellte begann, habe ich noch Zuckersirup gekocht und damit Hustensäfte selbst hergestellt.“ Damals blieb für Jackl und ihre Kollegen noch ausgiebig Zeit für Kundengespräche. Dabei richtete sich das verkaufte Arzneimittel fast ausschließlich nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten.
Immer etwas Zeit mitbringen
Diese Zeiten sind vorbei. „Heute können wir nicht einfach mehr zur Schublade gehen und dem Kunden einfach seine Arzneimittel verkaufen“, bedauert Elke Jackl. „Wir sind mehr und mehr zu Sachbearbeiterinnen und Juristen geworden.“ Seit zum 1. Juli 2007 die sogenannten Rabatt-Verträge zwischen Pharmazie-Unternehmen und Krankenkassen abgeschlossen wurden, muss sich Jackl bei der Medikamenten-ausgabe an strengen Vorlagen orientieren. So dürfen dem Patienten nur Medikamente verkauft werden, deren Hersteller einen entsprechenden Vertrag mit der jeweiligen Krankenkasse geschlossen haben. „Andernfalls übernehmen die Kassen die Kosten für das Medikament nicht.“
Diese Verträge sind allerdings zeitlich begrenzt, sodass sich regelmäßig etwas ändert. Daher muss Elke Jackl sich immer über den neuesten Stand der Dinge informieren. „Da die Ärzte die Patienten nur selten über die Abkommen ihrer Krankenkasse und den Pharmazie-Unternehmen informieren, bekommt der Kunde oft einen falschen Eindruck von unserer Arbeit.“ In den meisten Fällen kennt Jackl die Vertragsabkommen zwischen der Pharmazie-Branche und den Krankenkassen nicht. Daher muss sie wie all ihre Kollegen aufwändig nach dem für den Patienten richtigen Medikament recherchieren. „Und die Suche kann einige Minuten dauern, deshalb sollte man als Kunde immer etwas Zeit mitbringen.“ So bleibt für Elke Jackl die spannende Frage, ob und wie sich ihr Beruf in den nächsten Jahren verändern wird.


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