Wird Barack Obama auch nach dem 6. November im Weißen Haus wohnen bleiben? Oder zieht einer der republikanischen Herausforder ein? Foto: Stefan Steinacker / www.jugendfotos.de

Am 6. November dieses Jahres wird sich zeigen, ob Barack Obama für weitere vier Jahre Präsident der USA sein wird. Wer gegen ihn antritt, ist noch ungewiss. Schekker-Autor Alexander verbringt seit August 2011 ein Auslandsjahr in Florida und berichtet, wie der Herausforderer ausgewählt wird.

Nach der 10. Klasse wollte ich die Chance nutzen und mir auch mal woanders den Wind um die Nase wehen lassen. Und so bin ich an einer High School in Lakeland in Florida gelandet. Und hier ist es, wie derzeit überall in den USA: Auch dieser Staat bleibt von der Brisanz der anstehenden Präsidentschaftswahlen nicht verschont.

In den USA gibt es zwei große Parteien, die Democratic Party, die mit Barack Obama derzeit den US-Präsidenten stellen, und die Republican Party. Wegen dieses sehr begrenzten Parteienspektrums sind die innerparteilichen Unterschiede umso größer. Bei den Demokraten ist Obama gesetzt, aber bei den Republikanern kämpfen mehrere Bewerber in Vorwahlen (den sogenannten primaries) darum, Präsidentschaftskandidat zu werden.

Ein kompliziertes Wahlsystem


Barack Obama ist bei den Demokraten gesetzt und kann sich in Ruhe auf seinen Herausforderer einstellen. Foto: Louis Villers / www.jugendfotos.de

In jedem Bundesstaat entscheiden die Parteianhänger darüber, welchen Bewerber sie am liebsten gegen Obama ins Rennen um die Präsidentschaft schicken. Die Resultate bei den Vorwahlen entscheiden darüber, wie viele Delegierte beim Nominierungsparteitag Ende August 2012 für einen bestimmten Kandidaten stimmen. Nicht jeder Bundesstaat stellt gleich viele Delegierte. Das variiert je nach Größe zwischen 12 Delegierten in New Hampshire und 172 Delegierten in Kalifornien. Wer es schafft, 1.144 von insgesamt 2.286 Parteitagsdelegierten für sich zu gewinnen, erhält die Nominierung.

Es gibt keine einheitliche Regelung für die Vergabe der Delegierten. Während einige Staaten wie Florida dem Gewinner der jeweiligen Vorwahl alle Stimmen geben, werden sie in den meisten Fällen entsprechend der Wahlergebnisse unter den Bewerbern aufgeteilt.

In den einzelnen Bundesstaaten kann sich jedes dort registrierte Parteimitglied an den Vorwahlen beteiligen. Das heißt in den meisten Fällen nicht viel mehr, als dass man auf einen Registrierschein geschrieben hat, dass man Republikaner oder Demokrat ist. Wegen dieser Unverbindlichkeit sind sehr viele US-Bürger für eine Partei registriert.

Vorwahl in Florida

Als sich am 31. Januar in Florida die verschiedenen republikanischen Kandidaten zur Wahl stellten, nahm mich meine Gastmutter mit ins Wahlbüro in einer Kirche. Anders als in Deutschland, finden in Amerika alle Wahlen an Dienstagen statt, weshalb Schulen, die in Deutschland oft die Wahlbüros beherbergen, hierfür ungeeignet sind. Die Atmosphäre erschien recht familiär. Die Leute kannten einander und man unterhielt sich. Abgesehen von den Zählautomaten, in die die Wahlzettel geschoben wurden, hätte das Wahlbüro auch in Deutschland stehen können.

Die Medien berichten ununterbrochen über die Vorwahlen und veröffentlichen stets aktuelle Statistiken zu den Umfragewerten der Kandidaten. Besonders in meinem Landkreis, Polk County, wohnen viele Republikaner, weshalb viele Menschen gespannt die Vorwahlen verfolgen. Hitzige Diskussionen zu den einzelnen Kandidaten erlebe ich jedoch selten.

Kompliziertes Wahlsystem


Mitt Romney: Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts gilt als aussichtsreichster Kandidat im Bewerberfeld. Foto: CC Jessica Rinaldi / Mitt Romney Media (www.wikipedia.org)

Die Vorwahlen in Florida gewann der derzeit aussichtsreichste Kandidat, der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Er hat, was unentbehrlich ist, um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden: Geld. Denn so ein langer Wahlkampf ist teuer und wird neben dem Eintreiben von Spenden eben auch durch einen mehr oder weniger großen Eigenanteil des Bewerbers finanziert. Der politisch gemäßigte Multimillionär Romney gab bis zum 31. Januar 2012 fast 64 Millionen Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie jeder andere Kandidat für seinen Wahlkampf aus.

Ist die Entscheidung für einen Präsidentschaftskandidaten Ende August gefallen, geht der Wahlkampf erst richtig los. Denn anders als bei deutschen Bundeskanzlern und Bundespräsidenten, die vom Bundestag beziehungsweise der Bundesversammlung gewählt werden, werden alle US-Bürger zur Wahl des Präsidenten an die Urnen gerufen.

Präsident wird aber nicht derjenige, der bundesweit am meisten Wählerstimmen erhalten hat. Vielmehr wird die Entscheidung einem Wahlmännergremium überlassen. Jeder Bundesstaat wählt seine eigenen Wahlmänner, deren Anzahl wiederum von der Bevölkerungsgröße der einzelnen Bundesstaaten abhängen. Alle Wahlmänner stimmen nun in der letztlich entscheidenden Wahl für den Kandidaten, der in ihrem Bundesstaat die meisten Stimmen erhalten hat.

Somit kann es passieren, dass ein Kandidat zwar von mehr Amerikanern gewählt worden ist, dass der Konkurrent jedoch mehr Wahlmänner bekommen hat und von diesen zum Präsidenten gewählt wird. Zuletzt ist das im Wahlkampf 2000 dem Demokraten Al Gore passiert. Er hatte zwar mehr Wählerstimmen bekommen als der Republikaner Bush. Dieser konnte aber mehr Wahlmänner hinter sich versammeln und wurde deshalb neuer US-Präsident. Alles klar?

Entscheidung noch offen

In diesem Wahlkampf ist die Entscheidung zugunsten Romneys noch nicht gefallen. Auch nach dem sogenannten „Super Tuesday“ am 6. März, als in zehn Bundesstaaten Vorwahlen stattfanden, hat er sich nicht entscheidend von den noch verbliebenen Mitbewerbern absetzen können: dem streng christlichen Rick Santorum, dem Populisten Newt Gingrich und dem ultra-liberalen Ron Paul. Große Beliebtheit genießt keiner von ihnen. Mein Gastbruder, Matthew Durden, ist 16 und Obama-Anhänger. Zu den republikanischen Kandidaten meint er: „Sie sind alle verrückt und chancenlos. Und Mitt Romney hat nur Macht wegen seines Geldes.“ Tatsächlich rechnen viele mit einer Wiederwahl des hier in den USA unbeliebten Barack Obama. Nicht wegen seiner politischen Bilanz, sondern aufgrund seiner schwachen Rivalen.

Kommentare

Gut Gemacht!
Die schlaue Beobachtung, dass Obamas Kampagne wegen ihres brtiallnien Internet- und Web 2.0-Einsatzes noch Generationen von PR-Experten und Kommunikationswissenschaftlern besch ftigen wird, stammt nicht von mir, sondern war nur das zustimmende Zitat einer gerade irgendwo gelesenen berschrift bei Spiegel Online ?? (Wenn ja, dann haben die wie blich Aber vermutlich tue ich ihnen gerade unrecht und es stand ganz woanders )

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