Nora, 12, lebt seit vier Jahren mit Diabetes. Und sie hat sich daran gewöhnt, dass sie ihr Leben viel stärker kontrollieren muss als ihre Mitschüler.
Ich war acht, da fing es an. Mir ging es nicht gut: Ich war dauernd müde und schlapp, habe ständig Wasser getrunken. Deshalb sind wir zum Arzt gegangen. Und der hat Diabetes festgestellt.
Ich habe Glück, dass das Krankenhaus hier sich darauf spezialisiert hat. Die konnten mir alles ziemlich gut erklären.
Kontrolle ist alles
Mein Körper kann den Blutzuckerspiegel nicht regulieren, weil er kein Insulin abgeben kann. Deshalb ist mein Wert oft zu hoch oder zu niedrig. Bei einem „normalen“ Menschen liegt er zwischen 4 und 8, der Zielwert bei einem Diabetiker zwischen 5 und 6.
Als ich mit acht ins Krankenhaus kam, war mein Wert bei 24 – und da hatte ich noch Glück, er hätte auch höher sein können. Bei zu hohen Werten kann man später Probleme mit den Nieren oder Augen bekommen und sogar ins Koma fallen. Außerdem darf ich nicht beim Sportunterricht mitmachen, wenn ich überzuckert bin. Einmal habe ich deshalb eine Leistungskontrolle im Basketball verpasst. Und wenn die Werte zu niedrig sind, darf ich auch nicht mitmachen, weil ich umkippen könnte.
Deshalb muss ich meinen Blutzucker kontrollieren und mir Insulin spritzen.
Da war der Tag im Eimer
Am Anfang hatte ich einen sogenannten Pen, mit dem ich mich richtig spritzen musste. Das war doof. In der Schulpause musste ich mich in eine Ecke setzen, meinen Wert messen und dann ausrechnen, wie viel Insulin ich brauchte. Da war es schwierig, einfach mal ein Eis zu essen.
Seit zwei Jahren habe ich jetzt eine feste Pumpe. Ich gebe nur die Faktoren zum Wert und zum Essen ein und die Pumpe rechnet aus, wie viel Insulin ich brauche. Außerdem gibt sie die Basalrate, also das Grundinsulin, ab. Das macht für mich vieles leichter.
Aber man sieht die Pumpe halt immer, sie ist nun mal an meinem Bauch. Beim Baden oder Sport muss ich besonders drauf achten. Im Kletterpark konnte ich nicht mit klettern, weil der Sicherungsgurt die Pumpe hätte beschädigen können. Da war mein Geburtstagsgeschenk dann hin. Und im Urlaub war nach dem Baden der Katheder verstopft – und mein Wert über 30. Da war der Tag auch im Eimer.
Kein Essen ohne Mathe
Die Pumpe nimmt mir zwar das meiste Rechnen ab, aber ich muss trotzdem wissen, wie viel BE, also Broteinheiten, mein Essen hat, damit das Insulin richtig korrigiert wird. Um die zu berechnen, suche ich nach den Kohlenhydraten in den Nährwerttabellen. Kompliziert ist nur, dass die nicht auf allen Lebensmitteln drauf stehen. Auf den Diabetikerwaren zwar schon, aber die schmecken eklig und sind ja eigentlich auch für Altersdiabetiker. Und wenn ich auf einer Party mal Gummibärchen esse, dann weiß ich ja nicht genau, wie viel Gramm das waren und wie viel BE das sind. Dieses Rechnen nervt schon ziemlich.
Meine Familie hilft mir viel. Die verstehen mich und versuchen, mich zu trösten, wenn ich sauer auf die Diabetes bin. Dabei müssten eigentlich sie sauer sein, immerhin kriegen sie ja meine Launen ab. Ich werd manchmal ganz schön pampig, wenn mich jemand daran erinnert, dass ich noch Insulin abgeben oder noch was berechnen muss. Dabei ist das ja nur gut gemeint.
Meine Freundinnen unterstützen mich auch. Sie fragen, wie viel BE was hat, gucken auf den Nährwerttabellen nach und helfen mir beim Rechnen.
Manchmal hab ich einfach keinen Bock mehr
Ich weiß nicht genau, ob ich gut mit der Diabetes umgehen kann. Manchmal kommt ein Lob, dass ich das gut mache. Aber klar, manchmal habe ich einfach keinen Bock mehr drauf und würde am liebsten die Pumpe wegschmeißen. Praktisch habe ich zwar kaum Schwierigkeiten, aber seelisch. Man macht sich dann auch so Vorwürfe, dass man die Krankheit nicht einfach akzeptiert. Schließlich hätte es ja auch schlimmer kommen können. Im Großen und Ganzen kann ich ein ganz normales Leben führen. Ich muss halt bloß kontrolliert bleiben, sonst kann das Auswirkungen auf später haben.


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