Eigentlich ist Björn Födisch Tischler. Doch in seiner Ausbildung zum Handwerksmeister bekam er Lust, sein Wissen auch anderen zu vermitteln und wurde Lehrer. Wie er das geschafft hat und wie seine Schüler auf den Seiteneinsteiger reagieren, hat er Schekker-Autorin Julia erzählt.
An seinen ersten Schultag kann sich Björn Födisch noch gut erinnern: „Mein Gesicht war vermutlich für drei Sekunden grün und ich dachte ‘Oh Gott, was machst du hier?'”, erzählt der 37-Jährige. Das war im September 2002. Björn Födisch war damals 26 Jahre und noch kein fertig ausgebildeter Lehrer, als er zum ersten Mal die Klasse betrat. Seine erste Stunde gab er Jugendlichen des ersten Ausbildungslehrjahres zum Tischler am Berufsschulzentrum (BSZ) Plauen in Sachsen.
Auf einmal wieder Lust auf Lernen
Björn Födisch besuchte die Schule nur bis zur zehnten Klasse und begann nach dem Abschluss eine Lehre zum Tischler. Aber nach der Lehre wollte er mehr: Er besuchte eine Meisterschule, wo er zum Handwerksmeister ausgebildet wurde. Genau dieser Schritt qualifizierte ihn, später auch als Berufsschullehrer zu arbeiten. Die Ausbildung zum Handwerksmeister beinhaltet nämlich auch die Ausbildung zum Berufs- und Arbeitspädagogen. Dieses pädagogische Know-how befähigt den Tischlermeister selbst Lehrlinge auszubilden. „Nach der mittleren Reife war ich froh, dass die Schulzeit zu Ende war”, erzählt er. “Aber in der Ausbildung habe ich auf einmal wieder Lust auf Lernen und vor allem auf Lehren bekommen.“
Doch wieder in den Klassenraum
Auf Weiterbildungen hält Björn Födisch (3.v.l.) praktische Kenntnisse, wie das Schleifen von Parkett, auf dem neusten Stand. Foto: L. Söllner
Er bewarb sich also auf eine Stelle am BSZ Plauen und wurde auf zwei Jahre befristet als Lehrer für Holz- und Fußbodenlegetechnik eingestellt. Die letzte Hürde zum vollwertigen Lehrer fehlte aber noch: In einem berufsbegleitenden Seminar in Dresden wurde dem Seiteneinsteiger didaktisches Wissen vermittelt. Er lernte also, wie man Schülern Wissen am besten vermittelt. „Das war ganz schön hart“, erinnert sich Björn Födisch. Einige seiner Mitstreiter haben das Seminar sogar abgebrochen. „Wir mussten 28 Stunden pro Woche unterrichten, einen Tag zum Seminar und am Wochenende alles vor- und nachbereiten.“ Trotz der hauptsächlich theoretischen Aufgaben, die er jetzt hat, möchte er seine handwerkliche Ausbildung aber nicht missen; er kenne jetzt beide Seiten – die des Azubis und die des Lehrers.
Die größte Herausforderung? Die Schüler!
Mittlerweile ist Björn Födisch vollwertiger Lehrer – sogar Klassenlehrer. Er hat die gleichen Aufgaben wie jemand, der an einer Universität ausgebildet wurde. In einem Punkt steht er jedoch nicht auf der gleichen Stufe: „Wir Seiteneinsteiger müssen mehr arbeiten und bekommen weniger Gehalt.“
Das schwierigste an seinem Job ist für ihn auch das wichtigste: die Schüler. Die Klassen an der Berufsschule können sehr gemischt sein, neben Realschulabsolventen sitzen auch Abiturienten und einige Studienabbrecher in seinem Unterricht. „Wir haben jedoch auch Schüler in der Klasse, die schon eine turbulente Karriere an anderen Schulen hatten.“ Mit ihnen umzugehen sei schwierig, auch weil sie oft aus einem schlechten sozialen Umfeld kommen. Trotzdem würde er diesen Beruf wieder wählen: „Das war genau der richtige Weg für mich.“





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