Keine Spur von Heimweh – Die 22-jährige Italienerin Illaria macht einen Europäischen Freiwilligendienst in Berlin.
Kindern zuhören, mit ihnen malen und basteln, spielen, Streit schlichten – und das alles in einer fremden Sprache. Dieser Herausforderung stellt sich Illaria Tag für Tag, ein Jahr lang. Die Italienerin lebt momentan in Berlin. Während ihres Freiwilligendienstes arbeitet sie in einem Kindergarten. „Mit Kindern habe ich schon immer gern zu tun gehabt“ sagt sie und lächelt. Die 22-Jährige hat dunkle Augen und unzählbar viele Sommersprossen.
Als Teenager kümmerte sie sich oft um ihre kleine Cousine. Im Montessori-Kindergarten im Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaft in Berlin-Wilmersdorf hütet sie täglich dreißig Kinder. Viele von ihnen haben einen englischsprachigen Hintergrund. „Es tut mir leid, wenn ich rede und ein Kind versteht mich nicht. Dann versuche ich es auf Englisch, und so funktioniert es manchmal“ beschreibt Illaria den Vorteil der Zweisprachigkeit. Problematisch fand sie bisher vor allem das Berliner Klima. „Es war sehr, sehr kalt als ich hier ankam. Ich hatte Fieber und eine Infektion“ sagt sie. Minustemperaturen ist sie von Zuhause nicht gewohnt.
In Italien schmeckt’s am besten
Illaria kommt aus einer ländlichen Gegend, direkt am Lago Maggiore. „Ich habe immer in einer kleinen Stadt gewohnt. In Berlin gibt es aber S- und U-Bahnen und alles ist sehr groß. Das ist neu für mich. Manchmal habe ich Probleme, mich zu orientieren und dann passiert es, dass ich mich verlaufe.“ Und auch das Essen schmeckt ihr nicht so gut wie in ihrer Heimat.
Zwar versteht sich die junge Frau bestens mit ihren Kollegen, doch außerhalb der Arbeitsstelle hat sie nur wenig Zeit, Kontakte zu knüpfen. Momentan wohnt sie mit einer anderen Italienerin zusammen. Doch bald möchte sie umziehen. „Ich spreche zuhause nur italienisch. Aber ich will ja Deutsch lernen. Wenn ich in meiner Sprache reden möchte, kann ich auch meine Mutter anrufen“, sagt sie.
Im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes kann man sowohl in sozialen – als auch in ökologischen – oder kulturellen Projekten mitarbeiten. Der Aufenthalt dauert bis zu einem Jahr. Das Programm ersetzt allerdings nicht den Wehr- oder Zivildienst, wie es beim “Anderen Dienst im Ausland” der Fall ist.
Im Vordergrund dieses Programms steht der Austausch der Kulturen. Es gibt Taschengeld, sowie freie Unterkunft und Verpflegung. Auch die Versicherung und Sprachunterricht werden bezahlt. Vor der Reise besuchen die Teilnehmer ein Seminar, ebenso nach Ende des Freiwilligendienstes. Während des Aufenthaltes gibt es weitere Veranstaltungen, wie zum Beispiel ein Einführungstraining, bei dem die Freiwilligen über die kulturellen Aspekte ihres Gastlandes informiert werden.
Eine tolle Stadt
Plötzlich kommt ein kleiner Junge zur Tür des Kindergartens herein, schaut zu Illaria und fragt: „Warum warst du nicht auf dem Spielplatz?“ „Hallo Oscar“ antwortet sie, „Ich hatte einen Urlaubstag. Hat es dir Spaß gemacht auf dem Spielplatz?“ Es klingt überzeugend, wenn Illaria sagt, dass sie auch nach dem Freiwilligendienst weiter mit Kindern arbeiten möchte. Ob das möglich ist, weiß sie noch nicht, immerhin hat sie etwas ganz anderes gelernt: Nach ihrem Schulabschluss hat sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolviert und anschließend drei Jahre für ein italienisches Industrie-Unternehmen gearbeitet.
Eigentlich möchte Illaria sogar in Berlin bleiben. „Das ist eine tolle Stadt“, schwärmt sie. „Wenn ich hier bin, dann fühle ich mich gut. Ich bin verliebt in Deutschland.“


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