In jeder Stadt und in jedem Dorf sind wir umgeben von Architektur. Ein Dach über dem Kopf wünscht sich jeder, aber es muss jemanden geben, der es verwirklicht. Lena Maier wollte genau diese Wünsche erfüllen können und will Architektin werden. Schekker-Autorin Mona hat die 27-Jährige getroffen.
Lena sitzt über ihren Schreibtisch gebeugt in einem kleinen Büro, das schlicht aber elegant eingerichtet ist. „Ich brauche den Platz zum Arbeiten“, sagt die junge Architektin. „In zu voll gestellten Räumen gibt es zu viel, was vom Wesentlichen ablenkt.“ Das Wesentliche ist in diesem Fall ein Gebäudeentwurf, der auf ihrem Schreibtisch liegt. Durch große Fenster fällt viel Licht in den Raum. „Die Aussicht ist inspirierend, manchmal lasse ich einfach meinen Blick schweifen und irgendein Turm, Erker oder Schornstein gibt mir eine Eingebung und ich kann weiter zeichnen.“
Nach einem zweiwöchigen Schulpraktikum im Architekturbüro ihres Onkels stand für Lena fest: „Das ist etwas für mich.“ Vorher hatte sie viele andere Berufsideen: Ärztin, Lehrerin, Konzertpianistin und so weiter. Aber wie viel Spaß ihr das Entwerfen von Häusern machen kann, hatte sie nicht erwartet. „Der Beruf passt einfach zu mir. Ich war immer eher der Denker. Ich glaube, wenn ich selbst auf der Baustelle stehen würde und Stein auf Stein mauern müsste, würde das Haus am Ende nicht mal einen Tag stehenbleiben“, gibt sie schmunzelnd zu. Nach ihrem Abiturabsolvierte Lena erst ein Bachlor- und dann ein Masterstudium. Damit darf sie sich, trotz aller bestandenen Prüfungen, aber noch nicht gleich „Architektin“ nennen. In Deutschland sind zusätzlich noch zwei Jahre Berufserfahrung und dann die Einschreibung in einer Architektenkammer Pflicht.
Manchmal müssen die Zeichnungen erst einmal in Mini-Format verwirklicht werden, bevor es an die große Ausgabe geht. Foto: krss., flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0)
Vom Papier zum Stein
Auf die Frage, was denn das Außergewöhnlichste sei, das sie je entworfen habe, lacht die 27-Jährige. „Einmal forderte mich der fünfjährige Sohn von Freunden zu dem Wettkampf heraus, wer denn mit Buntstiften das bessere Haus entwerfen könne.“ Lena kramt eine bunte Skizze unter einem Stapel Blätter auf ihrem Schreibtisch hervor. „Ich habe es ‘Looping – Rutschen – Kinderparadies’ getauft. Den Wettbewerb habe ich eindeutig gewonnen.“ Im normalen Arbeitsalltag ist der Konkurrenzdruck eines Architekten natürlich viel höher. Große Aufträge von Städten erfolgen meist per Ausschreibung. Unter den eingereichten Entwürfen wird dann der ausgewählt, der am besten ins Stadtbild passt. Erst danach geht es an die Feinarbeit.
„Es ist bei einem neuen Gebäude nicht so, dass ich eine Erleuchtung habe und dann nur noch zu zeichnen brauche“, sagt Lena. „Es handelt sich vielmehr um einen Prozess, der sich aus den Wünschen des Auftraggebers entwickelt.“ Erklärend ruft sie einige Entwürfe auf ihrem Computer auf. „Erst sind da einige Ideen, die ich sammle und verknüpfe, und dann entsteht Stück für Stück das Gebäude – erst einmal theoretisch.“ Wenn die Planung dann abgeschlossen ist, kommt es zur Ausführungsphase. Hier wird der Entwurf unter der Kontrolle des Architekten auf der Baustelle umgesetzt.
Die Entstehung eines Gebäudes ist ein Prozess. Lena lässt sich da gern von Häusern aus ihrer Umgebung inspirieren. Foto: Mona Zwinzscher
Selbstbewusstsein und Kreativität
„Das Schöne an der Arbeit ist, dass ich meiner Kreativität nur selten Grenzen setzen muss“, sagt Lena. Neben einem selbstbewussten Auftreten sei es in diesem Beruf allerdings auch wichtig, Kompromisse einzugehen. Gerade in der Entwurfsphase sei der Architekt vom Auftraggeber abhängig und müsse auch gelegentlich die Ablehnung der eigenen Ideen akzeptieren. „Wichtig ist es, hinter seinen Vorstellungen zu stehen und sie mit ein wenig sprachlichem Geschick vertreten zu können.“ Aber ein großes Ego und viel Kreativität reichen nicht aus, um dem Beruf gerecht zu werden. Auch gutes räumliches Vorstellungsvermögen, Computer-Know-how und eine Ahnung von Mathe und Physik gehören dazu. „Ich bin nicht nur Schreibtischhocker. Zu meinen Aufgaben gehört auch, dass ich bei technischen Fragen auf der Baustelle mitreden kann.“
Das eigene Architekturbüro
Noch arbeitet Lena in dem Architekturbüro ihres Onkels. Mit einem ehemaligen Kommilitonen plant sie aber schon weiter: „Wir wollen unser eigenes Büro aufmachen, selbstständig sein. Und wenn das Projekt steht, will ich natürlich irgendwann samt Familie in meinem eigenen Haus wohnen.“



Neuen Kommentar schreiben