Nicht immer ist beim Drehen gutes Wetter. Foto: Yasemin Kizilkaya

Grischa ist Kameramann. Ein Portrait über eine Menge Arbeit.

So unterschiedliche Arbeitszeiten wie er – hat wohl kaum ein anderer in seinem Beruf. Wenn es hoch kommt, arbeitet er 90 Stunden in der Woche, am Wochenende, nachts, 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.


Grischa geht auf die 40 zu, ist Brillenträger und Kameramann. Gemeinsam mit René betreibt er eine 2-Mann Filmproduktion. Bereits seit 14 Jahren arbeiten die beiden zusammen. Eigentlich war es nicht ihr Traum, gemeinsam eine Filmproduktion zu eröffnen. Sie wollten ursprünglich gemeinsam im Musikgeschäft Fuß fassen. So kam es, dass die beiden immer mehr Kontakte zu verschiedenen Bands knüpften. „Wir schauten uns Musikvideos an und irgendwann haben wir uns gedacht: Das würden wir aber viel besser machen“, schmunzelt Grischa. So blühte neben der Musik eine neue Liebe auf: Sie drehten, schnitten das Material zusammen und hielten am Ende einen eigenen Film in den Händen.

Ein großes Risiko


Grischa bei der Arbeit. Foto: Yasemin
Kizilkaya

Seitdem wurden also Videos produziert und keine Musik. 1999 wurde die Firma Siegersbusch Filmproduktion GbR gegründet. Bei Viva und MTV hatten die beiden mehr als 20 Einsätze. Mittlerweile machen sie vor allem Filmprojekte im Dokumentarfilmbereich. Was vielleicht für Außenstehende nach viel Warterei auf die richtigen Bilder klingt, ist für Grischa ein abwechslungsreicher, interessanter Job, der hohe Anforderungen an ihn stellt. Er lebt fast hauptsächlich von Auftragsarbeiten. Gerade der Kontakt zu verschiedenen Redaktionen ist wichtig, denn immer mehr Zeitungen versuchen, sich online nicht nur mit Texten sondern auch mit anschaulichen Videos zu präsentieren. „Aber gerade dieses Freie macht den Job so gefährlich“, meint Grischa. Wirtschaftlich gesehen sei das Risiko groß, das Geschäft werde von Angebot und Nachfrage bestimmt. Sehr lange Arbeitszeiten seien üblich und die Arbeitsbedingungen seien weitgehend ungeregelt. So auch das Gehalt, das sich nicht unbedingt an dem Produkt misst, sondern vom Auftragsgeber abhängt. – Ein ungeschützter Beruf eben.

Die Suche nach Bildern

Kein leichter Job, wenn man noch bedenkt, dass der Kameramann die schwierige Aufgabe hat, die von dem Auftragsgeber gewünschte Atmosphäre auf ein Video zu bannen oder aus einer langweilig erscheinende Geschichte etwas Spannendes zu machen. Aber gerade dies ist für Grischa das Reizvolle an seinem Job: „Sachen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, aus Langweiligem was Besonderes zu machen, macht Spaß. Es ist kein ödes Warten auf Bilder, sondern ein aktives Suchen nach Bildern.“
Außerdem sei der Job etwas Besonderes, weil nicht nur eine Fähigkeit, wie das Filmen, sondern mehrere Fähigkeiten gefragt seien. Allein filmen zu können, reicht schon lange nicht mehr. Deshalb schneiden die beiden auch alleine, überwachen die Bildschärfe, bearbeiten Licht- und Farbgestaltung, damit am Ende der Auftragsgeber, aber noch viel wichtiger, sie zufrieden sein können.

Zurück zur Musik

Ab und an filmen Grischa und René selbst entwickelte Konzepte. Vielleicht werden sie auch irgendwann Grischas Dreh-Wunsch verwirklichen und eine längere Musikdokumentation drehen, bei der sehr viele Kulturen und Musikrichtungen berücksichtigt werden. Mit der klar wird, welcher Stil woher kommt und wo sich welche Musikrichtung, wie entwickelt hat. Eben ein Blick aus verschiedenen Perspektiven. Wie beim Filmen.

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