In die Zukunft sehen – wer wünscht sich das nicht? René Schäfer lernt auf dieses Ziel hin. Er macht an der Freien Universität Berlin (FU) seinen Master im Fach Zukunftsforschung.
Die Zukunft hat den Menschen schon immer interessiert. Die Frage „Wo gehe ich hin?“ ist für den Menschen genauso wichtig und interessant, wie die Frage „Wo komme ich her?“. Bisher war es jedoch nur wenigen überlassen, konkrete Bilder der Zukunft zu zeichnen. Vor allem Science-Fiction-Autoren wie Philip K. Dick oder Isaac Asimov haben in der Vergangenheit Zukunftsbilder entworfen, die unsere heutige Gegenwart prägen.
Wer das nicht glaubt, möge bitte ein Blick auf sein Smartphone werfen. Was Apple und Co heute auf den Markt bringen, haben Leute wie Gene Roddenberry, der Erfinder des Raumschiffs Enterprise, schon in den 1950er Jahren geträumt.
Heutzutage ist die Beschäftigung mit der Zukunft nicht mehr nur Autoren und Filmemachern überlassen. Man kann sie studieren. Zum Beispiel an der Freien Universität Berlin (FU). Am Institut Futur wird der Master Zukunftsforschung gelehrt. Auch René Schäfer studiert dort. Er will Zukunftsforscher werden.
Halb zwei und bis jetzt nur Kaffee
Ob er denn ein Glas Wasser haben wolle? „Ja gerne“, sagt René Schäfer, „bis jetzt habe ich nur Kaffee zu mir genommen“. Halb zwei und bis jetzt nur Kaffee? Als Zukunftsforscher hat man wohl ordentlich zu tun. Passt aber ganz gut, es scheint zumindest ein spannendes Feld zu sein. Den Anschein erweckt Schäfer auf jeden Fall, wenn er erklärt, was Zukunftsforschung denn tut. Aber vielleicht liegt’s auch am Kaffee.
Kein Nischenthema für Nerds
Die Zukunftsforschung sucht Antworten auf die Frage: Wie sieht die Zukunft aus? Das scheint nur auf den ersten Blick ein Nischenthema für Science-Fiction-Nerds zu sein (auch wenn Schäfer, ebenso wie der Autor, einer ist. Anm.d.Autors). Letztendlich interessiert jeden die Frage nach der Zukunft. Entsprechend ist der Master an der FU auch in vier Bereiche unterteilt: Technik, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Für jedes dieser Felder sind Zukunftsprognosen interessant. Politiker wollen wissen, wie mögliche Gesetze aufgenommen werden, auch langfristig. Wie verändert sich die politische Landschaft auf der Welt?
Auch für strategische Fragen ist die Zukunftsforschung wichtig. Hier hat sie überhaupt ihren Ursprung: in militärischen Überlegungen aus Amerika während des Kalten Kriegs. Doch auch für Privatunternehmen macht die Zukunftsforschung Sinn, erklärt René: „In der Wirtschaft ist es sicher so, dass alle Unternehmen wissen wollen, wie sie in zehn Jahren dastehen.“ Wer wird im Jahr 2050 noch Autos kaufen wollen? Was müssen diese Autos können?
Jeder kann sich bewerben
Wie genau solche Entwicklungen vorausgesagt werden können, lernt man am Institut Futur. „Im Studiengang liegt der Fokus stark auf einer gesellschaftlichen und partizipatorischen Ebene“, erklärt René. Es gehe eher um langfristige gesellschaftliche Entwicklungen als kurzfristige Trends. Von dem Master hat Schäfer aus der Zeitung erfahren. Daraufhin hat er sich einfach beworben. Grundsätzlich kann das jeder tun. Tatsächlich sind Bewerber aus verschiedenen Disziplinen sogar gewünscht. René selbst hat Kultur und Technik studiert, zuvor Philosophie und Geschichte.
Das Handwerkszeug der Zukunftsforscher
„Im Grunde ist es ein ganzer Methoden-Koffer, den man beigebracht bekommt. Ziel ist es, anhand dieser Methoden ein stabiles Zukunftsbild zu entwerfen.“ Diese Methoden unterscheiden die Arbeit der Futurologen von dem alltäglichen Denken und Sprechen über die Zukunft. Sie garantieren Struktur, Tiefe und Nachvollziehbarkeit. Wissenschaftlichkeit eben.
Eine der grundlegendsten Methoden der Zukunftsforschung ist die Szenario-Methode. „Zuerst braucht man natürlich eine Fragestellung und einen Zeitrahmen“, erklärt René. „Also sagen wir mal: Wie sieht das Internet im Jahr 2020 aus?“ Im Methodenseminar hat Schäfer offenbar aufgepasst. „Anschließend erarbeitet man sich Schlüsselfaktoren, die die Entwicklung im angegebenen Zeitraum bestimmen und beeinflussen könnten und dann spielt man das Szenario durch.“ Sogar unvorhersehbare Faktoren werden berücksichtigt. Dinge wie Naturkatastrophen und Finanzkrisen werden als sogenannte „Wildcards“ in das Szenario mit einbezogen.
Die Zukunft eingrenzen
Natürlich könne auch er die Zukunft nicht zu 100 Prozent vorhersagen, erklärt Schäfer. Der Zukunftsforscher sei aber durchaus in der Lage, sie einzugrenzen. „Die Zukunft ist eine Autobahn. Rechts und links hast du Leitplanken und du kannst sagen, dass sich die Zukunft innerhalb dieser beiden Leitplanken entwickeln wird.“ Und eben diese Leitplanken zu erforschen und zu definieren ist Aufgabe des Zukunftsforschers. René Schäfers Job ist es zu erforschen, wie diese Faktoren unser Leben in der Zukunft genau beeinflussen werden. Das ist von Bedeutung für Politik, Wirtschaft und jeden Einzelnen.
Und wo man gerade einen Zukunftsforscher am Tisch sitzen hat, sollte man die Gelegenheit am Schopfe packen. Wie sieht die Zukunft denn aus? Aber bitte in drei Sätzen, die Zeit drängt.
„Die Zukunft in drei Sätzen? Hm, die Zukunft wird mit Technik durchsetzt sein, das Internet wird überall sein und….“ Schäfer überlegt. „Wir werden gesünder Leben als heute?“ Ganz sicher scheint er sich doch nicht zu sein.



