Mit Steuern macht der Staat sich wenig Freunde, aber sie sind seine zentrale Einnahmequelle, um z.B. Arbeitslose zu unterstützen und Straßen zu bauen. Foto: Thorben Wengert / www.pixelio.de

Ob Tabak und Alkohol, das Erbe oder der Lohn — Steuern gibt es scheinbar überall und auf alles. Dafür fehlt vielen Menschen das Verständnis. Dabei haben Steuern durchaus eine Daseinsberechtigung.

Das Thema Steuern sorgt bei den wenigsten Menschen für ein Lächeln im Gesicht, ganz im Gegenteil. Findet eine Steuerbescheinigung den Weg in den Briefkasten oder wird in der Politik über eine Steuererhöhung diskutiert, ist das Geschimpfe meist groß. „Unverschämt!“, ist beispielsweise der immer gleiche Ausruf meiner Mutter, wenn sie auf dem Kontoauszug den Abgang der Kfz-Steuer bemerkt, die ihrer Meinung nach immer viel zu hoch ist. Und die Kfz-Steuer ist nur eine von rund 50 Steuerarten, die es in Deutschland gibt.

Auf den ersten Blick ist die Abneigung gegen Steuern verständlich. Immerhin sind es Zahlungen, die wir Bürger leisten müssen, ohne dafür unmittelbar etwas zurückzubekommen. Wenn auf den Preis eines Päckchens Kaugummi noch 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen werden, bekommen wir deshalb nicht auch 19 Prozent mehr Inhalt. Denkt man aber weiter, haben Steuern durchaus ihre Berechtigung.

Futter für die Staatskassen

Steuern sind sie die zentrale Geldeinnahmequelle des Staates. Alle Gelder, die der Staat verteilt, müssen schließlich irgendwo herkommen, Straßen, Krankenhäuser oder die Polizei finanzieren sich ja nicht von alleine. Das Grundgesetz regelt, wie die Steuereinnahmen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt werden. Den Großteil machen sogenannte Gemeinschaftssteuern aus, dazu zählen z.B. die Einkommens-, die Umsatz- und die Lohnsteuer. Andere Steuern stehen ausschließlich dem Bund (Tabak-, Alkohol-, Kfz-Steuer…), den Ländern (Biersteuer, Erbschaftssteuer…) oder den Gemeinden (Hundesteuer, Vergnügungssteuer…) zu.

Wie der Bundeshaushalt auch für das kommende Jahr belegt, gibt der Staat das meiste Geld für sozialpolitische Zwecke aus, beispielsweise für das Arbeitslosengeld oder als Zuschüsse für die Rente. Es folgen Ausgaben für das Verteidigungsministerium, z.B. zur Finanzierung der Bundeswehr, und für das Verkehrsministerium. Somit fließen die Steuern, die wir Bürger zahlen, auf Umwegen doch wieder zu uns zurück.

Für ein gesünderes Leben


In Deutschland gibt es etwa 50 Steuerarten, von denen manche nur dem Bund, andere nur den Ländern oder Gemeinden zustehen. Foto: Gerhard Frassa / www.pixelio.de

Steuern haben außerdem einen direkten Einfluss auf das Verhalten von uns Bürgern – das ist zumindest das Ziel. Sogenannte Verbrauchssteuern sollen das Kauf- und Nutzungsverhalten der Menschen in eine gewünschte Richtung lenken. Ein gutes Beispiel dafür ist die Steuer auf Zigaretten, also die sogenannte Tabaksteuer.

2012 lag der Tabaksteueranteil pro Packung mit 19 Zigaretten und einem Packungspreis von 5 Euro bei 3,65 Euro, was rund 73 Prozent entspricht. Der gewünschte Effekt dabei ist, die Menschen mit dem vergleichsweise hohen Steuersatz abzuschrecken und so zum Nichtrauchen zu animieren. Ähnliches gilt unter anderem für die Energie- und die Alkoholsteuer.

Für mehr Gerechtigkeit

Ein weiteres Ziel der Steuern, von dem Jugendliche nicht direkt betroffen sind, das uns aber trotzdem angeht, ist ihr Umverteilungszweck. Steuern sollen dazu dienen, Einkommen und Vermögen in die jeweils gewünschte Richtung umzuverteilen.

Eine zentrale Rolle kommt hier der Lohnsteuer zu. Wird sie proportional erhoben – das heißt jeder muss den gleichen Betrag zahlen, unabhängig davon, wie viel er verdient – kann das ärmere Menschen noch mehr belasten, während wohlhabendere dadurch bevorteilt werden. In Deutschland wird versucht, das Lohnsteuersystem gerechter zu gestalten. Hier ist sie progressiv gestaltet, dementsprechend müssen diejenigen, die mehr verdienen, auch prozentual mehr von ihrem Einkommen abgeben.

Bei allem Schimpfen sollte man also im Hinterkopf behalten: Ohne Steuern würde in unserer Gesellschaft ziemlich wenig funktionieren, und letztlich kommen sie uns allen zugute. Das wird aber meine Mutter auch in Zukunft nicht davon abhalten, die Höhe der Kfz-Steuer mit „Unverschämt!“ zu kommentieren.

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