Welche Straßen, welche S-Bahnlinien brauchen wir in 15 Jahren? Welche Stadtteile benötigen eine bessere Anbindung? Imke Steinmeyer plant die Zukunft Berlins mit. Foto: d3us/flickr.com, CC-Lizenz (by-nc-sa)

Wie sieht Großstadtverkehr in fünfzehn Jahren aus? Ein Job für Imke Steinmeyer. Als Diplom-Verkehrsingenieurin plant sie die Infrastruktur von Berlin – denn Stadt, Leute und deren Mobilität verändern sich.

„Neulich habe ich im Taxi gesessen und der Fahrer regt sich die ganze Zeit über die schlechte Verkehrsplanung der Stadt auf.“ Kein Kompliment, das Imke Steinmeyer da hört. Schließlich ist sie Verkehrsplanerin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Berlin. Ihr Büro ist in der Nähe der Jannowitzbrücke in Berlin-Mitte. Sie sitzt vor ihrem Computer an einem großen Schreibtisch. An der Wand eine große Karte von Berlin, um neue Vorhaben zu besprechen.

Verkehr im Wandel der Zeit

Auf 1000 Berliner kommen 721 Fahrräder und nur 324 Autos. Das ist die niedrigste Motorisierungsrate aller deutschen Großstädte. Warum das so ist und ob das so bleibt, damit beschäftigt sich Imke Steinmeyer. Ihr Blick gilt der Zukunft: Welche Straßen, welche S-Bahnlinien brauchen wir in 15 Jahren? Welche Stadtteile benötigen eine bessere Anbindung? Die wohl größte Herausforderung dabei: Der demografische Wandel.
„Klassischerweise nutzen vor allem Schüler und ältere Menschen öffentliche Verkehrsmittel – die, die heute 50 Jahre alt und damit die Rentner von morgen sind, fahren eher mit dem Auto.“ Aber ob das in ein paar Jahren auch noch so ist?

Der richtige Tipp vom Berufsinformationszentrum

Städte verändern sich ständig – und Berlin mit über drei Millionen Einwohnern erst recht. Für so viele Menschen zu planen, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wie man dazu kommt? „Ich hatte nach dem Abitur nur diffuse Vorstellungen, was mich interessiert: Es sollte was mit Städten zu tun haben und mit Gestaltung“, erzählt Imke Steinmeyer. Bei der Berufsinformationszentrale rät man ihr, entweder Verkehrswesen oder Bauingenieur zu studieren und Verkehrsplanerin zu werden. Imke Steinmeyer geht an die TU Berlin. „Was ich nicht wusste: Das Grundstudium hier in Berlin ist Maschinenbau. Wäre mir das klar gewesen, hätte ich mir das nicht zugetraut.“ Sie packt ihren Abschluss trotzdem und bleibt erst mal an der Uni, unterrichtet und forscht.. Nach der Geburt ihres ersten Kindes entscheidet sie sich für einen Perspektivenwechsel und bewirbt sich auf ihre heutige Stelle bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

„Hier gefällt es mir richtig gut. Aber es gibt auch andere Behörden in Berlin, die mit der Verkehrsplanung zu tun haben.“ Wäre Imke Steinmeyer bei der Verkehrsinformationszentrale gelandet, würde sie sich heute mit Fragen auseinandersetzen wie: Wo gibt es regelmäßig Stau und wo wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung sinnvoll? Die Daten, die die Zentrale sammelt und aufbereitet, werden zur Grundlage der Behörde Verkehrslenkung und der Senatsverwaltung, in der Imke Steinmeyer arbeitet.

Das Leben von Millionen lenken

Als Gruppenleiterin ist sie dafür verantwortlich, dass Aufträge und Informationen von der Hausleitung und der Senatorin bis zu den zuständigen Bearbeitern weitergegeben werden und andersherum. Jeder ausgearbeitete Plan muss von höheren Stellen abgesegnet werden.

In ihrem Büro muss man manchmal die Ohren spitzen: Ampeln heißen hier Lichtsignalanlagen, eine Kreuzung ist ein Knotenpunkt, eine Straßenbahn ein spurgebundenes Fahrzeug. Geht das in Fleisch und Blut über? Imke Steinmeyer lacht. „Behördensprache verwende ich nur auf dem Papier. Zumindest sage ich selten zu meinem Mann: „Folgender Vorgang für dich zur Kenntnis und Verwendung.“ Und was erwidert sie, wenn sich ein Taxifahrer über die Verkehrsplanung in Berlin beschwert? „In solchen Momenten sage ich einfach gar nichts.“

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