Iris Lautenschläger lehrt manchmal auch deutsche Geografie, Politik und Geschichte. Foto: Fabian Vögtle

Iris Lautenschläger ist zwar schon knapp 50 Jahre alt, doch in ihrem Beruf als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache ist sie noch recht jung. Sie studierte Germanistik und Romanistik und machte in Kunstgeschichte ihren Magister. Danach stand sie wie viele ihrer Mitstreiter vor der Frage, was nun?

Schon früh verdiente sie sich als Nachhilfelehrerin ihre Brötchen und baute das immer weiter aus. Irgendwann heuerte sie in einer Sprachschule an, unterrichtete Deutsch und Englisch. Ihre Schüler waren vor allem junge Leute. Im Grunde genommen war sie Nachhilfelehrerin für Schüler. Sie bewarb sich in einer größeren Sprachschule, wurde genommen und machte 2009 eine Zusatzqualifikation als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache (DaF). Seit dieser Ausbildung an der Volkshochschule leitet sie nun seit fast zwei Jahren Integrationskurse.

Man könnte sie als Quereinsteigerin bezeichnen. Von denen gibt es in ihrem Berufsfeld viele. Nur wenige Lehrer, die Deutsch-Kurse für Ausländer geben, haben an der Universität etwa Deutsch als Fremdsprache studiert. Doch dass spielt nicht zwingend eine Rolle. Iris Lautenschläger sagt, man könne unterrichten oder eben nicht. Sie sei als Lehrkraft – gerade auch für Integrationskurse – geeignet, nicht nur ihrer Nerven und Geduld wegen.

„Viel zu lange gepennt“


In der Sprachschule Berlitz in Freiburgs Innenstadt leitet Lautenschläger die ganze Woche über Integrationskurse. Davon gibt es drei verschiedene: Den Sprachkurs im Basismodul für die Anfänger und den Sprachkurs im Aufbaumodul für Fortgeschrittene mit jeweils 300 Stunden und zu guter Letzt den Orientierungskurs mit 45 Stunden. Hier sollen die Schüler noch so einiges über die Geschichte, Politik und Kultur Deutschlands lernen. Denn im Anschluss folgt für alle ein Deutsch-Test und für die, die sich einbürgern lassen der viel diskutierte Einbürgerungstest mit zahlreichen Fragen über Demokratie, Staat und Gesellschaft.

Seit 2005 regelt das neue Zuwanderungsgesetz die Integrationskurse, die an vielen öffentlichen und privaten Sprachschulen im ganzen Land im Auftrag des Bundes angeboten werden. Ob ein Migrant am Integrationskurs teilnehmen darf oder er dazu verpflichtet werden kann, ist in den verschiedenen Gesetzen zum Aufenthalt geregelt. Dabei wird zwischen Ausländern, Bürgern der Europäischen Union, Spätaussiedlern und deutschen Staatsangehörigen unterschieden. Für Lautenschläger ist klar, dass mit diesem Integrationsprogramm zu spät begonnen wurde. „Da wurde viel zu lange gepennt“, kritisiert sie.

Grundwissen über Politik


Links zum Beruf

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bietet eine Vielzahl an nützlichen Informationen über Integrationskurse und den Einbürgerungstest.
Zum Beispiel auf dem eigenen Integrationsportal.

Das Goethe-Institut stellt auf seiner Website Materialien für Lehrkräfte zur Verfügung und wirbt für Deutsch als Fremdsprache bzw. Zweitsprache.

Das DaF-Portal informiert über Fortbildungen, Termine und aktuell zu besetzende Stellen.

Der Fachverband für Deutsch als Fremdsprache (fadaf) berichtet als Interessensvertretung der DaF-Lehrer über Tagungen, Publikationen, Studiengänge, Prüfungen und die Forschung.

Für viele sind 600 Stunden Sprachkurs – so viel das auch klingen mag – oft noch zu wenig, findet Lautenschläger aufgrund ihrer Erfahrungen und ist sich dabei mit ihren Kollegen einig. Auch die 45 Stunden Orientierungskurs dürften ihrer Meinung nach mehr sein. Gerade als Vorbereitung auf den finalen Test. Deshalb bringt die engagierte Lehrerin ihren Schülern des Aufbaumoduls an einem Dienstag im November neben der deutschen Sprache schon mal das politische System der Bundesrepublik näher. „Je früher, desto besser.“ Und so kommt sie – konzentriert durch ihre markante Brille blickend – auf Berlin und den Reichstag und die dort handelnden Politiker und Parteien zu sprechen.

Sie erklärt für alle verständlich die Unterschiede zwischen Koalition und Opposition genauso wie zwischen Bundeskanzler und Bundespräsident. „Mein Traumjob ist der des Bundespräsidenten“, witzelt sie „Da darf ich durch die Welt fliegen und immer gut essen…“.

Während sie einen guten Schluck Kaffee zu sich nimmt, schreiben ihre Schüler, die zweimal die Woche vier Stunden Unterricht bei ihr haben, fast alle aufmerksam mit. „Iris ist stark und hat genau das richtige Tempo für uns“, loben sie ihren Deutsch-Coach in einer Pause.

Schüler vieler Nationen


Sie kommen aus Bosnien, Serbien, Taiwan, aus der USA, Türkei und der Dominikanischen Republik. Eine bunte Mischung, die man in den meisten Integrationskursen findet. Eine stärker vertretene Gruppe kommt aus Osteuropa, deutlich weniger Teilnehmer aus Spanien oder Portugal. Die Mischung hat ihre Vorteile: „Wenn ich nur Russen und Ukrainer im Kurs sitzen habe sind die nicht unbedingt gezwungen Deutsch zu reden, da sie untereinander leichter kommunizieren können. Das ist nicht gut.“ Bei einem Großteil ist das Interesse an deutscher Sprache und Kultur vorhanden, es gibt dennoch immer wieder Fälle, wo Schüler nichts lernen wollen und nur selten motiviert sind. „Denen versuche ich dann klar zu machen, dass es für sie wichtig ist, wenn sie in Deutschland leben und arbeiten wollen“, sagt die Lehrende.

Problem Pünktlichkeit


Auch mit anderen Problemen kennt sich Lautenschläger aus. So kommen viele Südamerikaner und Afrikaner regelmäßig eine halbe Stunde oder gar Stunde zu spät in den Kurs. Zwar appelliert sie dann an die deutsche Pünktlichkeit, doch ein wirksames Mittel scheint es dagegen nicht zu geben. „Die lachen nur, wenn ich dazu was sage.“


Iris Lautenschläger mit ihren Schülern.
Foto: Fabian Vögtle

Ansonsten hat die Deutschlehrerin aber einen guten Draht zu ihren Schülern. Sie bleibt nicht nur hartnäckig und wiederholt etwa ein Wort, bis es richtig ausgesprochen wird. Sie schaut den meist ambitionierten, noch jungen und älteren Teilnehmern direkt in die Augen, erklärt ihnen mit Engelsgeduld einen Ausdruck bis ins Detail.

Auch die Schüler untereinander verstehen sich in der Regel prächtig: die Amerikanerin im Kurs verbringt mit Serbin und Bosnier die Pause zusammen bei einer Zigarette im Hinterhof der Sprachschule. Manchmal allerdings, wenn heiße Gemüter auf heiße Unterrichtsthemen treffen, wie Lautenschläger weiß, kann es schon ruppig zugehen, bis zu Handgreiflichkeiten. Das ist dann aber zum Glück doch die Ausnahme.