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Pro: Vanessa Tausende Abiturienten in Deutschland warten derzeit gespannt auf ihre Noten. Doch was geschieht dann? Laut einer Studie wollen 52 Prozent nach dem Abitur das Klassenzimmer gegen den Hörsaal tauschen. Nur 19 Prozent entschieden sich hingegen für eine Ausbildung. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der wissenschaftliche Abschluss in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewonnen hat und es gibt gute Gründe, sich für ein Studium zu entscheiden. Bestimmte berufliche Ziele lassen sich ohne einen akademischen Grad nicht erreichen. So bekommt beispielsweise der BWL-Student wissenschaftliches Arbeiten vermittelt und erweitert während des Studiums seinen Horizont. Ob es nun ins Finanz- und Rechnungswesen gehen soll oder doch ins Marketing, entschieden die Studenten erst während des Studiums. Der Kaufmann muss sich hingegen schon bei der Wahl seines Ausbildungsplatzes festlegen, ob er ins Büromanagement gehen möchte oder sich dem Groß- und Außenhandel anschließt. Der Aufstieg zu einer Führungsposition gestaltet sich für letzteren zudem schwieriger als für den Studenten. Unter dem Motto „Lebenslanges Lernen“ bekommen Schüler insbesondere an Universitäten neueste Kompetenzen vermittelt und zeigen ihren künftigen Arbeitgebern, dass sie engagiert sind und lernen wollen, anstatt direkt in den Beruf einzusteigen. Stichwort Job: Die Zahl der Erwerbstätigen mit akademischem Abschluss steigt, wie die Bundesagentur für Arbeit beschreibt: Jeder Fünfte hat 2012 an einer Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie studiert. Die Gesellschaft wandelt sich zu einer Wissens- und Informationsgesellschaft, in der Universitätsabsolventen seltener arbeitslos sind. Zuletzt bleibt zu sagen, dass mit einem wissenschaftlichen Studium Führungspositionen schneller besetzt werden können. Auch als Abiturient einer Arbeiterfamilie sollte man sich nicht gegen ein Studium entscheiden. Die harte Zeit während des Studiums zahlt sich am Ende aus und man kann in seinen Traumjob einsteigen oder als Quereinsteiger in anderen Branchen arbeiten. Außerdem sagt man nicht umsonst, dass das Unileben die schönste Zeit ist, denn neben dem Lernen warten Studentenpartys und ein selbstständiges WG-Leben auf die künftigen Akademiker. |
Contra: Marvin Praxis aus dem Alltag statt ferne Theorie. Nicht nur davon hören, sondern selber machen. Genau das bewegt jährlich gut 522.000 Auszubildende, einen aus ungefähr 450 Ausbildungsberufen zu beginnen, vom Abfalltechniker bis zum Zytologieassistenten. Oft hört man: Mit dem Studium beginnt die Freiheit. Zugegeben, am Arbeitsplatz kann man nicht einfach fehlen. Und sich selber seine Lerninhalte zusammenstellen ist in der Ausbildung auch nicht drin. Doch wer einen Blick ins Portemonnaie wirft, stellt fest: Wer selbst Geld verdient, braucht keine Anträge oder Fristen zu beachten. Ein Restaurantbesuch oder einmal ins Kino gehen, ist mit einem Ausbildungsgehalt viel unproblematischer als mit BAföG. Und dass bei den gleichen Ermäßigungen und Sonderrabatten. Diese Unabhängigkeit fehlt im Studium. Das monatliche Einkommen ist ein weiteres entscheidendes Kriterium: Ein Auszubildender verdiente 2014 durchschnittlich 795 EUR brutto. Der BAföG-Satz für Studenten liegt derzeit durchschnittlich bei 597 EUR. Und dazu kommt noch ein weiterer Nachteil: Die Hälfte des BAföG bekomme ich jeden Monat als Zuschuss, die andere Hälfte aber ist ein Darlehen, dass ich nach Ende des Studiums zurückzahlen muss. Der Azubi hingegen hat das Geld vom ersten Monat an zur freien Verfügung. Und wer schlau ist, legt schon von Beginn ab ein wenig davon zur Seite! Hier punktet die Ausbildung gleich doppelt. Viele Universitäten haben mittlerweile zwar spezielle Programme im Angebot, damit Studenten schon einmal erste Einblicke in den Berufsalltag gewinnen können. Darum muss man sich als Auszubildender natürlich nicht kümmern: Zwei bis drei Jahre lang erlebt man diesen Alltag höchstpersönlich. Auch Praktika und Unternehmensbesuche während des Studiums können diese umfassenden Berufserfahrungen nicht ersetzen, denn bei diesen Veranstaltungen bekommt man häufig nur die spannendsten Tätigkeiten oder Abteilungen zu Gesicht. Da unliebsame Arbeiten aber nun einmal auch zum Berufsleben dazugehören, vermittelt eine Ausbildung ein wesentlich realistischeres und damit hilfreicheres Bild von einem späteren Job. Wer sich also noch nicht sicher ist, in welche Richtung es nach dem Abi gehen soll, hat in der Ausbildung gute Chancen, seine Berufsziele festzulegen. |



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