Für jeden jungen Mann kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem er zur Musterung muss. Und er muss sich entscheiden, ob er zur Bundeswehr geht oder Zivildienst leistet. Autorin Sandra hat zwei junge Männer getroffen: Der eine ist gleich bei der Bundeswehr geblieben, weil es ihm so gut gefiel, der andere ist noch mitten drin: im Zivildienst im Krankenhaus.
Christian, 21, Zivildiensleistender aus Geithain
“Im Krankenhaus erlebt man Schicksale hautnah. Dazu gehören schöne Dinge wie die Geburt eines Babys oder Menschen, die nach einer Herz-OP aufwachen und sich freuen, dass sie noch am Leben sind. Doch ist das nur die eine Seite. Krankenhaus bedeutet auch Leid und Tod. Das 17-jährige Mädchen werde ich bestimmt nicht vergessen. Sie war schon sehr krank, als sie in unsere Klinik kam. Leukämie versuchte schon seit zwei, drei Jahren, ihren Körper zu zerstören. Bei uns sollte sie eine weitere Chemotherapie bekommen. Aber sie wollte nicht mehr. Sie hatte einfach keine Kraft mehr. Wenig später starb sie. Ich habe nie mit ihr gesprochen, aber jeden auf unserer Station berührte dieses Schicksal. Für mich war es schwer zu akzeptieren, dass ein so junges Mädchen, sich einfach selber aufgab und keine Lust mehr zu leben hatte. Einige meiner Zivi-Kollegen haben daraufhin, aber auch wegen anderer solcher Erlebnisse, den Zivildienst im Krankenhaus abgebrochen. Es ist nämlich wirklich keine leichte Arbeit.
Obwohl wir eigentlich nur die „Hilfsarbeiten“ machen, also Patienten transportieren und Akten sortieren, gehen diese menschlichen Tragödien nicht spurlos an einem vorüber. An Krankheitsbilder, wie offene Wunden oder Knochenbrüche, gewöhnt man sich. Sogar der Tod wird in der Klinik zum Alltag. Doch zu sehen, wie Menschen verzweifeln, wenn Ärzte ihnen sagen, dass sie wahrscheinlich nie wieder laufen können oder auf einem Auge blind bleiben, das zehrt unheimlich an den Nerven. Aber ich will die Arbeit nicht schlecht machen. Ich habe so viel gelernt, vor allem über die Menschen und deren Reaktion auf extrem schöne oder schlimme Ereignisse. Und ich unterhalte mich gern mit Patienten. Eigentlich ist es nicht meine Aufgabe, den Leuten Trost zu spenden oder sie zu motivieren. Ich soll sie nur von A nach B fahren. Aber Gespräche dabei sind unvermeidlich. Und es macht mir ja auch Spaß.
Diese Links helfen euch weiter:
Bundesamt für den Zivildienst
Infos zum Zivildienst
Zivi-Treff: Internetplattform für ZDL
Freiwilligendienst im Ausland
Wenn ich jedoch manchmal früh am Morgen – mein Tag beginnt um acht Uhr – zwei Stunden lang Akten einordnen muss, dann wünsche ich mich auch mal woanders hin. Aber dann denke ich wieder daran, weshalb ich ins Krankenhaus wollte: Ich möchte später Medizin studieren. Um die Zeit meiner Wartesemester zu füllen, ist der Zivildienst ganz praktisch. Zudem ist er ja auch, wie der Wehrdienst, Pflicht für Männer. Schade, dass es ihn nicht auch für Frauen gibt. Denn ich habe schon von einigen Studentinnen oder Auszubildenden im Krankenhaus gehört, dass sie sich so eine Vorbereitung gewünscht hätten. Die vielen Schicksalsschläge würden sie dann vielleicht auch besser verdauen können.“
Stefan, 19, Bundeswehrsoldat aus Leipzig
“Jeder Wehrdienst beginnt mit drei Monaten Grundausbildung. Zugegeben: Das klingt nicht aufregend. Ist es aber. Schießübungen, Tarnübungen im Wald und kilometerlange Märsche durchs Gelände – das ist manchmal ziemlich aufregend. Anstrengend ist es immer. Besonders beim so genannten Biwak. Biwak ist eine Art Zeltlager, dauert meist vier Tage und soll Soldaten auf den Ernstfall vorbereiten – unter möglichst authentischen Bedingungen. Schon der Marsch zum Zeltplatz dauerte drei Stunden. Wir mussten mit 25 Kilo Gepäck fast acht Kilometer laufen. Danach konnten wir uns nicht etwa ausruhen, nein, wir sollten Gräben ausheben, Zelte aufschlagen und auf Alarmposten gehen. Manchmal weckte man uns mitten in der Nacht und es wurde ein Angriff simuliert. Das heißt: Einige mussten Wache schieben, andere gingen auf Patrouille und ein paar hielten Stellung. Dabei hatten wir die ganze Zeit die Tarnschminke im Gesicht. Was alles gar nicht weiter schlimm gewesen wäre, doch zum Waschen gab es nur kaltes Wasser aus Kanistern. Das ging an die Substanz. Aber aufgeben? Daran habe ich nie gedacht. Die Gruppe hat einfach gut zusammengehalten. Wir machten alle das Gleiche durch und konnten uns deshalb immer über Probleme austauschen, uns gegenseitig helfen und zum Durchhalten anspornen.
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Die Internetseite der Bundeswehr
Karriere bei der Bundeswehr
Y. Das Magazin für Soldaten
Das war auch der Grund, warum ich schon vor meiner Musterung wusste: Ich will zum Bund. Mein Vater hat mir früher oft von seiner Zeit beim Militär erzählt. Er hat immer betont, wie viel Spaß er hatte und wie viele Freunde er fand. Einige Freundschaften halten sogar bis heute. Diese Kameradschaftlichkeit und dieser Teamgeist begeisterten mich. Und ich habe meine Entscheidung keine Sekunde bereut, obwohl die Grundausbildung manchmal hart war. Wie mein Vater habe auch ich viele Freunde gefunden und erinnere mich gern an die Zeit. Zum Beispiel, als wir vom Schießplatz bis zur fünf Kilometer entfernten Kaserne laufen mussten, voll bepackt mit 15 Kilo Gepäck. Sonst hatten wir immer den Bus genommen. Doch an diesem Tag meinte unser Hauptfeldwebel, wir könnten ja auch zurück joggen. Das war anstrengend, aber wir haben uns gegenseitig motiviert und so hat diesen Marsch auch jeder geschafft. Unser Feldwebel war so stolz, dass er uns an dem Abend einen Kasten Bier ausgab. Das war schon etwas Besonderes. Ich bin froh, dass der Wehrdienst gesetzlich vorgeschrieben ist. Von allein hätte ich eine solche Chance wahrscheinlich gar nicht bekommen.”




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