„Jeder von uns hat Vorurteile. Ich hab auf jeden Fall welche – und du hast bestimmt auch welche“, meint Johann Dulig, 20, gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Seit vier Monaten macht er sein Freiwilliges Soziales Jahr beim Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) in Dresden. Dass Jugendliche Vorurteile gegenüber Menschen haben, die erst einmal „anders“ als man selbst erscheinen, sollte man, so Johann, nicht direkt verurteilen. Wichtig sei nur, diese Vorbehalte zu hinterfragen und zu überwinden – und genau an dieser Stelle will das NDC helfen.
Einsatz für eine weltoffene Gesellschaft
Das Netzwerk wurde 1999 in Dresden gegründet als Antwort auf die steigende Popularität der NPD im Freistaat und vermehrten gewalttätigen Übergriffen auf Ausländer. Verbände der sächsischen Landeshauptstadt hatten sich zusammengesetzt und überlegt, was man gegen diese alarmierenden Tendenzen unternehmen kann – vor allem im Hinblick auf die politische Jugendarbeit. So entstand die Idee, über Projekttage an Schulen mit Jugendlichen ab der 8. Klasse in Kontakt zu kommen. „Mit 13 bis 14 ist das politische Weltbild meist noch nicht so gefestigt, in welche Richtung auch immer“, erklärt Johann die Altersgrenze. Mittlerweile existiert das Netzwerk in elf Bundesländern. Mit ihren Projekttagen versucht sich das NDC für eine weltoffene Gesellschaft einzusetzen und Jugendlichen beizubringen, wie sie gegen menschenverachtende Einstellungen eintreten können.
Alles beginnt damit, die eigenen Vorurteile zu reflektieren. Foto: Netzwerk für Demokratie und Courage e.V.
Um dies zu erreichen, hat sich das Netzwerk mit seinen rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern allein in Sachsen verschiedene Themenschwerpunkte überlegt. Neben einem ersten Projekttag, der sich ganz allgemein mit Diskriminierung und spezifisch mit Rassismus auseinandersetzt, werden weitere Tage angeboten, unter anderem zu Sexismus und Homophobie, Europa oder Neonazismus. Und so einige Schüler erleben da laut Johann einen „Aha“-Moment, wenn sie zum Beispiel erfahren, wie viele Asylsuchende es in Deutschland gibt oder wie hoch der Anteil an Ausländern im sächsischen Freistaat ist. Die Zahlen fallen nämlich viel geringer aus als oftmals angenommen.
Ein Zeichen gegen Pegida
Auch Lehrer werden vom NDC unterstützt. Bei Fortbildungen geht es um die Frage, wie Lehrer auf menschenverachtende Äußerungen im Unterricht reagieren können. Und ganz unabhängig von der Schule oder der eigenen Klasse wird ein spezielles Training für alle interessierten junge Leute angeboten. Dort lernen sie, gegen rechte Äußerungen im Alltag zu argumentieren und sich klar dagegen zu positionieren. In Zeiten, in denen Pegida über 20.000 Menschen auf die Dresdner Straßen lockt, eine wichtige Maßnahme. Gegen Pegida hat auch das NDC klar Stellung bezogen – und hat das Bündnis „Dresden für alle“ unterzeichnet.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Landeskoordination des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Schulen, die diesen Titel durch die Unterzeichnung einer Selbstverpflichtung, sich gegen Rassismus und andere Diskriminierungsformen einzusetzen, erlangen, engagieren sich für Weltoffenheit und Toleranz und realisieren eigene, kleinere Projekte, wie zum Beispiel Benefizkonzerte für Asylheime oder Treffen mit Asylsuchenden. Allein im sächsischen Freistaat hat dieses Projekt bei 55 Schulen Anklang gefunden.
Brücken bauen! Foto: Netzwerk für Demokratie und Courage e.V.
NDC kommt an
Die Aktionen des NDC kommen bei Schülern und Lehrern sehr gut an. „Das Feedback ist fast durchgehend positiv“, meint auch Johann stolz. Am Ende der Projekttage können Schüler und Lehrer angeben, wie sie den heutigen Tag fanden. 39 % erlebten die Veranstaltung des Netzwerkes als sehr positiv, 42 % als eher positiv.
Das Netzwerk für Demokratie und Courage scheint also einen Nerv bei den Jugendlichen zu treffen. Da kann ich nur hoffen, dass Pegida, Bägida & Co bei der heranwachsenden Generation keinen Nährboden mehr findet – das NDC jedenfalls arbeitet aktiv daran, menschenverachtende Einstellungen aus den Köpfen zu verbannen.




Neuen Kommentar schreiben