Im Autoteilelager
Simon macht eine Ausbildung zum Lagerlogistiker. Foto: Ruben Stein, privat

 Nie zuvor ging Einkaufen schneller als heute – dem Internet sei Dank. Ob Weihnachtseinkauf oder Großbestellung, alles muss irgendwo für die Lieferung bereitgestellt und gelagert werden. Doch wer blickt bei so vielen Waren überhaupt noch durch? Schekker-Autor Ruben hat für euch Simon, einen Jung-Logistiker, ins Verhör genommen.

Mit einem entschlossenen Schnitt zieht Simon die scharfe Klinge seines Cutter-Messers durch die Verpackung eines Paketes. Vorsichtig zieht er den Lieferschein heraus. Diese Art von Geschenken gibt es für den 18-jährigen Azubi nicht nur in der Vorweihnachtszeit, sondern fast täglich. Allerdings ist das Ausmaß der „Geschenke“, eine vollbeladene Palette, etwas gewöhnungsbedürftig. Genauso wie der Inhalt: Bremsen, Reifen, Schlösser und jegliche Art von Verschleißteilen eines Pkws befinden sich im Paket.

Warum Logistik ?

Als Azubi für Lagerlogistik geht Simon mit dieser Aufgabe seinen täglichen Pflichten nach. Schon in der Schule gehörten Mathematik und Informatik zu seinen Stärken. Und die sind auch als Logistiker gefragt. Daher schlug die Agentur für Arbeit Simon vor, eine Ausbildung in der Logistikbranche zu machen.

Nach einem ersten Praktikum in der Automobilbranche während der Schulferien stand seine Entscheidung für die Ausbildung fest. Danach fing der damals 16-jährige Simon als Azubi für Lagerlogistik in einer mittelgroßen Autovertragswerkstatt eines führenden deutschen Automobilherstellers an.


Simon beim Zusammenstellen einer Bestellung. Foto: Ruben Stein, privat

Computer und Muskelkraft

Im Gegensatz zu Lagern von „Logistikriesen“ oder Flughäfen, gibt es in „seiner“ Werkstatt keine endlosen Flure mit riesigen Hochregallagern. Hier ist alles etwas kleiner. Die Regale sind niedrig und die Anzahl vollautomatischer Maschinen hält sich in Grenzen. Die Ware – in der Regel Ersatzteile für die Reparatur von Autos – wird von den fünf Mitarbeitern des Lagers mit Muskelkraft ins Regal sortiert. Diese schweißtreibende Art der Lagerverwaltung ist heutzutage eher die Ausnahme.

Trotzdem macht die Arbeit Simon unglaublichen Spaß. Das liegt auch am kaufmännischen Teil der Ausbildung. Um Kundenwünsche erfolgreich und ordnungsgemäß zu erfüllen, werden im Lager nicht vorhandene Teile täglich nachbestellt. Um das sicherzustellen, ermitteln Simon und die anderen Mitarbeiter des Lagers jeden Tag am Computer die vorhandenen und die zu bestellenden Teile. Jedem Artikel ist eine Nummer zugeordnet. Nur so können Simon und seine Kollegen sichergehen, dass nichts durcheinander kommt. Die nicht vorhandenen Teile kommen über Nacht aus dem Zentrallager des Automobilherstellers.

Jeden Morgen startet Simon seinen Arbeitstag zunächst mit dem Öffnen der Pakete, die er am Vortag im Zentrallager bestellt hat. Entpacken, die Warensendung auf Qualität und Quantität prüfen und ins Lager einsortieren, das gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Lagerlogistikers. Im Fachjargon wird die Ware in diesem Arbeitsschritt „vereinnahmt“. Anschließend muss Simon bestimmte Waren direkt einzelnen Kundenlieferungen zuordnen. Diese stehen bis auf die eben angekommene Ware schon zum Abholen bereit. Das heißt, die Ware wurde vorkommissioniert. Die restliche Ware ist für das Lager der Werkstatt bestimmt. „So schließt sich der Kreislauf“, lacht Simon.

Herausforderungen und Zukunftsaussichten

Simon findet seinen Beruf aufgrund der täglich neuen Herausforderungen nicht als langweilig. „Mir macht es Spaß und der Beruf liegt mir, deswegen würde ich gerne in diesem Beruf weiterarbeiten“, erzählt Simon. Nach seiner dreijährigen Ausbildung will er seinen Meister machen. Das eröffnet dem ehemaligen Realschüler die Möglichkeit eines Hochschulstudiums. Sein Traum ist es, sich später in der Branche selbstständig zu machen.
„Ich kann die Branche jedem weiterempfehlen, der stressresistent, körperlich belastbar, und teamfähig ist und mathematisches Verständnis mitbringt“, lädt Simon ein. Denn schlecht sieht es für die Logistikbranche in der Zukunft nicht aus. Unter dem Schlagwort der Globalisierung wird der Branche eine vielversprechende Zukunft vorausgesagt.

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