Dr. Christoph Steegmans Foto: REGIERUNGonline/Bergmann

Was macht eigentlich ein Regierungssprecher den ganzen Tag? Schekker-Autorin Fabienne hat nachgefragt und sich mit dem stellvertretenden Regierungssprecher Dr. Christoph Steegmans unterhalten.

Schekker: Sie haben Ihre Karriere bei der Neuen Ruhr Zeitung/Neuen Rhein Zeitung und dem General-Anzeiger in Bonn begonnen. Jetzt sind Sie seit genau einem Jahr stellvertretender Regierungssprecher. Wie sind Sie vom Lokaljournalismus zu diesem Job gekommen?

Dr. Christoph Steegmans: Ich bin immer der Devise gefolgt: Man muss erst mal zur Bahnlinie gelaufen sein, damit ein Zug vorbeikommen kann. Ich wusste nicht immer, wohin der Zug fährt, aber ich bin Stück für Stück mitgenommen worden, hab mir auch zwischendurch mal Stationen angeguckt, an denen ich schnell wieder in den Zug eingestiegen bin. Ich hab sicherlich auch Glück gehabt, aber ich habe mir die meisten Dinge sehr hart erarbeitet.

Allerdings war das fröhlicher, als es sich hier anhört, denn ich bin der Überzeugung, dass man nur erfolgreich wird, wenn man Spaß an seiner Arbeit hat. Das heißt nicht, dass man sofort mit allem aufhören soll, wenn’s mal ein bisschen hart wird, aber das heißt, dass man auch auf seine innere Stimme hören soll.

Nachrichten im Überfluss

Wie kann man sich den Tag eines Regierungssprechers vorstellen? Sitzen Sie eher am Schreibtisch oder sind Sie ständig unterwegs und schreiben SMS an Frau Merkel?

Ich bin schon tendenziell ein Rückenschmerzen-Kandidat, weil der Schreibtisch die Hälfte meines Tages mein Zuhause ist. Aber dank mobiler Kommunikationsmittel kann ich auch viel unterwegs sein. Es gibt Wochen, da hab ich nur Termine außer Haus, es gibt Wochen, da bin ich fast nur am Schreibtisch. Mein Tag beginnt in aller Regel morgens um sechs mit dem Abstöpseln meines Handys vom Ladegerät in der Küche, da schau ich mir die ersten Ticker-Meldungen an, ich lese schon um kurz vor acht die sogenannte „Kanzlermappe“ im Auto und habe um 09:00 Uhr die Besprechung mit meiner Mannschaft, bei der wir die Aufträge verteilen für den Tag.

Es gibt dreimal die Woche Pressekonferenzen, die wir Regierungssprecher machen müssen, dazu kommen Begleitungen der Bundeskanzlerin, auch viele politische Runden, wie die Vorbereitungsrunden für das Kabinett, natürlich die Kabinettsitzung selbst und dazu natürlich unglaublich viele Journalisten-Gespräche und Termine zur Öffentlichkeitsarbeit, denn wir sind ja nicht nur das Presseamt, sondern genauso das Informationsamt der Bundesregierung.

Was ist denn die „Kanzlermappe“ genau?
Die Kanzlermappe besteht morgens aus circa 100 bis 130 Artikeln aus der überregionalen Presse und kommt mittags nochmal in einer zweiten Auflage mit Artikeln aus den Regionalzeitungen und Online-Medien. Sie erscheint digital, so dass ich sie auch unterwegs jederzeit auf dem iPad anschauen kann. Zusätzlich ist bei mir den ganzen Tag auf dem Computer Google-News an plus der Nachrichten-Ticker plus einer Reihe von Online-Portalen.

Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben und worauf müssen Sie bei Ihrer Arbeit ganz genau achten?
Zu wissen, was los ist, darüber zu reden, ein gesundes Immunsystem zu haben gegen drohende mediale Irrungen und Wirrungen. Und ein gutes Gefühl zu haben für das, was in der Regierung gut geht oder auch nicht.

Wie ein Journalist denken


Nun sprechen Sie ja immer nur für die Bundesregierung. Sehen Sie sich heute trotzdem noch als Journalist?
Ich bin kein Journalist, aber ich muss wie einer denken.

Wie denkt man denn als Journalist?


Dr. Christoph Steegmans spricht täglich
mit Journalisten.
Foto: REGIERUNGonline/Bergmann

Ein guter Bäcker isst seinen Kuchen auch nicht zu allererst selber, aber er muss sicher sein, dass er bei allem, was er zubereitet, den Geschmack des Publikums trifft. Mein Publikum sind die Journalisten und bei allen, die mir draußen zuhören, muss ich darauf achten, dass ich nicht an den Leuten vorbeirede. Ich sage bei jeder Kampagne, die wir in Auftrag geben, immer zu all meinen Leuten: Fragt euch, ob das, was ihr tut, euern Nachbarn, eurer Familie, also den Leuten, mit denen ihr zusammen lebt, auch gefallen würde.

Wie vermittelt man denn dann schwierige politische Themen einfach?
Man darf da keine Schere im Kopf haben. Wir können froh sein, dass wir so viele Juristen in Deutschland haben, aber die meisten Leute reden eben anders, als ein Gesetzbuch geschrieben ist. Deshalb darf man als politischer Kommunikator auch mal so reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Vielleicht wird einem dann etwas Ungenauigkeit vorgeworfen, aber viele werden dafür sagen: Ich hab jetzt zum ersten Mal verstanden, worum es eigentlich wirklich geht.

Was kommt bei einem durchschnittlichen Bürger von Ihrer Arbeit an?
Ich hoffe mehr, als manche Statistiken sagen. Ich werde nie jeden in Deutschland persönlich quasi mit einem informativen Hausbesuch erreichen können. Aber ich hoffe, dass ich meine Bringschuld insoweit erfülle, dass jeder, der sich ansatzweise informieren möchte über das, was wir tun, auch erfährt, wie’s geht, und anschließend sagt: Ich hab was davon gehabt.

Würden Sie sagen, Sie sind der Erste, der von allen wichtigen Vorgängen in der Regierungspolitik erfährt?
Ich wünschte, es wäre so.

Bei was erhalten Sie denn immer viel zu spät Informationen?
Wenn man den Journalisten glaubt, dann bin ich ständig unterinformiert. Aber ich glaube, ich habe eine innere Ruhe, unter manchem Hype auch einfach durchzutauchen. Und alles, was wirklich wichtig war, hab ich noch immer rechtzeitig mitbekommen.

Das Wichtige bei einem Espresso


Als Regierungssprecher koordinieren Sie auch die Bundespressekonferenzen. Wer wird dazu eingeladen?
Wir laden gar niemanden ein. Die Bundespressekonferenz ist ja quasi eine Selbstverwaltung der Hauptstadt-Presse und wir Regierungssprecher und die Sprecher der Ministerien sind dort nur zu Gast. Da sind meistens auch nicht so viele Journalisten im Saal, als dass der Saal gefüllt aussähe. Aber die Bundespressekonferenz wird ja in zahllose Korrespondenten-Büros per Bild und Ton übertragen und viele Journalisten geben eben auch ihrem Kollegen, der in die Bundespressekonferenz richtig reingeht, die Fragen mit, so dass es ähnlich ist wie im Bundestag. Die Optik ist nicht von Gedränge geprägt, aber die Funktionalität ist absolut gewährleistet und natürlich behandeln wir während der Konferenz vor allem die nüchternen Fakten.

Und alles, was man zusätzlich – im Journalistenjargon nennen wir das „unter drei“, also hintergründig – wissen sollte, wird dann in aller Regel ein Stockwerk tiefer bei einem Espresso noch dazugegeben.

Welche Fragen werden Ihnen dort immer wieder gestellt?
„Was haben X und Y bei dem Gespräch, von dem niemand was gewusst hat, eigentlich in Wahrheit miteinander besprochen?“ – und das sind natürlich Fragen, die letztlich immer ohne befriedigende Antwort bleiben.

Mit welcher Frage in einer Bundespressekonferenz waren Sie überfordert?
Ich habe schon einmal gesagt: „Ich könnte Ihnen jetzt eine nichtssagende Antwort geben, aber das erspare ich uns beiden.“ Aber ich bin klug genug, um von dieser Ehrlichkeit nur sehr selten Gebrauch zu machen.

Sie sprachen nun schon von Ihrer „inneren Ruhe“ und „Klugheit“. Welche Ihrer Eigenschaften kommen Ihnen bei Ihrer Arbeit wirklich zugute und welche stört manchmal?
Ich bin schon ein kleines bisschen Weltverbesserer, deshalb gehe ich manchmal auch privat etwas unzufrieden nach Hause. Aber ich habe selten mehr als fünfmal im Jahr schlechte Laune.

Wir danken Ihnen für das Gespräch Herr Steegmans.

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