Verweigern oder nicht? – das war vorm Wegfall der Wehrpflicht die Frage. Tristan wurde als einer der letzten zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichtet. Was der 20-Jährige beim Wehrdienst erlebt hat, erzählt er Schekker-Autorin Alina.
Wenn ich meine Mütze vom Kopf nehme, kann man die raspelkurzen Haare sehen. Doch bald schon werden sie nachgewachsen sein. Denn meine Zeit bei der Bundeswehr gehört jetzt der Vergangenheit an. Mit Krieg und Waffen habe ich seit gestern nichts mehr am Hut. Als einer der letzten Wehrpflichtigen habe ich gelernt, was es heißt, Soldat zu sein – und dass das nicht meine Welt ist. Mein ursprünglicher Plan, mich auf längere Zeit zu verpflichten, ist deshalb Geschichte.
„Nur Bekloppte machen Bund!“
Warum ich überhaupt zur Bundeswehr gegangen bin? Mein älterer Bruder Howard ist schuld. Er hat mich mit einem altbekannten Vorurteil konfrontiert: „Nur Bekloppte machen Bund!“ Ich nahm mir vor, ihm das Gegenteil zu beweisen. Es ist immer wie so ein kleiner Kampf zwischen meinem Bruder und mir. Was er schafft, will ich auch schaffen. Und was er nicht schafft, will ich natürlich umso mehr schaffen.
Ich habe das Ganze durchgezogen, obwohl ich mit dem Entschluss zum Bund zu gehen, ziemlich alleine dastand. Doch genau darin lag für mich auch ein gewisser Reiz. Dass die meisten sowieso verweigern und ich niemanden gekannt habe, der zur Bundeswehr geht, hat meinen Ehrgeiz geweckt.
Wie erklettere ich einen Baum – richtig?
So richtig perfekt haben die Bundeswehr und ich dann leider nicht sofort zusammengepasst. Die Vorschriften haben mir zu Beginn echt zu schaffen gemacht. Zum Beispiel gibt es die Vorschrift, beim Erklettern eines Baumes automatisch mit den Kletterbewegungen aufzuhören, wenn man die Spitze erreicht hat. Es gibt sogar eine zentrale Dienstvorschrift darüber, wie man aufs Klo gehen soll. Aber die habe ich zum Glück schon vergessen.
„Es ist einfach interessant, so etwas gemacht zu haben“
Meine anfängliche Abneigung hat sich aber schnell in sportlichen Ehrgeiz verwandelt, der mir über die neun Monate geholfen hat. Zwischenzeitlich begann mir die Sache sogar richtig Spaß zu machen. Was mir besonders gefallen hat, war, als wir uns einmal von einem Haus abgeseilt haben. Rückwärts und vorwärts. Und dann wurde uns noch gezeigt, wie man richtig durchs Fenster in ein Haus einsteigt. Das hat einfach so viel Spaß gemacht. Hätte uns irgendjemand an dem Tag einen „Soldat auf Zeit-Vertrag“ hingelegt, hätten wahrscheinlich die meisten unterschrieben. Was sich die wenigsten vorstellen können: Es ist einfach mal interessant, so etwas gemacht zu haben! Und ich bin stolz darauf, dass ich das Ganze durchgezogen habe.
„Ich bin ein anderer Mensch geworden“
Das Aussetzen der Wehrpflicht finde ich daher schon ein bisschen schade. Ich bin mir sicher, dass sich die meisten Jungs, die jetzt einrücken müssten, darüber freuen. Aber es geht vielen eine wichtige Erfahrung verloren.
Allerdings kann man durch den freiwilligen Wehrdienst in die Bundeswehr hinein schnuppern. Man kann sich alles anschauen und muss sich nicht gleich für einen bestimmten Zeitraum verpflichten, um sich ein Bild von alldem zu machen. Außerdem hat man die Chance, sich selbst neu kennenzulernen. Ich bin ein anderer Mensch geworden. Und ich hätte nie gedacht, dass mir die verschiedenen Einsatzübungen solchen Spaß machen würden.


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