“Die Existenz Gottes ist nicht immer einfach zu begreifen”, sagt Anne. Foto: Vanessa Vu

Anne folgt einem tiefen christlichen Glauben. Das unterscheidet sie von den meisten anderen Jugendlichen. Nach dem Abi besuchte sie eine internationale Bibelschule. Aber manchmal zweifelt auch sie.

Ja, ich glaube an Gott. Dafür muss ich mich oft rechtfertigen. Meistens höre ich Vorurteile wie „Christen können keinen Spaß haben.“ Aber das ist Unsinn. Für den Glauben habe ich mich entschieden! Obwohl es auch Zeiten gab, in denen ich an ihm zweifelte und Gott anklagte.

Zum Christentum bin ich durch meine Eltern gekommen, ich wurde da sozusagen hineingeboren. Wir gehören offiziell der Evangelischen Kirche an, besuchen aber eine freikirchliche Gemeinde. Ich ging dort in den Kindergottesdienst und später in die Jugendgruppe. Für mich war das lange sehr selbstverständlich. Erst auf dem Gymnasium merkte ich, dass es das nicht ist. Vor allem der Religionsunterricht der Oberstufe endete oft in hitzigen Diskussionen. Viele nahmen mich nicht ernst. Aber da muss man über dem Gerede der Anderen stehen.

Etwas ist für mich da, wenn es mir schlecht geht

Dabei tausche ich mich gerne mit Andersgläubigen und Atheisten aus, denn die Existenz Gottes ist nicht immer einfach zu begreifen: Das viele Leid auf der Erde, harte Schicksalsschläge – das sind Dinge, die ich mir auch nicht erklären kann. Als mit 18 außerdem einiges in meinem Leben schief lief, Freundschaften und Beziehungen auseinander gingen, entfernte ich mich von meiner Religion.

Letzten Endes brauche ich sie aber doch, um glücklich zu sein. Ich brauche das Wissen, dass jemand oder etwas für mich da ist, wenn es mir schlecht geht. Regeln, die mir helfen, mein Leben zu gestalten. Das kann keine Wissenschaft, da setze ich meine Kraft und mein Vertrauen allein auf Gott.

Ich möchte helfen, wo ich kann und darf

So starr das klingt, fühle ich mich keinesfalls eingeschränkt. Im Gegenteil. Ich glaube, dass Gott den Menschen die freie Entscheidung gegeben hat und das Schicksal in unsere eigenen Hände legt. Ich entscheide zum Beispiel für mich, ob ich vor der Ehe Sex haben will oder nicht. Persönlich wünsche ich es mir schon, eines Tages im weißen Kleid vor dem Altar zu stehen und mich nur dem einen richtigen Mann hinzugeben. Gleichzeitig gebe ich zu, dass es mir manchmal schwer fällt, dieses Ziel einzuhalten. Ich verstehe Leute, die das nicht wollen.

Doch das Einzigartige am Christentum ist ja, dass man sich nicht ständig durch gute Werke beweisen muss, sondern dass umgekehrt Gott sich den Menschen annähern will. Er ist für mich als Jesus auf die Erde gekommen und gestorben. Das ist für mich der größte Liebesbeweis, den es gibt, und diese Liebe nehme ich gerne an und möchte sie weitergeben. Darum will ich nach meinem Ethnologie-Studium in die Entwicklungshilfe. Dabei will ich mir nicht anmaßen, Menschen in fremden Kulturen meine Sichtweisen aufzudrücken. Ich möchte nur helfen, wo ich kann und darf.

Intensive Zeit auf der internationalen Bibelschule

Nach dem Abi bin ich drei Monate auf eine internationale Bibelschule in Österreich gegangen. Wir haben uns auf Englisch intensiv mit biblischen Geschichten auseinandergesetzt, Gottesdienste besucht und auch Projekte in Schulen und Altersheimen durchgeführt. Das hat mir sehr gut getan und ich habe viele interessante Leute kennengelernt, mit denen ich noch heute in Kontakt stehe. Es war eine sehr gute Gelegenheit, sich mit Gläubigen aus aller Welt auszutauschen.

Für mich ist klar: Die Wissenschaft kann mir vielleicht erklären, warum manche Dinge so sind wie sie sind, aber das macht mich nicht glücklich. Menschen werden immer nach dem Sinn des Lebens fragen. Mir gibt Gott diesen Sinn.