Der Verkehr auf der Schiene boomt. Foto: Hamburg Port Authority

 Im Hamburger Hafen bringen große Containerschiffe jeden Tag Güter aller Art an Land. Doch wie werden diese Waren ins Hinterland transportiert? Hier kommt die Hafenbahn zum Zug. Schekker-Autor Christoph sprach mit Daniel Bischof, der für die Entwicklungsabteilung der Hamburger Hafenbahn verantwortlich ist.

„Der Hamburger Hafen ist ein Ort, an dem gleich drei Verkehrsträger auf engstem Raum zusammentreffen: das Schiff, der LKW und die Schiene. Ich finde das beeindruckend.“ Daniel Bischof sagt das mit einem Strahlen im Gesicht. Er arbeitet in der Entwicklungsabteilung der Hamburger Hafenbahn. Die sorgt dafür, dass all die Güter, die mit Schiffen aus der ganzen Welt ankommen, vom Hafen aus in den Rest des Landes gelangen. Daniels Aufgabe dort ist es zu überlegen, wie der Eisenbahnverkehr am Hamburger Hafen weiterentwickelt werden kann.

Der 31-jährige hat Verkehrswirtschaft an der Technischen Universität in Dresden studiert. Seinen Job bei der Hamburg Port Authority, dem Infrastrukturträger der Hamburger Hafenbahn, erhielt er auf klassischem Wege über eine Bewerbung auf eine Stellenanzeige in der Tageszeitung.

„Was ist eigentlich ein Verkehrswissenschaftler?“, fragt mich Daniel etwas nachdenklich. Für ihn gibt es nicht den Verkehrswissenschaftler. Vielmehr sind es verschiedene Studienrichtungen, die interdisziplinär mit Verkehr zu tun haben, beispielsweise die Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften. Der Verkehr, so Daniel, sei ein komplexes Thema: „Es gibt viele verschiedene Teilgebiete, die in einem einzigen Studiengang kaum behandelt werden können.“ Er erklärt mir dies am Bau einer Brücke. Hier würde der Verkehr aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet als etwa in der Psychologie oder den Wirtschaftswissenschaften.


Daniel Bischof arbeitet bei der Hamburger Hafenbahn Foto: Christoph Krelle

Planung ist alles

Ein typischer Arbeitstag beginnt für Daniel Bischof morgens gegen acht Uhr im Büro. Als erstes beginnt er, die Anzahl der Waggonbewegungen des Vortags zu erfassen. Sofern sich starke Schwankungen im Verkehrsaufkommen ergeben, muss er herausfinden, wodurch diese zustande kommen. Außerdem besteht sein Tag aus vielen Besprechungen zu aktuellen Projekten und der Beantwortung kleiner Anfragen. „Das klingt erst mal sehr analytisch, ist aber durchaus abwechslungsreich“, weiß Daniel aus Erfahrung. So muss er sich immer mal wieder vor Ort ein Bild von dem machen, was sonst nur in 2D auf großformatigem Papier steht.

Aktuell beschäftigt sich seine Abteilung mit der Planung eines komplexen „Zwei-Achsen-Konzeptes“, das die Herstellung neuer Anbindungen vorsieht, um das bestehende Netz der Hafenbahn zu entlasten. „Besonders im Stadtteil Harburg stoßen wir langsam an unsere Kapazitätsgrenzen. Deshalb brauchen wir eine neue Lösung“, sagt er. Doch der Hafen liegt inmitten der City. Es gibt nur wenig Spielraum für neue Infrastruktur. Viele Fragen sind hier zu beantworten: Wie kann die Bahn das Moorgebiet überwinden? Was ist mit verschiedenen Höhenlagen? Welche Brücken sind bereits vorhanden? Und wo verläuft die ebenfalls geplante Autobahn, die die Bahntrasse nicht berühren darf?


Hier muss man sich auch erstmal zurechtfinden. Foto: Hamburg Port Authority

Detailarbeit ist gefragt

Allgemein beginnt ein solches Entwicklungsprojekt mit einer Zeichnung. Dann wird im Rahmen einer sogenannten Machbarkeitsuntersuchung geprüft, welche Rahmenbedingungen vor Ort herrschen. Welche Radien müssen zum Beispiel eingesetzt werden, damit die Bahn ein Hindernis sicher umfahren kann? In der anschließenden Vorplanung wird es dann konkreter: Wo stehen welche Signale? Was ist mit der Oberleitung? Und auch die Trassierung wird hier bereits festgelegt. Daraufhin geht es in die Genehmigungsphase. Der Antrag für ein Planfeststellungsverfahren wird gestellt. Erst wenn dieser Antrag bewilligt wird, geht es an die Durchführung. Daniel Bischof betreut ein solches Projekt jedoch nur bis zur Vorplanung. Den Rest erledigen andere Abteilungen bzw. Unternehmen.

Insbesondere für die statistische Erfassung, Analyse und Auswertung kann Daniel auf sein Wissen aus dem Hochschulstudium zurückgreifen. Ebenso fällt es ihm durch sein akademisches Vorwissen leichter, Situationen und Entwicklungen im nationalen wie internationalen Wettbewerb einzuordnen.

Zukunftsbranche Verkehr

Die Verkehrsbranche gilt als sehr attraktiv. „Ich habe meine Entscheidung nie bereut“, erklärt Daniel Bischof und erklärt weiter: „International gibt es vor allem in China und im arabischen Raum noch sehr viel Potenzial, die Verkehrswege weiter aufzubauen und zu optimieren. Auch in Deutschland haben wir in den letzten Jahren eine unglaubliche Renaissance im Bahnverkehr erlebt. Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr hat sich einiges getan. Im Verkehrswesen gibt es viele spannende Berufsbilder, die Zukunft haben.“

Neben einem erfolgreich abgeschlossenen Hochschulstudium sind die Fähigkeiten, großräumig und vernetzt zu denken, wirtschaftliche Zusammenhänge richtig einzuschätzen sowie organisatorische Abläufe sicher zu bewältigen, unbedingte Voraussetzung. Wer also eine Leidenschaft für Verkehr hat, ein technisches Verständnis besitzt und mit Zahlen umgehen kann, der sollte sich nicht scheuen, seinen Traum zum Beruf zu machen.

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