Wer darf in Deutschland bleiben und wer nicht? Auf diese Frage muss Michael Stimpel jeden Tag aufs Neue antworten. Er arbeitet als Sachbearbeiter bei der Ausländerbehörde in Dresden. Dabei lernt er nicht nur Menschen aus anderen Kulturen kennen, sondern muss manche von ihnen hin und wieder auch enttäuschen.
Wenn viele sich im Bett noch einmal rumdrehen, ist Michael Stimpel der erste auf der Arbeit. Halb sieben schaltet er dort das Licht an und fährt die Computer hoch. Sein Büro befindet sich inmitten der Dresdner Altstadt. Jeden Tag strömen hunderte Menschen vor seinem Fenster vorbei. Unter ihnen auch solche, die in Dresden ein neues Zuhause suchen.
Ob sie das auch bekommen? Diese Entscheidung muss Michael täglich mehrmals treffen. Er arbeitet als Sachbearbeiter in der Ausländerbehörde Dresden, genauer im Welcome Center. Hier betreut Michael ausländische Fachkräfte und deren Familien aus sogenannten Drittstaaten, die in der sächsischen Landeshauptstadt wohnen wollen.
Zwei Jahre Ausbildung + vier Praktika = Festanstellung
Dass er mal hier landen würde, hatte der 25-jährige nicht geplant. Eher zufällig kam er während seiner zweijährigen Ausbildung zum Verwaltungswirt an einen Praktikumsplatz bei der Ausländerbehörde. „Während der vier Monate konnte ich schon einmal in die tägliche Arbeit eines Sachbearbeiters hineinschnuppern und wertvolle Erfahrung sammeln“, erzählt er mir.
Am Ende gefiel ihm die Arbeit in der Ausländerbehörde so gut, dass er auch sein zweites und drittes Praktikum dort absolvierte. Nach abgeschlossener Ausbildung bewarb er sich für eine der freien Stellen und wurde mit einer Festanstellung belohnt.
Mehr als Akten wälzen
Der Arbeitsalltag des 25-järigen ist fest gegliedert. Montags und mittwochs kümmert er sich um Aufenthaltsanträge, liest und beantwortet seine Mails und bereitet sich auf die Sprechtage vor. Die finden dienstags, donnerstags und freitags statt. Das heißt, dass an diesen Tagen die Leute mit ihren Anliegen direkt zu Michael kommen und persönlich über Probleme reden können.
Solche Termine findet Michael besonders spannend: „Selbst wenn man im Voraus plant, kann immer etwas Unerwartetes passieren.“ Außerdem sei jeder Fall einzigartig und könne nicht immer nach vorgeschriebenen Mustern abgearbeitet werden.
Jede Woche neue Kulturen und Herausforderungen
Gleichzeitig stellt der junge Sachbearbeiter den Anspruch an sich selbst, dass er jeden Kunden gut berät und informiert. Dass es dabei mal zu Missverständnissen kommt, gehört dazu. Jede Woche sitzen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt vor ihm: „Deshalb werden bestimmte Gesten und Mimik von meinem Gegenüber manchmal ganz anders verstanden.“
Problematisch kann es werden, wenn Michael auf Englisch umsteigen muss, das aber nicht die Muttersprache des Ausländers ist. Dann nimmt sich der 25-jährige viel Zeit, um mit einfachen Worten zu erfahren, was das Anliegen seines Gesprächspartners ist. Wenn er weiterhelfen kann und nebenbei noch etwas über die Kultur desjenigen erfährt, freut sich Michael. Denn genau deshalb liebt er es, bei der Ausländerbehörde zu arbeiten: Der Kontakt mit Menschen aus fremden Ländern und Kulturen.
Ruhig Blut
Aber was passiert eigentlich, wenn Michael seinem Gegenüber sagen muss, dass er seinen Antrag ablehnen und er wieder zurück in seine Heimat muss? Auch das gehöre nun mal zum Job, meint Michael. Dass viele es nicht verstehen wollen, dass ihr Antrag abgelehnt wird, versteht er nur zu gut. „Das Aufenthaltsgesetz ist gespickt mit Verordnungen, die für Laien schwer zu durchschauen sind“, weiß Michael.
Er versucht, diesen Unmut aufzufangen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. In einem persönlichen Gespräch erklärt Michael dem Betroffenen, warum sein Antrag abgelehnt wurde. „Bei alledem ist es wichtig, die Kritik nicht auf sich selbst zu beziehen“. Immerhin hat Michael diese Entscheidung nicht willkürlich getroffen, sondern setzt nur die Vorgaben um.
Auf die Plätze, fertig, los!
Wie in anderen Branchen, sind auch in der Verwaltung viele Ausbildungsplätze frei. Wer sich zum Verwaltungsfachangestellten ausbilden lässt, durchläuft viele Stationen wie die Stadtkasse oder das Ordnungsamt. Dadurch sollen die Azubis viele Eindrücke mitnehmen und die Möglichkeit haben, nach dem Abschluss in möglichst vielen Positionen eingesetzt werden zu können.
„Ob man am Ende befristet oder unbefristet eingestellt wird, hängt von den theoretischen und praktischen Leistungen sowie dem Abschlusszeugnis ab“, meint Michael. Er will sich in Zukunft zum Hauptsachbearbeiter weiterbilden und in der Ausländerbehörde bleiben. Er freut sich schon auf den nächsten Urlaub, wo er seine erlernten Fremdsprachenkenntnisse testen kann.

