Christoph will sein Leben auf dem Land nicht tauschen. Foto: Vanessa Vu

Christoph ist 18 und lebt mit einer Großfamilie, 90 Kühen und einigen Katzen auf einem Hof. Wie es sich auf dem Land so lebt, erzählt er hier.

Ich wohne in Giltshof, das ist eine sehr abgelegene niederbayerische Ortschaft mit nur vier Höfen, die meisten Navis kennen es nicht einmal. Was nach langweiliger Einöde klingt, ist vor allem viel Arbeit: Seit Generationen besitzen wir einen Bauernhof und betreiben auf 50 Hektar Land Viehwirtschaft. Wir haben aber auch Maisfelder zur Versorgung unserer rund 90 Kühe.

Der Tag beginnt bei mir früher als bei den meisten. Täglich um fünf müssen die Kühe gefüttert und gemolken werden. Zu dritt brauchen wir gute zwei Stunden. Meine Schwestern und ich wechseln uns mit der Stallarbeit ab, denn Schule geht vor. Seit dem Tod meines Vaters haben wir zusätzlich einen Betriebshelfer, da wir die ganze Arbeit alleine nicht schaffen. Und nach der Stallarbeit bringen wir eine Kanne frische Milch mit: für mich das Beste, das es gibt!

Man muss sich arrangieren

Dass unser Hof so abgelegen liegt, ist nicht schlimm; mit dem Bus bin ich bisher immer zur Schule gekommen. Nur Heimfahren ist problematisch, da sich meine Interessen selten mit den raren Busabfahrtszeiten vertragen. Also bin ich oft auf das Auto angewiesen, besonders bei der Wochenendplanung: Früher war ich abends selten weg, weil mich so spät niemand mehr gefahren hat. Zum Glück änderte sich das nach meinem 18. Geburtstag! Unangenehm ist nur, wenn nach einer langen Nacht gleich die Stallarbeit wartet. Man muss sich eben arrangieren. Das ist alles eine Frage des Willens.


Für seine Kühe steht Christoph auch
nach Partys früh um fünf auf.
Foto: Vanessa Vu

Wenn mir etwas wirklich wichtig ist, werde ich natürlich von der Arbeit auf dem Hof befreit, zum Beispiel für Schüleraustausche oder jetzt in der Abiturvorbereitungsphase. In meiner Freizeit sehe ich mich auch nicht eingeschränkt, ganz im Gegenteil. Zweimal pro Woche mache ich Leichtathletik, bin bei der Freiwilligen Feuerwehr und spiele Ukulele. Und ich kann jederzeit draußen etwas unternehmen.

Die Arbeit ist hart und zunehmend unrentabler

Den Hof übernehmen? Ich denke nicht, mit ein bisschen Glück möchte es mein kleiner Bruder später. Vielleicht müssen wir ihn auch verkaufen, aber man kann niemanden dazu zwingen, ihn zu übernehmen. Die Arbeit ist hart und immer unrentabler, denn wir sind sehr von den ständig sinkenden Milchpreisen abhängig. Ich finde es gut, dass die Landwirte deswegen gestreikt haben, doch wir hatten nicht das Geld, um uns zu beteiligen. Außerdem sind sie manchmal zu radikal gewesen: Zum Teil haben sie passive Bauern besucht oder angerufen und sie beschimpft, nur weil sie nicht mit gestreikt haben!

In der Stadt möchte ich nie leben – auch wenn es dort unwahrscheinlicher ist, über ausgerutschte Kühe zu stolpern und in den Mist zu fliegen. Und man wäre dort möglicherweise nicht von so vielen streng konservativen Katholiken umgeben, aber die Reizflut und die Anonymität würden mich stören. Auf dem Land weiß man seine Umwelt viel mehr zu schätzen: Nach dem Abitur will ich ein Studium der Erneuerbaren Energien anfangen und etwas zum Erhalt der Umwelt beitragen.

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